Schlagwort: Kino

Tschick (der Film)

Ich habe das Buch gelesen und gelobt, dem Theaterstück applaudiert (es läuft übrigens immer noch und ist im Spielplan zu finden) und preise nun auch den Film.

Fatih Akin („Gegen die Wand“, „Auf der anderen Seite“) hat mit „Tschick“ den gleichnamigen Bestseller von Wolfgang Herrndorf verfilmt. Sie erinnern sich vielleicht – diese kongeniale Geschichte zweier jugendlicher Außenseiter aus Berlin, die sich zu Beginn der Sommerferien quer durch den wilden Osten in Richtung Walachei auf dem Weg machen. Im gestohlenen Lada fahren sie durch ein fremdes, vertrautes Land und erfahren seltsame, (für uns Zuschauer großartige) trostvolle Begegnungen.

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Ein Mann namens Ove

Ove (Rolf Lassgård) ist ein verbitterter alter Griesgram, der in seinem Viertel die Rolle des Blockwarts übernommen hat. Täglich geht er seine Runde und schaut nach dem Rechten, um seine Mitmenschen zu kritisieren und auf ihre Fehler hinzuweisen. Er schreibt Parksünder auf und beschimpft (zu Recht natürlich) die Dame, deren Hund auf den Gehweg pinkelt.

Nach dem Tod seiner geliebten Frau lebt Ove allein und verzweifelt zunehmend an der Welt, die seines Erachtens nach zugrunde geht, da sich niemand mehr an die Regeln hält. Als er auch noch seinen Job verliert, wird er von Todessehnsucht erfasst und beschließt, sein Leben selbst zu beenden, um endlich wieder an der Seite seiner geliebten Frau zu sein. Während er zur Vollendung schreitet erblickt er plötzlich den neuen Nachbarn, welcher mit einem Anhänger rückwärts einparkt und dabei Oves Briefkasten touchiert. Ove zieht seinen Kopf aus der Schlinge und steigt vom Hocker, um den Mann ordentlich zurechtzuweisen. Er ahnt noch nicht, dass dessen Familie alsbald einen großen Platz in seinem Leben einnehmen wird …

„Ein Mann namens Ove“ ist eine wunderbar schwarzhumorige Komödie aus Schweden. Der Film (Regie: Hannes Holm) basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Fredrik Backman (noch nicht gelesen) und weiß mir zur Gänze zu gefallen. Den offensichtliche Balanceakt zum Kitsch und zuviel Klischee (der böse Alte mit dem großen Herzen!) sehe ich durchaus gemeistert, da die stets in wunderschönen und überaus romantischen, aber auch todtraurigen Bildern geschilderten Rückblenden in die Vergangenheit (Oves Frau Sonja wird von der bezaubernden Ida Engvoll gespielt) gekonnt durch die nüchternen, rauhen und bärbeißigen Gegenwartsszenen geerdet werden.

Und mal ehrlich, ein kleines bissel bonbonfarben dürfen sie doch auch einmal sein – die Geschichten auf der großen Leinwand. Im Fazit ist diese so eine Geschichte: gekonnt gedreht, liebevoll erzählt und mit großartigen Darstellern.

Ihr solltet sie gesehen haben.

Verweis: „Ein Mann namens Ove“ (offizielle Filmwebsite).

Symbolbild: Noom Peerapong.

The Hateful Eight

Irgendwo im gottverlassenen Wyoming, einige Jahre nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg: eine Postkutsche kämpft sich durch die Winterlandschaft. Neben dem Kopfgeldjäger John Ruth und seiner Gefangenen Daisy Domergue sitzen zwei weitere, auf dem Weg zugestiegene Passagiere in der Kutsche: der Ex-Soldat und ebenfalls als Kopfgeldjäger tätige Marquis Warren sowie Chris Manie – nach eigenen Angaben der neue Sheriff von Red Rock, dem eigentlichen Ziel der Ausfahrt. Mit Blick auf einen aufziehenden Schneesturm suchen die Reisenden alsbald Zuflucht in einer Herberge, die ihren Weg kreuzt. Dort werden sie bereits erwartet …

Acht Menschen auf engem Raum zusammen gepfercht – damit steht das Szenario und das Kammerspiel kann beginnen.

Du musst nur die gemeinen Bastarde hängen, aber die gemeinen Bastarde musst du hängen.

Regisseur und Darsteller haben die handelnden Figuren exzellent herausgearbeitet. Samuel L. Jackson ist hier vor allen anderen zu benennen und auch der gewitzte Tim Roth, der in „The Hateful Eight“ den leider nicht verfügbaren Christoph Waltz ersetzt. Jennifer Jason Leigh hat unter dem üblichen blutig-brutalem Ende nachhaltig zu leiden und liefert meines Erachtens besonders schaurig-krasse und einprägsame Bilder. So weit, so gut.

