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Rappelsnut ist ein reich bebildertes Tagebuch im Netz. Der Autor lebt in Pirna, einer kleinen, alten Stadt an der Elbe und schreibt hier über dieses und jenes, was den Alltag versüßt oder über den Tag hinaus erwähnenswert scheint. Wer mitliest, ist willkommen und eingeladen, die Dinge freundlich zu diskutieren.

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Viel Chor, viel Technik: Das große Heft

25. März 2018 3 Kommentare 2 Min Lesezeit

Der mensch hat das Buch gelobt, der mensch hat den Film gelobt. Nun gibt es auch eine Bühnenfassung (Ulrich Rasche und Alexander Weise), und Ulrich Rasche hat sie in Dresden inszeniert. Wir haben das Stück vor drei Tagen gesehen, und ich lobe erneut.

Das Thema, sprich die Story, dürfte klar sein. In Europa tobt der Zweite Weltkrieg. Die Kinder, Zwillinge, werden auf das Land, zur Großmutter, in vermeintliche Sicherheit gebracht. Um dort zu überleben, härten sie sich selbst ab, pervertieren ihre Kindheit und Jugend, töten ihre Emotionen und lernen zu töten. Alles wird, nüchtern und distanziert, im von ihnen angelegten „Großen Heft“ protokolliert.

Diesen Bericht der Zwillinge hat Ulrich Rasche nun auf die Bühne gebracht. In seiner Inszenierung gibt es keinerlei Interaktionen und Dialoge, zum Vortrag kommt nur der reine Text. Gesprochen wird dieser von einem soldatisch auftretenden Männerchor. Das Bühnenbild ist spartanisch: zwei abschüssige, stetig kreisende Drehbühnen, düsteres Licht, viel Nebel, sonst nichts. Die Männer stampfen, marschieren, sprechen und brüllen, einzeln und im Chor. Begleitet vom E-Bass, einer Violine, dem Cello und dem Schlagwerk. Die Musik ist laut, trotzdem ist jedes Wort gut zu verstehen. Und alles wirkt stimmig, ist auf den Punkt abgestimmt.

Nach drei Stunden und vierzig Minuten das Ende. Nicht alle Zuschauer sind geblieben, einige haben bereits zur Pause das Haus verlassen. Das Publikum scheint gespaltener Auffassung zu sein. Das muss nicht verwundern – wir sind schließlich in Dresden. Der hiesige Bürger empört sich gerne, und sorgt sich. Sie wissen schon … Trotzdem: die Mehrheit ist geblieben. Und ist begeistert. Kräftiger Applaus, zum Teil stehende Ovationen. Und wir mittendrin.

„Das große Heft“ am Dresdner Staatschauspiel ist im Fazit ein ungewöhnliches, vor allem aber anstrengendes und heftiges Stück, das den Schauspielern, der Technik und den Zuschauer*innen einiges abverlangt. Doch es lohnt, und ist als solches zur Zeit das Spannendste, was das Große Haus zu bieten hat.


„Das große Heft“ (Schauspielhaus). Nächste Termine: 01.04., 12.04, 28.04.2018.


Symbolbild: Monica Silvestre

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Guten Tag. Das bin ich und dies ist mein Weblog. Ich schreibe hier über das, was schön war. Oder immer noch schön ist. Zumeist jedenfalls. Wer mitliest, ist willkommen und eingeladen, die Dinge freundlich zu diskutieren.

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3 Kommentare
  1. derbaum sagt:

    ich glaube das kann ich nicht.

    1. Rappel sagt:

      Niemand muss das können, denn das ist richtig schwere Kost. Und es ist immer sinnvoll, sich vor einem Theater- oder Kinoabend mit dem Thema zu beschäftigen …

    2. derbaum sagt:

      das hab ich ja schon als der film rausgekommen war – und damals schon beschlossen – kann ich nicht…

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