Valeria Shashenok: 24. Februar … und der Himmel war nicht mehr blau

Ich habe gelesen: „24. Februar … und der Himmel war nicht mehr blau“ von Valeria Shashenok.

Valeria Shashenok ist gerade 20 Jahre jung. Geboren wurde sie in Tschernihiw, einer 285.000 Einwohner zählenden Stadt im Norden der Ukraine. Sie arbeitete als freiberufliche Fotografin, teilte ihre Arbeiten auf den üblichen Social-Media-Accounts und träumte von der weiten Welt. Als der russische Angriffskrieg gegen ihr Heimatland begann, flüchtete sie mit ihren Eltern in einen Behelfsbunker. Dort festgenagelt, begann Valeria, zunächst aus purer Langeweile, kurze Videos aus dem Bunker auf TikTok zu posten. Nach kurzer Zeit gingen ihre Videos viral und ihre Botschaften rund um die Welt …

Ich erinnere mich genau an den Geruch, als wir den Bahnhof erreichten. Es roch nach Menschen, nach Essen und nach Unglück. Es ist schwer, das alles zu beschreiben, es war einfach nur furchtbar.

Valeria Shashenok

In der Folge begann sie, das traumatische Geschehen um sich herum bewusst zu dokumentieren. Die Bilder brutaler Verwüstung, versehen mit teils ironischen Kommentaren, erreichten Millionen von Menschen. Irgendwann war es genug, die junge Frau flüchtete mit dem Zug nach Polen, fuhr weiter nach Berlin und gelangte schließlich nach Italien, wo sie jetzt als Flüchtling lebt. Unlängst hat sie ihre Geschichte in Buchform vorgelegt, nicht zuletzt, um auch der analogen Öffentlichkeit die üble Realität des Krieges in der Ukraine vor Augen zu führen.

Fazit: „24. Februar … und der Himmel war nicht mehr blau“ ist nur ein dünnes Büchlein, gerade einmal 90 Seiten, dazu eine Handvoll Bilder – es ist schnell gelesen. Wer einen Hemingway erwartet, eine sachliche Dokumentation oder gar eine fundierte Analyse des Konfliktes, geht fehl. Es handelt sich schlicht um das Tagebuch einer jungen Frau, die urplötzlich dem Grauen des Krieges ausgesetzt ist und mit ihren Mitteln vom Geschehen berichtet.

Ich denke, das kann man so machen.


Valeria Shashenok
24. Februar … und der Himmel war nicht mehr blau

Gebundene Ausgabe, 90 Seiten

Herausgeber: story.one – the library of life; 1. Edition (16. Mai 2022)
ISBN-10: 3903715220
€ 16,00 [D]

Rappel

Kaffee immer schwarz. Punkrock und Tattoos. Nichts mit Menschen. Dafür die See und die Berge. Und der Wald. Wanderlust. Bei jedem Wetter und überall.

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