Tag Archives: Umwelt

BuergerInnen Solarkraftwerk Wien

Von den Nachbarn lernen heißt siegen lernen – denn sie zeigen uns, wie es gemacht wird.

Im Mai startet in Wien das erste Bürgerkraftwerk, und es wird mit Solarenergie betrieben. Insgesamt sollen in diesem Jahr vier Kraftwerke dieser Art dort entstehen. Das Besondere daran: alle BürgerInnen können bis zu zehn Solarpaneele erwerben – es wird also von den Bürgern finanziert (Kostenpunkt dabei: stolze 9500 Euro, die Zinsen belaufen sich dabei auf 294,5 Euro pro Jahr). Verwaltet wird die Anlage von Wien-Energie.

Damit haben all jene BürgerInnen, die nicht die Möglichkeit haben, eigene Solarpaneele aufzustellen, nun doch die Gelegenheit, umweltfreundlich und nachhaltig Energie zu nutzen.

Eine großartige Idee, die sich zur Nachahmung empfiehlt. (via)

Verweis: Ansturm auf Bürger-Solarkraftwerk in Wien (futurezone.at)

NABU vergibt Negativpreis an Chefs von AIDA und TUI Cruises

Mit dem „Dinosaurier des Jahres 2011“ – sprich: dem peinlichsten Umweltpreis des Jahres – ehrte der NABU gestern die Kreuzfahrtunternehmen AIDA und TUI Cruises.

„Ihre angeblich ‚Weißen Flotten‘ sind in Wahrheit dreckige Rußschleudern, denn die Kreuzfahrtschiffe fahren auf hoher See immer noch mit giftigem Schweröl“, erklärt NABU-Präsident Olaf Tschimpke. „Damit stößt ein einziger Ozeanriese auf einer Kreuzfahrt so viele Schadstoffe aus wie fünf Millionen Pkw auf der gleichen Strecke. Die Gefahren für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen ließen sich leicht vermeiden, aber aus Profitgier verweigern die deutschen Reeder bislang die Verwendung von Schiffsdiesel und den Einbau von Abgastechnik wie etwa Rußpartikelfilter.“

Ich denke, das geht so in Ordnung.

Staustufenplanung für die Elbe gestoppt

Ich habe hier im Blog bereits vor einiger Zeit über den geplanten Bau einer Elbestaustufe bei Děčín berichtet. Wir erinnern uns: Tschechien möchte damit eine ganzjährige Schiffbarkeit der Elbe bis nach Hamburg gewährleisten, statt etwa die wenigen anfallenden Transporte über den Schienenweg abzuarbeiten.

Es gibt nun Neuigkeiten in der Sache, die mir beinahe unter den Tisch gefallen wären …

Vor knapp 14 Tagen wurden die Planungen zum Bau der Staustufe durch das tschechische Umweltministerium gestoppt. Grund dafür sind die erheblichen Mängel bei der Umweltverträglichkeitsprüfung, welche letztlich eine klare Mißachtung des Europäischen Umweltrechts Natura 2000 und damit der Regeln zum Umgang mit Europäischen Schutzgebieten darstellen.

„Von Tschechischer Seite wurde eingesehen, dass EU-Recht nicht ignoriert werden darf. Nun muss auch das Elbetal als Natura 2000-Gebiet ausgewiesen und dies bei weiteren Planungen berücksichtigt werden. Das ist eine große Hürde für die Absicht Tschechiens, die Elbe bis zur deutschen Grenze zu kanalisieren“, so Iris Brunar, Elbe-Koordinatorin des BUND-Elbeprojekt. „Anstatt die Planungen nun zum 4. Mal komplett zu überarbeiten, sollte Tschechien das Bauprojekt fallen lassen, denn ein Nutzen für die Schifffahrt ist nicht erkennbar.“

Dem ist nichts hinzuzufügen. Weitere Informationen finden sich in dieser Pressemitteilung des BUND.

Aprilsommer

Ich komme nicht umhin, den Herren Recht zu geben: der Frühling in diesem Jahr war tatsächlich extrem kurz.