Der Film ist – wie bei Tarantino üblich – in einzelne, nicht immer chronologische Kapitel aufgeteilt. Gedreht wurde auf den Spuren John Waynes – in den Schneelandschaften Colorados. Und zwar mit Kameraobjektiven, die seit 1966 nicht mehr zum Einsatz gekommen sind – um den Western im Ultra Panavision 70-Breitbildformat aufzunehmen. Für die musikalische Untermalung ist es Tarantino (der im englischen Original auch den Erzähler gibt) gelungen, Ennio Morricone zu gewinnen. Herausgekommen sind – neben dem perfekten Soundtrack – atmosphärisch schöne, bildgewaltige Szenen, welche, gepaart mit den immer wieder überraschenden und wortgewandten Wendungen im Geschehen, den Film zu einem besonderen Erlebnis werden lassen.

„The Hateful Eight“ ist Quentin Tarantinos achter Film, und er ist ein wahrhaftiges Husarenstück – ein absolutes Muss für Cineasten und Freunde der gediegenen Unterhaltung.


Verweis: „The Hateful Eight“ (offizielle Filmwebsite).

The Revenant

„The Revenant – Der Rückkehrer“ ist – inspiriert von einer wahren Geschichte (das Drehbuch basiert auf dem Roman „Der Totgeglaubte“ von Michael Punke) – ein bemerkenswertes Überlebensepos mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle. Die Story spielt zu Beginn des 19. Jahrhunderts und lässt sich kurz und prägnant in einem Satz formulieren: der Trapper Hugh Glass trotzt schwer verletzt den Widrigkeiten der Wildnis, um sich an dem Mann zu rächen, der seinen Sohn getötet hat. Nichts wird vergeben, und nichts wird verziehen, und das ist auch gut so.

Es treten auf: der Trapper Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) und sein indianischer Mischlingssohn Hawk, diverse Jäger und Pelztierhändler, der ehemalige Soldat John Fitzgerald, eine wütende Grizzlybärin und allerhand Indianer (Arikaree und Pawnee) auf dem Kriegspfad. Als Kulisse dienen zumeist die weiten, tief verschneiten Berge und Wälder Nordamerikas.

Das Fazit: ich bin begeistert. „The Revenant – Der Rückkehrer“ ist ein großartiger, stimmungsvoll erzählter Western der Oberklasse. Die ruhig erzählte Story, großartige fotografierte Landschaften in Summe mit wunderschön inszenierten Traumbildern – dazu noch der tieftraurige, tempoarme und melancholische Soundtrack – hier stimmt alles.

Leonardo DiCaprio ist mir (eigentlich schon seit dem albernen Titanic-Epos) nicht sonderlich sympathisch – hier jedoch gefällt er mir ausgesprochen gut. Der Schönling scheint zum Manne gereift und weiß sehr wohl als kluger und beinharter Naturfreund zu gefallen – eine reife Leistung. Von daher unbedingte Anschau-Empfehlung meinerseits …

Verweis: „The Revenant – Der Rückkehrer“ (offizielle Filmwebsite).

Symbolbild: Noom Peerapong.

Filmtipp: Er ist wieder da

Wir erinnern uns an die Romanvorlage: im Sommer 2011, 66 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, erwacht Adolf Hitler auf dem Gelände des ehemaligen Führerbunkers in Berlin. Er wirkt ein wenig ramponiert, riecht nach Benzin – scheint jedoch bei bester Gesundheit. Für seine „Wiedergeburt“ gibt es keine Erklärung. Hitler sieht sich nun allerdings mit einem ganz anderen Deutschland konfrontiert, das seiner Ideologie entgegensteht und ihm daher auch nicht sonderlich gefällt. Wie auch immer – der Gröfaz arrangiert sich schnell mit der neuen Situation. Ein Kioskbesitzer – der ihn (wie alle anderen auch) für einen genialen Führer-Imitator hält – gewährt ihm einstweilen Unterschlupf. Hitler beliest sich und stellt sich schnell der aktuellen Debatte. Er wird von den Medien entdeckt und es dauert nicht lange bis klar wird: die Menschen hören ihm durchaus gerne zu.

David Wnendts Verfilmung des Bestsellers von Timur Vermes läuft nun schon seit einigen Tagen in den Kinos. Ich habe sie mir am Wochenende angesehen und spreche hiermit eine ausdrückliche Anschauempfehlung aus. Es sei hiermit erwähnt, dass mir der Film um einiges mehr gefällt als der ihm zugrunde liegende Roman. Diverse Abweichungen von der Vorlage verhelfen der Story zu mehr Brisanz und Aktualität. Auch der im Buch für mich nur schlecht ertragbare Fokus auf Medienrummel und TV Industrie wird in der Verfilmung auf ein angenehmes Maß reduziert. Des Weiteren bemerkenswert: einige der im Stil einer Dokumentation gedrehten Szenen sind echt – das „Besorgte-Bürger-Pack“ und andere „patriotische“ Vollpfosten werden exzellent vorgeführt. Zudem gefällt mir Oliver Masucci in der Rolle Hitlers ganz ausgezeichnet …

Last but not least: der Film erhielt von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden das Prädikat „besonders wertvoll“ – und das mit Recht.


Symbolbild: Pietro Jeng.