Planet der Affen: Survival

Gelegentlich darf es auch ein Blockbuster sein – im Popcornkino vor Ort. Überhaupt gilt es dieses mit einem gelegentlichen Besuch zu unterstützen – denn ab und an erstaunt ich mich schon, dass Pirna noch ein eigenes Kino aufzuweisen hat. Das bleibt hoffentlich auch noch lange so.

Kurzum: Mit Planet der Affen – Survival stand das dritte Kapitel der bis dato zu Recht gelobten Blockbuster-Reihe auf dem Programm. Ich habe natürlich die zwei bisherigen Filme gesehen, dazu auch schon vor Jahrzehnten die auf dem Roman basierende Filmreihe aus den 60er und 70er Jahren. Der Stoff birgt eine faszinierende Geschichte, und so ein bissel Science-Fiction darf es ja auch gerne mal sein.

Das aktuelle Szenario zeigt Caesar und seine Affen im tödlichen Konflikt mit der Armee eines rücksichtslosen Colonels. Die Affen haben sich in den Wald zurückgezogen und planen den Auszug in ein fernes und gelobtes Land, um fernab der Menschheit ihr Glück zu finden. Bei einem heimtückischen Überfall des Colonels ermordet dieser Caesars Frau und seinen Sohn. Von Schmerz und dem Wunsch nach Vergeltung getrieben lässt der sonst so besonnene Caesar sein Volk alleine aufbrechen und sucht mit wenigen Getreuen nach dem Colonel … Letztlich endet der Kampf der Kontrahenten in einem wahrhaftigen Grande Finale.

Der dritte Teil darf zweifellos als das fulminanteste Kapitel der Reihe benannt werden. In düsteren Bildern (mit faszinierenden visuellen Effekten!) verarbeitet Regisseur Matt Reeves starke Analogien auf die finstersten Kapitel der jüngeren Menschheitsgeschichte. Er bedient sich klassischer Westernmotive und nimmt gekonnt Anleihen in der Filmgeschichte – Platoon, Apocalypse Now und Die zehn Gebote seien hier als Beispiel benannt. Alles legitim, denn letztlich geht es ja um das Große und Ganze: Mit Nachdruck verweist der Film auf die Grundfragen der menschlichen Existenz.

Im Fazit ist Mit Planet der Affen: Survival ein ebenso fesselndes wie abgründiges Anti-Kriegs-Epos, das man gesehen haben sollte.

Jake Hills

Die andere Seite der Hoffnung

Die andere Seite der Hoffnung ist der aktuelle Spielfilm von Aki Kaurismäki. Er basiert auf dem Originaldrehbuch des Regisseurs und besteht aus zwei Geschichten, die sich irgendwann miteinander verbinden. Zum Einen ist dies die Geschichte vom Neubeginn eines älteren finnischen Handelsvertreters und späteren Restaurantbesitzers, zum Anderen die eines jungen syrischen Flüchtlings. Beide treffen in unseren Tagen in Helsinki aufeinander und bilden eine der für Aki Kaurismäki typischen Schicksalsgemeinschaften, welche zeigt, dass die Welt tatsächlich besser sein könnte und sollte.

Der Film entspricht der gewohnten Kaurismäki-Filmsprache. Ich halte den Mann ja ohnehin für einen der begnadetsten Regisseure der Filmgeschichte (arte widmete ihm erst kürzlich – anlässlich des 60. Geburtstags – eine kurze Filmreihe!) und mag seine düster-melancholischen, immer sehr optimistischen und warmherzigen Komödien, sehr. Auch in Die andere Seite der Hoffnung sind die Bilder zeitlos und wunderschön arrangiert, geprägt von Nostalgie und Melancholie mit Anklang an die 50er Jahre. Es gibt einen alten Cadillac und jede Menge finnischen Rock’n’Roll, dazu eine Handvoll sagenhaft skurriler Charaktere. Der Ausgang des Films bleibt allerdings offen …


Verweis: Die andere Seite der Hoffnung (Filmwebsite)

Der Hunderteinjährige

Vor zwei Tagen schon im Kino: “Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand” – ein Film in der Regie der Brüder Felix und Måns Herngren. “Der Hunderteinjährige …” ist die Fortsetzung der schwedischen Kriminalkomödie (1. Teil “Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand”) und erzählt ein weiteres Kapitel aus dem verrückten Leben des Rentners Allan Karlson mit seiner Vorliebe für Bomben, Explosionen und große geschichtliche Ereignisse.