Ausschlaggebend dafür sind die grundlegend veränderten Luftdruckverhältnisse über dem Nordatlantik, welche vor allem den April deutlich wärmer und trockener werden lassen. Die beiden Klimaforscher Udo Mellentin und Wilfried Küchler sprechen in diesem Zusammenhang gar von einer neuen Jahreszeit, die es bisher so nicht gab: dem „Aprilsommer“ – eine neue Vokabel, die mir sehr gut gefällt (Grimsvötn gefällt mir im Übrigen auch sehr gut, ist aber nicht neu.).

„Im durchschnittlichen April der letzten Jahre fehlt ganz erheblich Niederschlag, und es wird schlagartig sommerlich warm“, sagt Mellentin. Vom März zum April steige die Temperatur so sprunghaft an, wie sonst im gesamten Jahresverlauf nicht. Durch die extrem schnelle Schneeschmelze in den Gebirgen steige zudem die Hochwassergefahr.

In den Statistiken der Klimaforscher fallen die letzten zehn Jahre voll aus dem Trend seit Beginn der Beobachtungen 1812. „Das sind Vorboten eines Witterungszustandes, wie wir ihn möglicherweise als Standard bekommen“, sagt Mellentin. Statt den üblichen Luftströmungen von West nach Ost und umgekehrt, wehen die Winde nun von Nord nach Süd und von Süd nach Nord. Dabei bilden sich sogenannte Trogwetterlagen. Kalte Luft von der Arktis strömt bis nach Südeuropa. Daneben befinden sich Zonen, in denen warme Luft aus dem Süden nach Norden treibt. Trogwetterlagen sind die häufigste Ursache von Wetterextremen in Sachsen. Die Überschwemmungen im Vorjahr und auch der enorm kalte Dezember zählen dazu.

Der kurze, sächsische Frühling mit dem möglichen Hochwasser ist also eine tatsächlich greifbare Folge des Klimawandels, mit der wir uns wohl oder übel abfinden werden müssen.

(Quelle: SäZ vom 23. Mai 2011)

Nicht nur Herrschaftsobjekt

Wer hätte es für möglich gehalten, dass sich 25 Jahre nach Tschernobyl das so dumme wie zynische Verschleierungskarussell wieder drehen würde – und das nicht in der kommunistischen Schlamperwirtschaft, sondern im Land perfektionierter Hochtechnologie schlechthin. Die gefährliche, gefahrenbringende Wahrheit kommt häppchenweise, bis nun die Katastrophe auf Stufe 7 gesetzt wurde. Die sogenannten Abklingbecken liegen frei, keiner weiß, was sich in den Reaktoren abspielt, Helfer werden verstrahlt, fällige Inspektionen waren unterlassen worden, Notstromaggregate versagten, der Austritt radioaktiver Substanzen habe sich stabilisiert, eine akute Gefahr für die Anwohner gäbe es nicht, Tomaten aus der Region werden vom Regierungssprecher vor laufenden Kameras gegessen. Keine Hysterie bitte; das Problem verflüchtigt sich in der Luft und verdünnt sich im Ozean.

Friedrich Schorlemmer – evangelischer Theologe, ehemals Protagonist der Opposition in der DDR, heute SPD-Mitglied und nach wie vor (für mich) der einzig wählbare Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten – sprach kürzlich gut zum Thema “Fukushima und was wir daraus lernen sollten”.

Den Energieriesen fällt aber immer noch nichts anderes ein als paternosterartige Beteuerungen gestriger Sicherheitsbeteuerungen. Das finanzielle Wohl der Aktionäre steht vorne an. Diesen seien sie verpflichtet … Noch immer alternativlos scheint unsere fortschrittsverwöhnte westliche Welt in dem prometheischen Pathos befangen, dass es das Höchste sei über die Welt zu herrschen, statt uns als Mitkreaturen verträglich in Lebenskreisläufe einzufügen …

Das unterschreibe ich so – an diesem 26. April anno 2011.

Der Beitrag im Ganzen zum Nachlesen: Die Welt ist nicht nur Herrschaftsobjekt (SäZ vom 23. April 2011).

Wo steht das nächste AKW?

In Anbetracht des aktuellen Geschehens in Fukushima scheint es mir ganz interessant zu wissen, wo und in welcher Entfernung das nächste Atomkraftwerk lauert … (via)

Das nächstgelegene Kraftwerk (200km von Pirna) ist demnach das AKW Temelin – es liegt etwa 25 Kilometer von Ceske Budejovice (Budweis) entfernt und hat eine Leistung von 2000 Megawatt.

