Aktuell auf Arte: Vietnam

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viele Stunden am Stück vor dem TV verbracht habe (der mensch schaut ja prinzipiell keine Serien). Aber diese monumentale Dokumentarfilm-Reihe von Ken Burns und Lynn Novick war jede Minute wert. Brilliante (oftmals erschütternde) Bilder, viele Originalaufnahmen und einfühlsame Zeitzeugengespräche zeichnen diese einzigartige Dokumentation, welche die Geschichte des Vietnamkriegs so umfassend und detailliert wie nie zuvor erzählt (sprich von der Kolonialzeit bis in die Gegenwart), vor allen anderen aus.

Die neunteilige Dokumentarfilmreihe Vietnam (jede Folge eine knappe Stunde) läuft derzeit auf arte und ist auch online anzuschauen – längstens bis zum 21. Oktober 2017. Ihr solltet euch die Zeit nehmen, es lohnt unbedingt.

(Deutscher Sprecher ist übrigens Joachim Król.)

Planet der Affen: Survival

Gelegentlich darf es auch ein Blockbuster sein – im Popcornkino vor Ort. Überhaupt gilt es dieses mit einem gelegentlichen Besuch zu unterstützen – denn ab und an erstaunt ich mich schon, dass Pirna noch ein eigenes Kino aufzuweisen hat. Das bleibt hoffentlich auch noch lange so.

Kurzum: Mit Planet der Affen – Survival stand das dritte Kapitel der bis dato zu Recht gelobten Blockbuster-Reihe auf dem Programm. Ich habe natürlich die zwei bisherigen Filme gesehen, dazu auch schon vor Jahrzehnten die auf dem Roman basierende Filmreihe aus den 60er und 70er Jahren. Der Stoff birgt eine faszinierende Geschichte, und so ein bissel Science-Fiction darf es ja auch gerne mal sein.

Das aktuelle Szenario zeigt Caesar und seine Affen im tödlichen Konflikt mit der Armee eines rücksichtslosen Colonels. Die Affen haben sich in den Wald zurückgezogen und planen den Auszug in ein fernes und gelobtes Land, um fernab der Menschheit ihr Glück zu finden. Bei einem heimtückischen Überfall des Colonels ermordet dieser Caesars Frau und seinen Sohn. Von Schmerz und dem Wunsch nach Vergeltung getrieben lässt der sonst so besonnene Caesar sein Volk alleine aufbrechen und sucht mit wenigen Getreuen nach dem Colonel … Letztlich endet der Kampf der Kontrahenten in einem wahrhaftigen Grande Finale.

Der dritte Teil darf zweifellos als das fulminanteste Kapitel der Reihe benannt werden. In düsteren Bildern (mit faszinierenden visuellen Effekten!) verarbeitet Regisseur Matt Reeves starke Analogien auf die finstersten Kapitel der jüngeren Menschheitsgeschichte. Er bedient sich klassischer Westernmotive und nimmt gekonnt Anleihen in der Filmgeschichte – Platoon, Apocalypse Now und Die zehn Gebote seien hier als Beispiel benannt. Alles legitim, denn letztlich geht es ja um das Große und Ganze: Mit Nachdruck verweist der Film auf die Grundfragen der menschlichen Existenz.

Im Fazit ist Mit Planet der Affen: Survival ein ebenso fesselndes wie abgründiges Anti-Kriegs-Epos, das man gesehen haben sollte.

Jake Hills

Kurzfilm: A Single Life

Eine mysteriöse Schallplatte erlaubt es Pia, durch die Zeit zu reisen.

Der sehenswerte und oscarnominierte Animations-Kurzfilm entstand in den Niederlanden – im Animations-Studio Job, Joris & Marieke, welches nach den drei Animations-Künstlern Marieke Blaauw, Joris Oprins und Job Roggeveen benannt ist. (via)

Doku-Tipp: Dieses bunte Deutschland

Zum Dienstag ein kurzer TV-Tipp. Am morgigen Mittwoch zeigt Das Erste einen Dokumentarfilm mit dem Titel “Dieses bunte Deutschland – Über den Mut nach der Flucht” (ca. 89 min.).

Ein Jahr lang haben Filmteams Flüchtlinge in Deutschland begleitet: Der Film gibt Einblick in das Leben von vier Menschen, die nur eines gemeinsam haben: dass sie ihre Heimat verlassen mussten und nun einen mutigen Neubeginn wagen.