Ganz kurz die Story. Der ehemalige Doppelagent Allan Karlsson (Robert Gustafsson) und sein Kumpel Julius Jonsson (Iwar Wiklander) haben sich gut in ihrem Leben auf Bali eingerichtet. Inzwischen bringt Allan es auf stattliche 101 Lebensjahre. Das Entspannen und Schlürfen der einheimischen Erfrischungsgetränke auf der traumhaften Insel kann aber auf Dauer selbst der größte Faulenzer nicht lange aushalten, und von den einst 50 Millionen schwedischen Kronen ist auch nicht viel geblieben. Also begibt sich der rastlose Rentner auf ein neues, haarsträubendes Abenteuer, bei dem er auf rachsüchtige Gangster, die CIA und alte Bekannte aus Russland trifft. Nur soviel: Im Kern geht es um das Rezept eines höchst erfolgversprechenden Erfrischungsgetränks, Stichwort: Volksbrause. Mehr sei hier nicht verraten …

Ebenso wie der erste ist auch der zweite Teil eine prachtvolle Geschichte von seltsamen Charakteren und skurrilen Situationen. Während mich Allan Karlsson in all seiner (teils überzogenen) Langsamkeit doch ein wenig nervt gefällt mir die Figur des Bikerclub-Bosses, der nach einem Zusammenstoß dauerhaft sein Gedächtnis verlor, ganz ausgezeichnet. Eine amüsante Nebenrolle nur (gespielt von Jens Hultén), die mir aber noch Tage später ein ganzheitliches Lächeln ins Gesicht meißelt.

Kundschafter des Friedens

Zwei Bier im Einkaufsnetz, eine Currywurst bei Konnopke – der Alltag des einst legendären Top-Spions der DDR-Auslandsaufklärung, Jochen Falk (Henry Hübchen), ist fad und eintönig geworden. Doch unerwartet bittet ausgerechnet der BND ihn um Hilfe. Grund dafür ist die Entführung des designierten Präsidenten Katschekistans (eine fiktive ehemalige Sowjetrepublik, deren baldige Wiedervereinigung die Bundesregierung anstrebt) sowie des BND-Agenten Frank Kern (Jürgen Prochnow). Alte Kontakte in den ehemaligen Ostblock stehen plötzlich wieder hoch im Kurs.

Falk wittert die Chance, eine noch offene Rechnung mit dem West-Agenten Kern zu begleichen und stimmt dem Einsatz zu. Vorausgesetzt, er bekäme die volle Westrente und könne dazu sein altes Team der Kundschafter des Friedens – den verschrobenen Tüftler Jaecki (Michael Gwisdek), den windigen Logistiker Locke (Thomas Thieme) und den nicht mehr ganz taufrischen Romeo-Agenten Harry (Winfried Glatzeder) – reaktivieren. Der BND stimmt zu und schickt – als Aufpasserin – BND-Agentin Paula (Antje Traue) mit auf die Mission.

Doch im fernen Katschekistan ist längst nicht mehr alles so, wie es mal war, und die Mission droht vollständig im Chaos zu versinken. Bis sich die vier auf ihre alten Fähigkeiten besinnen …

Um es kurz zu machen: “Kundschafter des Friedens” ist eine hervorragend gespielte Agentenkomödie, die mich köstlich amüsiert hat. Die Musik, superb bediente Klischees und passende Splittscreens beschwören das Agenten-Kino der 70er Jahre (aus Ost und West) herauf – Das unsichtbare Visier lässt grüßen. Für Menschen wie mich, die ebendieses noch im Original gesehen und in der DDR gelebt haben, ist diese Komödie ein Heimspiel. Alle anderen nehmen diesen kurzweiligen Streifen bitte nicht allzu ernst.


Verweis: Kundschafter des Friedens (Filmwebsite)

Die Blumen von gestern

Totila Blumen (Lars Eidinger) ist Holocaust-Forscher und versteht als solcher keinerlei Spaß. Schon gar nicht dann, wenn es etwa darum geht, aus einem von ihm jahrelang vorbereiteten Auschwitz-Kongress ein werbefinanziertes Medien-Event zu machen. Das hieße nichts anderes, als das Erbe des gerade erst verstorbenen und von Totila hoch verehrten Professors Norkus (Rolf Hoppe) mit Füßen zu treten. Als ihm dann auch noch die Leitung des Projektes entzogen und zugleich die sehr nervige französische Studentin Zazie (Adèle Haenel) als Praktikantin vor die Nase gesetzt wird, scheint der Mann mit seinen Kräften endgültig am Ende.

Befeuert wird das Ganze von den Zwistigkeiten seiner Ehe, in welcher die Partner – mit Blick auf Totilas angenommene Impotenz – gewisse Arrangements getroffen haben. Trotz alledem: der Mann geht weiter seiner Arbeit nach, jetzt unterstützt von der exzentrischen Zazie, die jedoch ihrer ganz eigenen Agenda zu folgen scheint– einer Agenda, die eng mit Totilas Herkunft und seinem wohlgehüteten Familiengeheimnis verknüpft ist.

Soweit die Ausgangssituation. Um mehr zu erfahren, müsst ihr ins Kino gehen und euch “Die Blumen von gestern”, den neuen Film von Chris Kraus (Drehbuch und Regie) selbst anschauen. Nach meinem gestrigen Besuch kann ich diesen ausdrücklich empfehlen. Allerdings mit einigen Abstrichen, denn der Film polarisiert und das ist auch gut so.