Anbei einige Worte dazu… Von Anbeginn an sorgte der Bau und die Inbetriebnahme des umstrittenen AKW für heftige Proteste von tschechischer und österreichischer Seite. Nichtsdestotrotz wurde im Oktober 2000 der erste von zwei Reaktorblöcken in Betrieb genommen. Auf Grund befürchteter Engpässe in der zukünftigen Energieversorgung ist gar eine Erweiterung der Anlage geplant: laut Auskunft des Greenpeace-Magazins will der halbstaatliche Stromkonzern CEZ das AKW Temelin bis voraussichtlich 2025 um zwei weitere Blöcke ergänzen – an eine zeitnahe Abschaltung ist angesichts dessen ganz und gar nicht zu denken.

«Das AKW Temelin kann ein Erdbeben in der Größenordnung von 5,5 auf der Richterskala überstehen», sagte der stellvertretende Leiter des staatlichen Amts für Atomssicherheit, Petr Brandejs, am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Temelin sei in den letzten Jahren mit einem Netzwerk von Sensoren ausgestattet worden, die das Kraftwerk im Falle von Erschütterungen in einen sicheren Zustand herunterfahren würden, sagte der Atomexperte.

Die aktuelle Diskussion über die Sicherheit der Atomkraft in Europa hielt Brandejs für «verfrüht», da es aus Japan noch keine genauen Informationen über den Unfallhergang vorliegen würden. «Es ist eher eine ideologische oder politische Diskussion, denn aktuell gibt es in Europa keine Erdbeben-Gefahr», sagte Brandejs.

Schon klar, die Argumentation ist hinreichend bekannt und wird weltweit gepflegt. Wohin diese Ignoranz und Sorglosigkeit führen können sehen wir aktuell in Fukushima …

Zum besseren Verständnis empfiehlt sich vielleicht ein Blick auf die Störfallliste-Temelin.

Bewusster Einkauf mit Codecheck

Codecheck ist eine iPhone-App (Android auch), die uns beim umweltbewussten, gesunden Einkauf unterstützen möchte. Das Procedere ist denkbar simpel: der Strichcode des zu prüfenden Produktes wird mittels Kamera erfasst und an Codecheck.info, ein (von einem gemeinnützigen Verein in der Schweiz) gepflegtes Online-Produkthandbuch – welches kritischen Konsumenten und Konsumentinnen bei ihren Kaufentscheidungen zur Seite steht – übermittelt. Der interessierte Verbraucher hat somit (im Idealfall) alle relevanten Infos schnell zur Hand.

Nun wissen Sie bei jedem Codecheck, ob ein Produkt Fischarten enthält, die vom Aussterben durch Überfischung bedroht sind. Oder ob Palmöl darin verarbeitet wurde, für dessen Anbau riesige Flächen des indonesischen Urwaldes gerodet werden – Orang Utans sowie tausende anderer Spezies sind davon bedroht. Und das dabei freigesetzte CO2 setzt dem Weltklima massiv zu.

Fisch- wie Palmöl-Informationen haben die Umweltexperten von Greenpeace beigesteuert, Codecheck die Technologie für einen leichten Zugang dazu: Ein schneller Scan ersetzt das mühsame Blättern im Fischratgebern – mittels iApp oder über die Internet-Plattform ist nun die Umweltsünde in Sekunden entlarvt. (codecheck.info)

Neben den umweltkritischen Informationen zeigt uns die App die Nährwert-Ampel und weitere Informationen zu den Inhaltsstoffen an, was wiederum für uns Lebensmittel-und Kosmetika-Allergiker durchaus sinnvoll erscheint.

Soweit jedenfalls die Theorie. Inwieweit das Ganze praxistauglich ist wird sich demnächst im Alltag zeigen, schauen wir mal … (via)

Fackeln und Feuer am Fluss

Am Samstag, dem 29. Januar 2011, findet ab 17.00 Uhr eine bundesweite Protestaktion zum Schutz der Flüsse statt. Zum Zwecke des sichtbaren Protestes gegen fragwürdige Wasserstraßenprojekte werden an den Elbufern Dresdens, Hamburgs, Magdeburgs und anderer Städte zahlreiche Fackeln und Feuer entzündet.

