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Der große Trip – Wild

Mit 26 Jahren, vier Jahre nach dem Tod der geliebten Mutter, hat Cheryl Strayed allen Halt in ihrem Leben verloren. Die Trauer zermürbt sie, sie lässt sich ziellos treiben, bis letztlich – nach zahllosen Affären und exzessiven Drogenkonsum – auch ihre Ehe geschieden wird. Eine ungewollte Schwangerschaft lässt Cheryl schließlich eine wagemutige Entscheidung treffen: sie nimmt eine Auszeit begibt sich auf einen Fußmarsch der Superlative. Drei Monate lang kämpft sie sich fast zweitausend Kilometer über die Höhenzüge des Pacific Crest Trail an der US-Westküste von Südkalifornien bis in den Norden Oregons. Ein Trip der Extreme, der zur eindrucksvollen Geschichte einer Selbstfindung wird. (mehr …)

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Eine Taube sitzt auf einem Zweig

Ein Ex-Kapitän, der sich erfolglos als Friseur versucht, arme Matrosen und Soldaten, die in Lottas Bar für einen Schnaps mit einem Kuss bezahlen und allen voran natürlich die beiden Handelsvertreter Jonathan und Sam, die durch die schwedische Provinz ziehen und erfolglos versuchen, Vampirzähne, Lachsäcke und Masken “Gevatter Einzahn” zu verkaufen …

Roy Andersson erweist sich einmal mehr als unangefochtener Meister des Absurden. “Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach” ist nach “Songs from the Second Floor” (2000) und “Das jüngste Gewitter” (2007) der dritte und wieder überaus skurrile Teil seiner Trilogie über die Natur des Menschen. (mehr …)

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Fatih Akın: The Cut

THE CUT ist der letzte Teil von Fatih Akins Trilogie “Liebe, Tod und Teufel” – wir erinnern uns gerne an GEGEN DIE WAND und AUF DER ANDEREN SEITE.

Die Story beruht auf einem wichtigen Kapitel europäischer Geschichte: dem von der türkischen Armee begangenen Völkermord an den Armeniern (1914 – 1918). Das Augenmerk liegt auf Krieg und Vertreibung, ist auf das Böse im Menschen gerichtet und auf das, was Menschen bereit sind, anderen Menschen anzutun. (mehr …)

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A Most Wanted Man

Issa Karpov, ein halb zu Tode gefolterter russisch-stämmiger Tschetschene, findet Zuflucht in der islamischen Gemeinde Hamburgs. Eine junge deutsche Anwältin hilft dem tiefgläubigen Moslem, an das illegal erworbene Millionen-Erbe des ungeliebten Vaters zu gelangen. Karpov will das Vermögen allerdings nicht für sich, sondern es als Spende an gemeinnützige Organisationen übergeben. Die Anwesenheit des jungen Mannes erregt die Aufmerksamkeit deutscher und amerikanischer Geheimdienste, die hoffen, über ihn an die Hintermänner und Geldgeber des weltweit agierenden islamistischen Terrors zu gelangen. Günther Bachmann ist Leiter einer deutschen Antiterroreinheit und ein Spion alter Schule – er heftet sich an die Fersen Karpovs. Im Gegensatz zu seinen Kollegen geht es Bachmann jedoch nicht um vorschnelle Erfolge – er will die Leute umdrehen, sie auf die andere Seite holen und langfristig an sich binden. (mehr …)

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Monsieur Claude und seine Töchter

Das konservativ geprägte Ehepaar Claude und Marie Verneuil und seine vier schönen Töchter inmitten der französischen Provinz. Eine heiratet einen Chinesen, die zweite einen Juden und die Dritte einen Muslim.

Beschneidungsrituale, Hühnchen halal und koscheres Dim Sum – Claude und Marie geraten zunehmend unter Anpassungsdruck. Die jüngste Tochter wird endlich einen französischen Katholiken mit nach Hause bringen – die Freude ist zunächst groß. Als die Eltern jedoch dem schwarzen Charles gegenüberstehen ist ihre Geduld erschöpft, der Toleranzvorrat zur Gänze aufgebraucht.

Monsieur Claude und seine Töchter (Filmwebsite) ist eine köstliche Komödie in Sachen multikulturelle Gesellschaft. Mit Blick auf die beunruhigenden Wahlerfolge der rechtsextremen Front National darf man den Film auch als einen gelungenen Kommentar zur aktuellen Lage der Grande Nation bewerten. Manche Szenen scheinen mir zwar arg konstruiert – nichtsdestotrotz sind es im Fazit 97 kluge, bissige und überaus kurzweilige Filmminuten. Wir haben uns königlich amüsiert.

kino

Die Bücherdiebin

Wieder eine Bestseller-Verfilmung, und wieder ist es eine Bestseller-Verfilmung, die Sie unbedingt gesehen haben sollten. Ich habe Markus Zusaks Jugendbuch-Bestseller hier im Blog schon einmal erwähnt – als eine ausdrückliche Leseempfehlung. Nun ist sie verfilmt worden, die Geschichte der leseverrückten Liesel Meminger. Und es ist ein großer Film geworden, der dem Buch in nichts nachsteht, sondern in seiner Poesie ebenso berührend und ansprechend ist.

Deutschland, 1938. Erzählt wird die Geschichte eines Mädchens, das zu neuen Pflegeeltern in eine Kleinstadt kommt. Der Bruder stirbt auf der Reise, das Schicksal der Eltern bleibt offen …
Sie kommt jedoch in gute Hände. Die neue Mutter scheint zunächst etwas bärbeißig, ist ihr jedoch überaus zugetan, ebenso wie der liebevolle Pflegepapa Hans. Von ihm lernt sie das Lesen und Schreiben, und sie entdeckt ihre Liebe zu den Büchern. Über die Jahre wird die kleine Stadt jedoch mehr und mehr in das Geschehen des Krieges hineingezogen. Liesel erlebt die Bücherverbrennung der Nazis und die brutale Verfolgung der Juden. Vor der grauenvollen Realität flüchtet sie sich in die Welt der Bücher, erlebt aber zugleich auch Momente ehrlicher Hilfsbereitschaft und tiefer Menschlichkeit – denn die Pflegeeltern verstecken über Jahre den Juden Max in ihrem Keller …

Regisseur Brian Percival hat ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk geschaffen – Prädikat: besonders wertvoll. Es stimmt einfach alles, die Haupt- und Nebenrollen (Sophie Nélisse, Geoffrey Rush und Emily Watson!) sind exzellent besetzt, und jedwede Szene ist von Tiefe und mit Liebe zum Detail arrangiert. Im Fazit ist Die Bücherdiebin ein erstklassiger Film, der zwar für die Grausamkeit und das Leid des Krieges steht, zugleich aber auch von Zuversicht und der Hoffnung auf ein menschliches Miteinander erzählt. Sie sollten ihn gesehen haben – natürlich im Kino, denn dafür werden solche Filme gemacht.

Verweis: Die Bücherdiebin (Filmwebsite).