Doku-Tipp: Dieses bunte Deutschland

Zum Dienstag ein kurzer TV-Tipp. Am morgigen Mittwoch zeigt Das Erste einen Dokumentarfilm mit dem Titel “Dieses bunte Deutschland – Über den Mut nach der Flucht” (ca. 89 min.).

Ein Jahr lang haben Filmteams Flüchtlinge in Deutschland begleitet: Der Film gibt Einblick in das Leben von vier Menschen, die nur eines gemeinsam haben: dass sie ihre Heimat verlassen mussten und nun einen mutigen Neubeginn wagen.

So weit, so gut. Dieser Tipp ist mir auch wichtig, weil ich einen dieser vier Menschen persönlich kenne – wenn auch nicht wirklich gut. Allerdings weiß ich mehr über ihn, als er selbst vielleicht ahnt … Aus Gründen. Pirna ist also ein Schwerpunkt dieser Reportage und ich bin gespannt, welcher Art die Eindrücke sind, die im Film vermittelt werden.

Sendetermin: Mittwoch, 31.05.2017, 22.45 Uhr, im Ersten.


Der Film ist nun auch in der Mediathek zu finden (verfügbar bis 31.05.2018).

Zwischen Utopie und Dystopie

Um wirklich irgendwelche ernsthaften Veränderungen in der Welt anzustoßen, musst du die menschliche Natur ändern. Und das ist bisher noch niemandem gelungen. Die Menschen sind Tiere. Sie sind gierig, eifersüchtig. Sie sind wütend und voller Hormone, die durch ihre Körper rauschen. Sie lieben es anderen Menschen Leid zuzufügen. Wir sind nicht diese netten Wesen. Wir können gute Gedanken haben, einige von uns zumindest. Wer ein schönes Leben hat, muss nicht schrecklich sein. Wer ein schreckliches Leben hat, wird wahrscheinlich wütend sein und jemanden töten wollen. Menschen wollen keine utopische Gesellschaft. Wenn Sie Leuten auf der Straße eine utopische Gesellschaft beschreiben, dann wollen sie die nicht.

Die britische Künstlerin Suzanne Treister skizziert im Gespräch mit Christian Conradi eine sehr düstere, wenig hoffnungsfrohe Zukunft, in der ein hochautomatisierter, digitaler Turbokapitalismus herrscht.

Ich finde, sie bringt das Szenario ganz gut auf den Punkt, und stimme schweren Herzens zu – angesichts des täglich zunehmenden Wahnsinns auf diesem, unseren Erdenrund. Zum Nachhören bitte hier entlang (ca. ab 44:45).

PS: der mensch hört generell keine Podcasts, aber seit Jahren Breitband (die Ausnahme bestätigt die Regel). Gelegentliches Reinhören lohnt sich.

Die Kunstprojekte „Monument“ und „Lampedusa 361“

Wir haben beide Projekte am Sonntag in Dresden in Augenschein genommen. Gemeinsam mit vielen anderen interessierten Menschen. Inzwischen wurde vieles darüber gesagt und geschrieben – ich komme jedoch nicht umhin, das Thema hier trotzdem aufzugreifen. Wenn auch nur mit wenigen Worten und Bildern. Zumal wir den 13. Februar schreiben …

Zuerst auf dem Theaterplatz. Das Kunstprojekt „Lampedusa 361“ zeigt großformatige Fotos von Gräbern ertrunkener Flüchtlinge auf sizilianischen Friedhöfen. Das Anliegen der Initiatoren besteht darin, das Engagement der italienischen Gesellschaft für die Flüchtlinge zu würdigen.

Kunstprojekt „Lampedusa 361“

Vor der Oper viele Menschen, die sich nachhaltig interessiert zeigten. Trotz der Menge ist es sehr still, wie auf einem richtigen Friedhof. Die Bilder wirken. Blumen und Kerzen dazu. Hut ab dafür.

Kunstprojekt „Lampedusa 361“

Dann das „Monument“ auf dem Neumarkt. Auch dort ein buntes Getümmel. Touristen, Familien, Spaziergänger. Das Mahnmal des syrisch-deutschen Künstlers Manaf Halbouni zeigt drei ausrangierte Busse, die hochkant zu einer Barrikade aufgerichtet wurden. Vorbild ist jene Barrikade, die während des Bürgerkriegs in Syrien in Aleppo als Schutzschild gegen Scharfschützen gedient hat – die Fotos gingen um die Welt.