Auch in Pirna werden sich verschiedene Organisationen an der Aktion beteiligen – der Treffpunkt findet sich um 17.00 Uhr am Pirnaer Elbradweg an der Feuerstelle. Ich nehme an, wir sehen uns …

Der Anlass der Protestaktionen sind Großbauvorhaben zur Kanalisierung und Verbauung des letzten großen naturnahen Flusses. Der Widerstand richtet sich gegen das Staustufenprojekt an der Elbe bei Decin in der Nähe deutsch-tschechischen Grenze, gegen den geplanten Bau des Elbe-Saale-Kanals, gegen die Verengung und Vertiefung der Mittelelbe sowie die Vertiefung der Tideelbe/Unterelbe.

Das Aktionsbündnis fordert mehr Transparenz und Öffentlichkeitsbeteiligung schon im Vorfeld der Planungen, um Steuergeldverschwendungen und Entwicklungen nach dem Muster von Stuttgart 21 vorzubeugen. Massive Kritik richtet sich vor allem gegen die mangelnden Bedarfsbegründungen der Wasserstraßenprojekte sowie gegen Verkehrsprognosen, denen falsche oder veraltete Daten zugrunde gelegt werden, um die Vorhaben „wirtschaftlich“ erscheinen zu lassen und die Eingriffe in die Natur damit zu rechtfertigen.

Die Flusslandschaft der Elbe ist im Bewusstsein der Bevölkerung tief verankert. Die Menschen werden eine fragwürdige Zerstörung ihrer Lebensräume nicht ohne Widerstand hinnehmen. Mit der Aktion „Fackeln für die Elbe“ wollen die Bürgerinnen und Bürger rechtzeitig Zeichen setzen, um Fehlentwicklungen vorzubeugen.

Verweis: Bundesweite Aktion zum Schutz der Flüsse – Fackeln für die Elbe am Samstag, den 29. Januar 2011.

Ein Mann sammelt aussterbende Geräusche

Der Spanier Carlos de Hita geht einer ein wenig seltsam anmutenden Berufung nach: er spaziert durch die Natur und sammelt deren aussterbende Geräusche. Was zunächst etwas verschroben scheint macht bei näherer Betrachtung jedoch durchaus Sinn, denn

während die Menschen immer mehr Lärm produzieren, wird das Konzert der Natur immer leiser – und um einige Solisten ärmer.

Mit seinem ehrenwerten Tun hat der gute Mann durchaus auch Erfolg – in Spanien ist er längst kein Unbekannter. Er betreibt einen eigenen Auftritt im Radio, Kino und Fernsehen greifen bei ihren Produktionen ebenfalls gerne auf sein Tonarchiv zurück.

Die Tagesschau hat ihm vor zwei Tagen einen lobenswerten Beitrag gewidmet – keine Horrormeldung, keine Katastrophe, keine selbstgefälligen, überflüssigen Parteisoldaten – statt dessen sehen wir endlich einmal einen Menschen im Fernsehen, der etwas Sinnvolles macht.

Ihr solltet ihn euch anschauen – unbedingt. (Foto via)

Gegen Internetausdrucker: das neue, grüne Dateiformat WWF

Eine lobenswerte Idee wider dem Ausdruck-Wahn (nicht nur) in deutschen Landen.

Täglich sterben ganze Wälder für Papier. Papier, mit dem überall auf der Welt sinnlos Dokumente ausgedruckt werden: Websites, E-Mails, sogar komplette Bücher. Und das, obwohl man Dokumente, statt sie zu drucken, einfach als PDF speichern könnte. Aber auch ein PDF kann man oft noch drucken. Um das unnötige Ausdrucken zu stoppen und den bewussten Umgang mit Papier zu starten, haben wir ein neues, grünes Dateiformat erfunden: das WWF. Ein Dateiformat, das man nicht ausdrucken kann. Eine simple Idee, die Bäume rettet. Machen Sie mit. Bestimmen Sie selbst, was nicht ausgedruckt werden soll, und speichern Sie es im WWF-Format.

Wenn ich lese, dass (nach einer Studie des Ipsos-Instituts im Auftrag des Druckerherstellers Lexmark) im Jahre 2005 ein Drittel aller Befragten in Deutschland ihre E-Mails grundsätzlich ausdrucken und sechs Prozent aller Ausdrucke ungelesen im Papierkorb landen (taz) scheint mir ein bewusster Einsatz des neuen Formats tatsächlich mehr als sinnvoll.

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