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Markus Pfeifer: Springweg brennt

Ich habe gelesen: „Springweg brennt“ von Markus Pfeifer.

Es gibt diese schmalen Bücher, die nicht laut auftreten müssen, um Eindruck zu hinterlassen. Markus Pfeifers Novelle „Springweg brennt“ gehört genau in diese Kategorie. Auf gut 135 Seiten entfaltet sich ein leiser und stimmiger Text über Hausbesetzungen, gelebte Gemeinschaft und die feine Linie zwischen Realität und Mystik.

Worum geht es?

Die autobiografische Geschichte spielt in den 1990er-Jahren in Utrecht. Eine Gruppe junger Aktivist:innen besetzt ein leerstehendes, arg in die Jahre gekommenes Stadthaus in der Springweg-Straße. Zwischen improvisierten Schlafplätzen, frierenden Morgen und politischer Spannung wächst nicht nur eine Gemeinschaft, sondern auch ein Stück gelebte Utopie. Dabei bleibt der Text immer dicht an der Lebensrealität der Figuren: knappe Ressourcen, Gespräche mit der Polizei, das Aushandeln von Regeln – und gleichzeitig das Ringen um Würde und Zugehörigkeit. Dazu deutet die Novelle immer wieder das Übernatürliche an – Feuer, das sich wie von selbst entzündet, flüchtige Erscheinungen im Treppenhaus – das alte Haus hat tatsächlich seine eigene Geschichte, die ab und an wunderbar gespenstisch wirkt.

Genug gespoilert …

Sprache & Stil

Pfeifers Sprache ist schnörkellos, klar und mit trockenem Humor durchzogen. Er erzählt mit feiner Beobachtungsgabe, aber ohne Pathos. Die Dialoge wirken authentisch, die Szenen präzise und atmosphärisch. Besonders auffällig ist die Balance zwischen dokumentarischer Genauigkeit und literarischer Verdichtung. Wer selbst einmal im ähnlichen Kontext unterwegs war, wird sich in der Story ganz sicher wiederfinden.

Und überhaupt: Das Weblog des Autors gehört hier schon lange zur täglichen Lektüre – von daher war die Bestellung ein Muss.

Fazit: Lesen!

Wer sich für Hausbesetzerszenen, urbane Utopien oder einfach gute, verdichtete Erzählkunst interessiert, sollte Markus Pfeifers „Springweg brennt“ unbedingt zur Hand nehmen. Die Novelle liest sich schnell und bleibt lange im Gedächtnis. Sie ist poetisch, pointiert und dabei voller Menschlichkeit – Danke dafür!


Markus PfeiferSPRINGWEG BRENNT

Novelle

Edition Schelf

140 Seiten

14 €

ISBN 978-3-819053-82-5

Direktbestellung mit Widmung beim Autor geht auch.

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