Installation „Monument“

Die Installation soll ein „Zeichen für Frieden, Freiheit und Menschlichkeit“ sein. Und das ist sie auch, in Ausführung und Ortswahl perfekt arrangiert. Ein besserer Platz hätte sich in Dresden nicht finden können. Und nein, die Busse stehen nicht direkt vor der Frauenkirche, die Bilder täuschen. Der Dresdner Neumarkt bietet genügend Platz und das Ensemble um die Frauenkirche ist in keiner Weise beeinträchtigt. Es kommt schlicht darauf an, wie man die Dinge sehen will.

Wir applaudieren beiden Projekten, die ihr Anliegen jeweils perfekt auf den Punkt bringen. Dresden braucht mehr davon, gerade in diesen Tagen.

Pirna: 15 Jahre AKuBiZ

Anno 2001 fanden sich in Pirna einige Menschen zusammen, um gemeinsam etwas gegen den stetig wachsenden Rechtsruck in der Gesellschaft zu tun. Zunächst ging es einfach darum, einen Schutzraum zu organisieren und anzubieten. Kurzerhand wurde ein Verein gegründet – das Alternative Kultur- und Bildungszentrum (AKuBiZ) in Pirna. Seither sind einige Jahre ins Land gegangen. Heute steht das AKuBiZ für eine unermüdliche Erinnerungs- und Demokratiearbeit und zeichnet sich durch ein vielfältiges Engagement gegen Diskriminierung und Intoleranz in der Region aus.

Auf dem Veranstaltungsplan stand über die Jahre ein buntes Programm – das alljährliche antirassistische Fußballturnier sei hier erwähnt, ebenso die wiederkehrenden Wanderungen auf den Spuren der „Roten Bergsteiger“ oder diverse Solidaritätskonzerte. Zudem ist der Verein zu einem wichtigen Ansprechpartner für die Geschichte des Nationalsozialismus in der Region geworden. Er bietet das Podium für thematische Vorträge, eigene Ausstellungen, Zeitzeugengespräche und Lesungen. Bundesweit bekannt wurde der Verein durch seine Klage gegen die Extremismusklausel im Jahre 2011/12. Das AKuBiZ veröffentlichte Info-Flyer zu den ehemaligen Konzentrationslagern in der Umgebung und hat erst unlängst seinen zweiten Comic herausgegeben. „Nichts Neues aus Sachsnitz“ ist die Fortsetzung der ersten Bildergeschichte, die anno 2007 erschien und vor allem an Schulen kostenlos verteilt wird.

In diesen Tagen begeht das Alternative Kultur- und Bildungszentrum (AKuBiZ) in Pirna sein 15 jähriges Jubiläum. Von dieser Seite sei hiermit herzlichst gedankt und gratuliert. Gedankt für die vielen Stunden ehrenamtlich geleisteter Arbeit, die die Region bitter nötig hat. Und gratuliert mit dem Hoffen auf ein Fortbestehen im besten Sinne …

Ihr dürft euch umärmelt fühlen.


Die gesamte Arbeit des AKuBiZ wird durch Spenden finanziert. Wer den Verein unterstützen möchte kann dies unter der folgenden Bankverbindung tun.

AKuBiZ e.V.
Volksbank Pirna e.G.
Konto: 1000 933 180
BLZ: 850 600 00
IBAN: DE34850600001000933180
BIC: GENODEF1PR2

Oder ihr nutzt das Spendenformular auf der AKuBiZ Website.

Der Letzte macht das Licht aus

Ein höchst interessantes Instrument an sich, und ein wunderschönes Handwerk sowieso. Zwei liebenswerte Menschen kommen dazu. Die ganz alte Schule eben …

Alex Carozza betreibt seit 1960 eine Akkordeon-Reparaturwerkstatt in New York. Seine Kunden kommen aus der ganzen Welt, um ihre Instrumente bei ihm reparieren zu lassen. Er hat einen Partner, und die beiden arbeiten mal gerade 60 Jahre lang zusammen. The Great Big Story hat ihn besucht und mit diesem Kurzfilm noch zu Lebzeiten ein virtuelles Denkmal gesetzt.

Alex Carozza has been building and repairing accordions in New York City since 1960. The last craftsman of his kind in the city, Alex is the living memory of a once vibrant musical culture that has all but disappeared from New York. This is the story of a true classic.

Respekt dafür. Und Applaus auch. (einmal mehr via Ronny und Gilly)