Fatih Akın: The Cut

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THE CUT ist der letzte Teil von Fatih Akins Trilogie “Liebe, Tod und Teufel” – wir erinnern uns gerne an GEGEN DIE WAND und AUF DER ANDEREN SEITE.

Die Story beruht auf einem wichtigen Kapitel europäischer Geschichte: dem von der türkischen Armee begangenen Völkermord an den Armeniern (1914 – 1918). Das Augenmerk liegt auf Krieg und Vertreibung, ist auf das Böse im Menschen gerichtet und auf das, was Menschen bereit sind, anderen Menschen anzutun.

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A Most Wanted Man

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Issa Karpov, ein halb zu Tode gefolterter russisch-stämmiger Tschetschene, findet Zuflucht in der islamischen Gemeinde Hamburgs. Eine junge deutsche Anwältin hilft dem tiefgläubigen Moslem, an das illegal erworbene Millionen-Erbe des ungeliebten Vaters zu gelangen. Karpov will das Vermögen allerdings nicht für sich, sondern es als Spende an gemeinnützige Organisationen übergeben. Die Anwesenheit des jungen Mannes erregt die Aufmerksamkeit deutscher und amerikanischer Geheimdienste, die hoffen, über ihn an die Hintermänner und Geldgeber des weltweit agierenden islamistischen Terrors zu gelangen. Günther Bachmann ist Leiter einer deutschen Antiterroreinheit und ein Spion alter Schule – er heftet sich an die Fersen Karpovs. Im Gegensatz zu seinen Kollegen geht es Bachmann jedoch nicht um vorschnelle Erfolge – er will die Leute umdrehen, sie auf die andere Seite holen und langfristig an sich binden …

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Monsieur Claude und seine Töchter

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Das konservativ geprägte Ehepaar Claude und Marie Verneuil und seine vier schönen Töchter inmitten der französischen Provinz. Eine heiratet einen Chinesen, die zweite einen Juden und die Dritte einen Muslim.

Beschneidungsrituale, Hühnchen halal und koscheres Dim Sum – Claude und Marie geraten zunehmend unter Anpassungsdruck. Die jüngste Tochter wird endlich einen französischen Katholiken mit nach Hause bringen – die Freude ist zunächst groß. Als die Eltern jedoch dem schwarzen Charles gegenüberstehen ist ihre Geduld erschöpft, der Toleranzvorrat zur Gänze aufgebraucht.

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Die Bücherdiebin

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Wieder eine Bestseller-Verfilmung, und wieder ist es eine Bestseller-Verfilmung, die Sie unbedingt gesehen haben sollten. Ich habe Markus Zusaks Jugendbuch-Bestseller hier im Blog schon einmal erwähnt – als eine ausdrückliche Leseempfehlung. Nun ist sie verfilmt worden, die Geschichte der leseverrückten Liesel Meminger. Und es ist ein großer Film geworden, der dem Buch in nichts nachsteht, sondern in seiner Poesie ebenso berührend und ansprechend ist.

Deutschland, 1938. Erzählt wird die Geschichte eines Mädchens, das zu neuen Pflegeeltern in eine Kleinstadt kommt. Der Bruder stirbt auf der Reise, das Schicksal der Eltern bleibt offen …
Sie kommt jedoch in gute Hände. Die neue Mutter scheint zunächst etwas bärbeißig, ist ihr jedoch überaus zugetan, ebenso wie der liebevolle Pflegepapa Hans. Von ihm lernt sie das Lesen und Schreiben, und sie entdeckt ihre Liebe zu den Büchern. Über die Jahre wird die kleine Stadt jedoch mehr und mehr in das Geschehen des Krieges hineingezogen. Liesel erlebt die Bücherverbrennung der Nazis und die brutale Verfolgung der Juden. Vor der grauenvollen Realität flüchtet sie sich in die Welt der Bücher, erlebt aber zugleich auch Momente ehrlicher Hilfsbereitschaft und tiefer Menschlichkeit – denn die Pflegeeltern verstecken über Jahre den Juden Max in ihrem Keller …

Regisseur Brian Percival hat ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk geschaffen – Prädikat: besonders wertvoll. Es stimmt einfach alles, die Haupt- und Nebenrollen (Sophie Nélisse, Geoffrey Rush und Emily Watson!) sind exzellent besetzt, und jedwede Szene ist von Tiefe und mit Liebe zum Detail arrangiert. Im Fazit ist Die Bücherdiebin ein erstklassiger Film, der zwar für die Grausamkeit und das Leid des Krieges steht, zugleich aber auch von Zuversicht und der Hoffnung auf ein menschliches Miteinander erzählt. Sie sollten ihn gesehen haben – natürlich im Kino, denn dafür werden solche Filme gemacht.

Verweis: Die Bücherdiebin (Filmwebsite).

Der Hundertjährige …

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Samstag war Kinotag und wir haben uns eine großartige Komödie angesehen: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (in der Regie von Felix Herngren).

Der Kuchen ist mit Kerzen bestückt, die Gratulanten stehen bereit – doch der einhundertjährige Allan Karlsson hat nicht die geringste Lust auf die Feier und beschließt das Altersheim sogleich zu verlassen. Er steigt aus dem Fenster, macht sich auf zum Bahnhof und verschwindet mit dem nächsten Bus ins Nirgendwo. In der Hand einen Koffer, der ihm gar nicht gehört … Und so beginnt die aberwitzige und turbulente Reise eines Jubilars, dessen glücklichste Momente im Leben immer jene waren, in denen er etwas in die Luft sprengen konnte.

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Das finstere Tal

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Wir schreiben das Ende des 19. Jahrhunderts. Ort der Handlung ist ein entlegenes Hochtal – irgendwo in den Tiroler Alpen. Ein einsamer Reiter erreicht das kleine Dorf. Niemand heißt ihn willkommen, die Bewohner sind abweisend und verschlossen. Der Fremde gibt sich als Fotograf aus, der den Winter im Tal verbringen möchte. Für eine Handvoll Goldmünzen gewähren ihm die Söhne des Brenner-Bauern, des alles entscheidenden Patriarchen, ein Quartier.

Mit dem beginnenden Winter, der das Dorf in den Bergen einschließt, kommen zwei Söhne des Brenner-Bauern auf mysteriöse Weise ums Leben. Bald wird klar, dass ein altes, dunkles Geheimnis über dem Tal liegt. Es gilt, eine Rechnung aus längst vergangenen Zeiten zu begleichen …

Es gibt Sachen über die darf man nicht reden. Sachen, die früher passiert sind. Vor langer Zeit. Aber dass man nicht über sie reden darf, heißt nicht, dass man’s je vergessen kann. Es gibt nämlich Sachen, die lassen sich nie mehr vergessen. ~ Luzi

Der österreichische Regisseur Andreas Prochaska hat mit “Das finstere Tal” einen bonfortionösen Alpen-Western geschaffen. Als Vorlage diente ihm der gleichnamige Roman von Thomas Willmann (anno 2010, noch nicht gelesen). Der Film besticht durch die brilliant agierenden Darsteller_innen (Sam Riley, Paula Beer, Tobias Moretti) und die Wucht der Bilder – die verschneite Alpenlandschaft liefert dafür die perfekte Kulisse. Die 115 Minuten sind von einer wunderschönen Melancholie geprägt; die zerfurchten, verloren wirkenden Gesichter der Dorfbewohner, der mir nur schwer verständliche Tiroler Akzent und die dramatische Musik (das Metronom!) wirken hier als die tragenden Elemente.

Am Ende passt alles hervorragend zusammen, kurzum: “Das finstere Tal” ist ein genial inszenierter Rachefeldzug mit Kamera und Gewehr – Auge um Auge bis zum letzten Schuss – den ihr gesehen haben solltet. Natürlich im Kino – denn dafür werden Filme gemacht.

Verweis: Das finstere Tal (Filmwebsite)