Pirna: Rock ’n’ Roll am Brunnen
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Es ist schon einige Tage her, dass ich, als ich auf dem Heimweg in der Niederen Burgstraße war, der eben gerade neu aufgestellten Rockstar-Pine gewahr wurde. Und mich ein wenig wunderte ob des m. E. grobschlächtig gewählten Standortes, dessen Wahl zumindest als unglücklich benannt werden sollte, und mich fragte, welch "bildungsferner Kulturbanause" dort wieder am Wirken war? Nun, der befürchtete Ärger brach sich alsbald Bahn, und das hiesige Lokalblatt schrieb nur kurz darauf vom Verdruss um die Bohrlöcher im Friedhofsbrunnen (SäZ vom 3.9.26).
Q24 Rockstar-Pine
Dazu muss man wissen, dass die Pine-Mädchen derzeit in Pirna im Kommen sind, und zwar mächtig gewaltig. Verkörpern sie doch die vom Stadtmarketing ersonnene und erfolgreich unters Volk gebrachte Kinderbloggerin Pine, ein frei erfundenes Schulkind, dass in Pirna diverse Abenteuer erlebt und darüber auch bloggt (Erwachsene haben auf ihrer Seite laut eigener Aussage nichts zu sagen).
Mittlerweile gibt es in der Altstadt über 20 dieser kleinen Bronzefiguren (Vorbild standen die Breslauer Zwerge, Sie ahnen es), für die jedermann und jedefrau die Kosten und eine Patenschaft übernehmen darf und also zum allgemeinen Wohlbefinden der flanierenden großen und kleinen Menschen in der Pirschen Altstadt beitragen kann. So weit, so gut, ich befinde das Projekt ebenfalls für gut (wenngleich es derzeit wohl etwas aus dem Ruder läuft) und gönne die sportliche Rockstar-Pine dem dahinterstehenden Verein Q24 von ganzem Herzen.
Allein der Standort steht im Fokus der Kritik.
Für den musste nämlich der Bohrer angesetzt werden – im jahrhundertealten Gemäuer des historischen Brunnens am Kirchplatz. Wichtig: Dies geschah keinesfalls eigenmächtig, sondern in Abstimmung mit den verantwortlichen Gremien. Die Figur findet sich jetzt also mittig auf dem Brunnenrand, gegen jedweden Frevel geschützt mit Dübeln und der dazugehörigen Chemie.
So weit, so schlecht, denn merke auf: Soweit bekannt, steht der historische Sandsteintrog, der künstlerisch, technikgeschichtlich und ortsbildprägend von Bedeutung sei, unter Denkmalschutz. Und man beachte auch: Es handelt sich explizit um den alten Friedhofsbrunnen, der anno 1768 am Kirchplatz für den einstigen Stadtfriedhof errichtet wurde (Verweis SäZ siehe oben). Das geht so gar nicht.
Der Verein „Kuratorium Altstadt Pirna“, ein stadtbekannter Nachtwächter und andere kritisierten den Frevel in Folge wortgewaltig und zu Recht, sprechen von Kulturverwahrlosung und Pietätlosigkeit – irreparable Eingriffe an einem Denkmal sind nicht zu dulden.
Ich sehe das ebenso und meine, eine simple, einfache Stele zum Beispiel, neben dem Brunnen stehend, wäre doch ein feiner Kompromiss - und bin von daher gespannt auf das Ergebnis des zum Thema von allen Beteiligten vereinbarten Runden Tisches.
Wir lesen uns.