Rappelsnut

Wandern, Punkrock und der ganze Rest

Fünf Filmtipps

Analog zu den hier im Blog zwar unregelmäßig, jedoch stetig erscheinenden Verweisen in Sachen Fotografie, erscheint hiermit Teil 6 einer ebensolchen Reihe von Linktipps zu besonderen (und für mich interessanten) Kurzfilmen, Spielfilmen, Serien und Dokumentationen im Netz. Diese sind, wie gehabt, als Notiz für mich und als Empfehlung für hier mitlesende Filmfreundinnen einzuordnen.

  • Die Küche (Regie: Jürgen Böttcher, 43 Min.) – Dieser schwarz-weiß-Dokumentarfilm berichtet über die schwere Arbeit von 33 Frauen und 6 Männern in der Hauptküche der Neptun-Werft in Rostock. Penibel fängt die Kamera das Personal, welches von der Küchenleiterin Lili Wendler und der ersten Köchin Gitta Wolgarten angeführt wird, und die hungrigen Werftarbeiter in der Kantine ein. Monotone Arbeitsabläufe werden dokumentiert, unterlegt mit der Atmosphäre der einzelnen Bereiche, dabei dringen Wortfetzen zum Arbeitsablauf und von privaten Erzählungen durch die lauten Küchengeräusche. Wenige Fragen aus dem Off werden kurz und knapp von den Frauen und Männern beantwortet. Angespannte und fröhliche Gesichter wechseln sich ab, trotz Akkordarbeiten in den Spitzenzeiten der Essensausgabe an fast 5.000 Werftarbeiter.
  • Zeitreise über Nazi-Wein-Propaganda: „Saufen für den Führer“ (NDR, knappe 5 Min.) – Unter der Parole „Wein ist Volksgetränk“ sorgten die Nationalsozialisten dafür, dass deutscher Wein getrunken wird – auch in Lübeck.
  • Blood & Gold (Netflix) (Deutschland, 2023, 98 Min.) ist eine m.E. ausgesprochen sehens- und bemerkenswerte Action-Groteske mit Robert Maaser, Marie Hacke und Alexander Scheer in den Hauptrollen. Ganz kurz zum Inhalt: Der deutsche Deserteur Heinrich befindet sich gegen Ende des Zweiten Weltkriegs auf der Flucht, um zu seiner Tochter zu gelangen, die als einzige seiner Familie den Krieg überlebt hat. Eine kleine Einheit der SS entdeckt ihn jedoch und verfolgt ihn, da sie auf der Suche nach einem geheimnisvollen jüdischen Goldschatz sind. Heinrich wird gegen seinen Willen Teil dieser Gruppe und begibt sich mit ihnen in ein kleines Dorf, wo der Schatz versteckt sein soll …
  • Die „GREIF“ soll wieder segeln (NDR Doku, knappe 29 Min.) – Die ›GREIF‹, ehemaliger Großsegler aus DDR-Zeiten, liegt in Greifswald und muss saniert werden. Jedes Schiff, jede Crew braucht einen Bootsmann, einen, der sie anleitet und der am besten auch singen kann, dann geht die Arbeit leichter von der Hand. Robert Greiner-Pol aka Bob Beeman hat immer beides gemacht, Singen und Segeln, aber in den letzten Jahren war das Segeln wichtiger: Bob ist Bootsmann, auf der ›GREIF‹, dem ehemaligen Segelschulschiff ›WILHELM PIECK‹. 1951 gebaut, wird es seit 1990 unter neuem Namen von der Stadt Greifswald betrieben, zugänglich für alle, mit fester Stammbesatzung: Bootsmann Bob und Maschinist Silvio. Mir blutet das Herz (Anm.d.A.). (via)
  • Die Karbidfabrik (DEFA Doku, 1987/88, 26 Min.) – Dieser Farb-Dokumentarfilm berichtet über die besonderen Arbeitsbedingungen in der veralteten Karbidfabrik Schkopau in der Auenlandschaft an der Saale. Aus Kalk und Kohle wird in einem umweltbelastenden Verfahren Karbid geschmolzen, sehr zum Leidwesen der Arbeiter und Einwohner in Schkopau. Ziel der Arbeiter war es am Abend gesund vom Arbeitsplatz nach Hause zu kommen, gleichzeitig senkten sie die giftigen Ableitungen in die Saale. Eine marode Kläranlage sowie die Abgase und Stäube aus der Fabrik gefährden die Lebensqualität in der Region auf das Äußerste. Mit einer großen Offenheit sprechen die Arbeiter und der Abteilungsleiter der Chemischen Werke Buna über Missstände, über mangelnde Investitionen und über die Zukunftsaussichten in Form neuer Technologien. Ein bemerkenswerter Film, der durch seine kritische Kommentierung und unbeschwerte Erzählweise der Arbeiter überrascht. Die Kameraführung und der Schnitt unterstützen dabei die Trostlosigkeit und Schwere der Arbeit in diesem Industrieunternehmen und widerspricht der Devise von Walter Ulbrichts Chemieprogramm von 1958 „Chemie gibt Schönheit“.

Ich wünsche gute Unterhaltung.

4 Antworten

  1. Avatar von derbaum
    derbaum

    die küche kenn ich, die karbidfabrik steht seit einiger zeit auf der liste, den greif hab ich eben gebookmarkt – danke! :-)

    1. Avatar von Rappel

      Dirk! Es heißt die Greif. Es ist ein Schiff, eine Schonerbrigg, und somit eine Persönlichkeit. Die Greif also. Zum Film: Ich hätte mir vielleicht ein paar mehr Fakten zur Geschichte derselben gewünscht, war ja selber mal Kursant auf ihr (vor 40 Jahren!). Aber gut, so ist man zumindest im Bilde, was die aktuelle Entwicklung angeht.

  2. Avatar von derbaum
    derbaum

    ich auch – mir wars zu viel drumrum. und ich wollte dich schon fragen ob du mal drauf gedient hast. (entschuldige bitte meinen fauxpas mit dem pronomen!)

    1. Avatar von Rappel

      Ist schon okay, du olle Landratte kannst ja nichts dafür. Und mit dem Greif als Fabeltier hast du natürlich recht. :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert