Schlagwort: Kino

Kundschafter des Friedens

Zwei Bier im Einkaufsnetz, eine Currywurst bei Konnopke – der Alltag des einst legendären Top-Spions der DDR-Auslandsaufklärung, Jochen Falk (Henry Hübchen), ist fad und eintönig geworden. Doch unerwartet bittet ausgerechnet der BND ihn um Hilfe. Grund dafür ist die Entführung des designierten Präsidenten Katschekistans (eine fiktive ehemalige Sowjetrepublik, deren baldige Wiedervereinigung die Bundesregierung anstrebt) sowie des BND-Agenten Frank Kern (Jürgen Prochnow). Alte Kontakte in den ehemaligen Ostblock stehen plötzlich wieder hoch im Kurs.

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Die Blumen von gestern

Totila Blumen (Lars Eidinger) ist Holocaust-Forscher und versteht als solcher keinerlei Spaß. Schon gar nicht dann, wenn es etwa darum geht, aus einem von ihm jahrelang vorbereiteten Auschwitz-Kongress ein werbefinanziertes Medien-Event zu machen. Das hieße nichts anderes, als das Erbe des gerade erst verstorbenen und von Totila hoch verehrten Professors Norkus (Rolf Hoppe) mit Füßen zu treten. Als ihm dann auch noch die Leitung des Projektes entzogen und zugleich die sehr nervige französische Studentin Zazie (Adèle Haenel) als Praktikantin vor die Nase gesetzt wird, scheint der Mann mit seinen Kräften endgültig am Ende.

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Egon Schiele – Tod und Mädchen

Der Film von Dieter Berner erzählt aus dem Leben des österreichischen Malers Egon Schiele.

Egon Schiele war ein österreichischer Maler des Expressionismus und zählt neben Gustav Klimt und Oskar Kokoschka zu den bedeutendsten Künstlern der Wiener Moderne. Er war einer der provokantesten Künstler in Wien, löst diverse Skandale aus und wurde wegen der angeblichen Schändung einer Dreizehnjährigen vor Gericht gestellt. Egon Schieles Werk ist geprägt von Erotik und Vergänglichkeit. Heute sind Museen und Sammler der ganzen Welt an seinem Werk interessiert, die Bilder erzielen Millionengewinne auf den Auktionen.

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Frantz

„Frantz“ beleuchtet den brüderlichen Aspekt zwischen Deutschland und Frankreich sowie ein brandaktuelles Thema: den Nährboden von Nationalismus.

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg in einer deutschen Kleinstadt: die junge Anna besucht täglich das Grab ihres Verlobten Frantz, der in Frankreich gefallen ist. Irgendwann bemerkt sie einen jungen Mann, der ebenfalls das Grab besucht und Blumen ablegt. Sie spricht ihn an und der junge Franzose stellt sich als Adrien vor. Er wäre vor dem Krieg mit Frantz befreundet gewesen und würde ihn ebenfalls schmerzlich vermissen.

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Tschick (der Film)

Ich habe das Buch gelesen und gelobt, dem Theaterstück applaudiert (es läuft übrigens immer noch und ist im Spielplan zu finden) und preise nun auch den Film.

Fatih Akin („Gegen die Wand“, „Auf der anderen Seite“) hat mit „Tschick“ den gleichnamigen Bestseller von Wolfgang Herrndorf verfilmt. Sie erinnern sich vielleicht – diese kongeniale Geschichte zweier jugendlicher Außenseiter aus Berlin, die sich zu Beginn der Sommerferien quer durch den wilden Osten in Richtung Walachei auf dem Weg machen. Im gestohlenen Lada fahren sie durch ein fremdes, vertrautes Land und erfahren seltsame, (für uns Zuschauer großartige) trostvolle Begegnungen.

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Ein Mann namens Ove

Ove (Rolf Lassgård) ist ein verbitterter alter Griesgram, der in seinem Viertel die Rolle des Blockwarts übernommen hat. Täglich geht er seine Runde und schaut nach dem Rechten, um seine Mitmenschen zu kritisieren und auf ihre Fehler hinzuweisen. Er schreibt Parksünder auf und beschimpft (zu Recht natürlich) die Dame, deren Hund auf den Gehweg pinkelt.

Nach dem Tod seiner geliebten Frau lebt Ove allein und verzweifelt zunehmend an der Welt, die seines Erachtens nach zugrunde geht, da sich niemand mehr an die Regeln hält. Als er auch noch seinen Job verliert, wird er von Todessehnsucht erfasst und beschließt, sein Leben selbst zu beenden, um endlich wieder an der Seite seiner geliebten Frau zu sein. Während er zur Vollendung schreitet erblickt er plötzlich den neuen Nachbarn, welcher mit einem Anhänger rückwärts einparkt und dabei Oves Briefkasten touchiert. Ove zieht seinen Kopf aus der Schlinge und steigt vom Hocker, um den Mann ordentlich zurechtzuweisen. Er ahnt noch nicht, dass dessen Familie alsbald einen großen Platz in seinem Leben einnehmen wird …

„Ein Mann namens Ove“ ist eine wunderbar schwarzhumorige Komödie aus Schweden. Der Film (Regie: Hannes Holm) basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Fredrik Backman (noch nicht gelesen) und weiß mir zur Gänze zu gefallen. Den offensichtliche Balanceakt zum Kitsch und zuviel Klischee (der böse Alte mit dem großen Herzen!) sehe ich durchaus gemeistert, da die stets in wunderschönen und überaus romantischen, aber auch todtraurigen Bildern geschilderten Rückblenden in die Vergangenheit (Oves Frau Sonja wird von der bezaubernden Ida Engvoll gespielt) gekonnt durch die nüchternen, rauhen und bärbeißigen Gegenwartsszenen geerdet werden.

Und mal ehrlich, ein kleines bissel bonbonfarben dürfen sie doch auch einmal sein – die Geschichten auf der großen Leinwand. Im Fazit ist diese so eine Geschichte: gekonnt gedreht, liebevoll erzählt und mit großartigen Darstellern.

Ihr solltet sie gesehen haben.

Verweis: „Ein Mann namens Ove“ (offizielle Filmwebsite).

Symbolbild: Noom Peerapong.

The Hateful Eight

Irgendwo im gottverlassenen Wyoming, einige Jahre nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg: eine Postkutsche kämpft sich durch die Winterlandschaft. Neben dem Kopfgeldjäger John Ruth und seiner Gefangenen Daisy Domergue sitzen zwei weitere, auf dem Weg zugestiegene Passagiere in der Kutsche: der Ex-Soldat und ebenfalls als Kopfgeldjäger tätige Marquis Warren sowie Chris Manie – nach eigenen Angaben der neue Sheriff von Red Rock, dem eigentlichen Ziel der Ausfahrt. Mit Blick auf einen aufziehenden Schneesturm suchen die Reisenden alsbald Zuflucht in einer Herberge, die ihren Weg kreuzt. Dort werden sie bereits erwartet …

Acht Menschen auf engem Raum zusammen gepfercht – damit steht das Szenario und das Kammerspiel kann beginnen.

Du musst nur die gemeinen Bastarde hängen, aber die gemeinen Bastarde musst du hängen.

Regisseur und Darsteller haben die handelnden Figuren exzellent herausgearbeitet. Samuel L. Jackson ist hier vor allen anderen zu benennen und auch der gewitzte Tim Roth, der in „The Hateful Eight“ den leider nicht verfügbaren Christoph Waltz ersetzt. Jennifer Jason Leigh hat unter dem üblichen blutig-brutalem Ende nachhaltig zu leiden und liefert meines Erachtens besonders schaurig-krasse und einprägsame Bilder. So weit, so gut.

Der Film ist – wie bei Tarantino üblich – in einzelne, nicht immer chronologische Kapitel aufgeteilt. Gedreht wurde auf den Spuren John Waynes – in den Schneelandschaften Colorados. Und zwar mit Kameraobjektiven, die seit 1966 nicht mehr zum Einsatz gekommen sind – um den Western im Ultra Panavision 70-Breitbildformat aufzunehmen. Für die musikalische Untermalung ist es Tarantino (der im englischen Original auch den Erzähler gibt) gelungen, Ennio Morricone zu gewinnen. Herausgekommen sind – neben dem perfekten Soundtrack – atmosphärisch schöne, bildgewaltige Szenen, welche, gepaart mit den immer wieder überraschenden und wortgewandten Wendungen im Geschehen, den Film zu einem besonderen Erlebnis werden lassen.

„The Hateful Eight“ ist Quentin Tarantinos achter Film, und er ist ein wahrhaftiges Husarenstück – ein absolutes Muss für Cineasten und Freunde der gediegenen Unterhaltung.


Verweis: „The Hateful Eight“ (offizielle Filmwebsite).