So weit, so gut. Dieser Tipp ist mir auch wichtig, weil ich einen dieser vier Menschen persönlich kenne – wenn auch nicht wirklich gut. Allerdings weiß ich mehr über ihn, als er selbst vielleicht ahnt … Aus Gründen. Pirna ist also ein Schwerpunkt dieser Reportage und ich bin gespannt, welcher Art die Eindrücke sind, die im Film vermittelt werden.

Sendetermin: Mittwoch, 31.05.2017, 22.45 Uhr, im Ersten.


Der Film ist nun auch in der Mediathek zu finden (verfügbar bis 31.05.2018).

Die andere Seite der Hoffnung

Die andere Seite der Hoffnung ist der aktuelle Spielfilm von Aki Kaurismäki. Er basiert auf dem Originaldrehbuch des Regisseurs und besteht aus zwei Geschichten, die sich irgendwann miteinander verbinden. Zum Einen ist dies die Geschichte vom Neubeginn eines älteren finnischen Handelsvertreters und späteren Restaurantbesitzers, zum Anderen die eines jungen syrischen Flüchtlings. Beide treffen in unseren Tagen in Helsinki aufeinander und bilden eine der für Aki Kaurismäki typischen Schicksalsgemeinschaften, welche zeigt, dass die Welt tatsächlich besser sein könnte und sollte.

Der Film entspricht der gewohnten Kaurismäki-Filmsprache. Ich halte den Mann ja ohnehin für einen der begnadetsten Regisseure der Filmgeschichte (arte widmete ihm erst kürzlich – anlässlich des 60. Geburtstags – eine kurze Filmreihe!) und mag seine düster-melancholischen, immer sehr optimistischen und warmherzigen Komödien, sehr. Auch in Die andere Seite der Hoffnung sind die Bilder zeitlos und wunderschön arrangiert, geprägt von Nostalgie und Melancholie mit Anklang an die 50er Jahre. Es gibt einen alten Cadillac und jede Menge finnischen Rock’n’Roll, dazu eine Handvoll sagenhaft skurriler Charaktere. Der Ausgang des Films bleibt allerdings offen …


Verweis: Die andere Seite der Hoffnung (Filmwebsite)

Der Hunderteinjährige

Vor zwei Tagen schon im Kino: “Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand” – ein Film in der Regie der Brüder Felix und Måns Herngren. “Der Hunderteinjährige …” ist die Fortsetzung der schwedischen Kriminalkomödie (1. Teil “Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand”) und erzählt ein weiteres Kapitel aus dem verrückten Leben des Rentners Allan Karlson mit seiner Vorliebe für Bomben, Explosionen und große geschichtliche Ereignisse.

Ganz kurz die Story. Der ehemalige Doppelagent Allan Karlsson (Robert Gustafsson) und sein Kumpel Julius Jonsson (Iwar Wiklander) haben sich gut in ihrem Leben auf Bali eingerichtet. Inzwischen bringt Allan es auf stattliche 101 Lebensjahre. Das Entspannen und Schlürfen der einheimischen Erfrischungsgetränke auf der traumhaften Insel kann aber auf Dauer selbst der größte Faulenzer nicht lange aushalten, und von den einst 50 Millionen schwedischen Kronen ist auch nicht viel geblieben. Also begibt sich der rastlose Rentner auf ein neues, haarsträubendes Abenteuer, bei dem er auf rachsüchtige Gangster, die CIA und alte Bekannte aus Russland trifft. Nur soviel: Im Kern geht es um das Rezept eines höchst erfolgversprechenden Erfrischungsgetränks, Stichwort: Volksbrause. Mehr sei hier nicht verraten …

Ebenso wie der erste ist auch der zweite Teil eine prachtvolle Geschichte von seltsamen Charakteren und skurrilen Situationen. Während mich Allan Karlsson in all seiner (teils überzogenen) Langsamkeit doch ein wenig nervt gefällt mir die Figur des Bikerclub-Bosses, der nach einem Zusammenstoß dauerhaft sein Gedächtnis verlor, ganz ausgezeichnet. Eine amüsante Nebenrolle nur (gespielt von Jens Hultén), die mir aber noch Tage später ein ganzheitliches Lächeln ins Gesicht meißelt.