Kaum erträglich fand ich beispielsweise die ständige, in üble Wutausbrüche endende Aggressivität Totilas. Dazu der oft aufgesetzt wirkende, sexualisiert-ordinäre Sprachgebrauch, der einfach nur nervt. Okay, Tortila und Zazie sind beide Borderliner, da fackelt man nicht lange und kommt gleich zur Sache. Es scheint trotzdem übertrieben, ebenso wie die Szene mit der Farbe und dem fliegenden Mops. Das Anliegen des Films wäre auch ohne diese Extreme verständlich herübergekommen, denke ich. Und dieses ist im Fazit dann doch löblich und angekommen, zumindest bei mir und den Damen in meiner Begleitung.

Sich dem Thema Holocaust auf diese Weise, sprich exzessiv schräg, schwarzhumorig und mit einigen wunderschön skurrilen Szenen, zu nähern, hat durchaus etwas Gutes.


Verweis: “Die Blumen von gestern” (Filmwebsite).

Egon Schiele – Tod und Mädchen

Egon Schiele war ein österreichischer Maler des Expressionismus und zählt neben Gustav Klimt und Oskar Kokoschka zu den bedeutendsten Künstlern der Wiener Moderne. Er war einer der provokantesten Künstler in Wien, löst diverse Skandale aus und wurde wegen der angeblichen Schändung einer Dreizehnjährigen vor Gericht gestellt. Egon Schieles Werk ist geprägt von Erotik und Vergänglichkeit. Heute sind Museen und Sammler der ganzen Welt an seinem Werk interessiert, die Bilder erzielen Millionengewinne auf den Auktionen. Der Film des österreichischen Film- und Theaterregisseurs Dieter Berner beruht auf dem biografischen Roman “Tod und Mädchen: Egon Schiele und die Frauen” von Hilde Berger, die gemeinsam mit ihrem Mann auch das Drehbuch entwickelte.

Erzählt wird die Beziehung zwischen dem Maler Egon Schiele und den fünf für ihn wichtigen Frauen, als da wären seine Geliebte Wally Neuzil, die jüngere Schwester Gerti, die Varieté-Tänzerin Moa Nahuimir sowie seine Ehefrau Edith Harms und seine Schwägerin Adele. Von diesen war Wally wahrscheinlich die einzige große Liebe, verewigt in dem Gemälde „Tod und Mädchen“ (1914).

Im kurz gefassten Fazit halte ich den Film (110 Minuten) für überaus gelungen. Die packende Story aus Erotik, Liebe, Drama und Eifersucht in Summe mit der perfekten Besetzung (Noah Saavedra als Egon Schiele und Valerie Pachner als Wally Neuzil) garantieren ein kurzweiliges und klug arrangiertes Filmvergnügen, das ihr gesehen haben solltet.

Frantz

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg in einer deutschen Kleinstadt: die junge Anna besucht täglich das Grab ihres Verlobten Frantz, der in Frankreich gefallen ist. Irgendwann bemerkt sie einen jungen Mann, der ebenfalls das Grab besucht und Blumen ablegt. Sie spricht ihn an und der junge Franzose stellt sich als Adrien vor. Er wäre vor dem Krieg mit Frantz befreundet gewesen und würde ihn ebenfalls schmerzlich vermissen.

Anna lebt im Haus ihrer Schwiegereltern. Sie nehmen Adrien auf und verbringen viel Zeit miteinander. Nicht jeder im Ort kann sich mit der deutschen Niederlage abfinden. In der Folge führt Adriens Anwesenheit zu Konflikten und er kehrt nach Frankreich zurück. Anna folgt ihm, um seine geheimnisvolle Verbindung zu Frantz zu ergründen.

“Frantz” basiert lose auf dem Ernst-Lubitsch-Film “Der Mann, den sein Gewissen trieb” von 1932, legt jedoch etwas mehr Augenmerk auf die Romanze denn auf das Antikriegsdrama an sich. Regisseur François Ozon entschied sich dafür, den Film zum Großteil in Schwarzweiss zu drehen – eine lobenswerte Entscheidung. So sehen wir nachhaltige, authentisch wirkende Bilder, die der emotionalen Wucht des Melodrams bestens gerecht werden. Dazu kommen mit Pierre Niney (Adrien) und der zauberhaften Paula Beer (Anna) zwei erstklassige Darsteller, denen ihre Rolle förmlich auf den Leib geschrieben scheint.

Im Fazit ist der Film (übrigens eine deutsch französische Koproduktion, gedreht in Quedlinburg, Wernigerode und Görlitz sowie im französischen Eymoutiers) ein erstklassig gedrehtes und bewegendes Drama, das mir außerordentlich gut gefiel. Ihr solltet ihn gesehen haben – und zwar im Kino, denn dafür werden solche Filme gemacht.

Verweis: Frantz (offizielle Filmwebsite)