Der Schlagzeuger von Zwitschermaschine: Rom

Im Konzert: energetische Lärmmusik, die einfach Spaß macht

Wir erinnern uns: Anno 1983 erschien in Westberlin eine Split-LP, die mit ihrem Aufdruck „DDR von unten – Schallplatte mit 2 Gruppen und Textbeilage“ Aufmerksamkeit erregte. Zwei Bands aus dem musikalischen Untergrund waren auf dieser vertreten: Schleimkeim aus Thüringen (erst am vergangenen Wochenende gab es ein umjubeltes Konzert in Dresden) und die Vierte Wurzel aus Zwitschermaschine (später kurz Zwitschermaschine) aus Dresden.

Letztere entstand im Dunstkreis der Dresdner Kunsthochschule und traf mit ihren avantgardistischen Songexperimenten, sprich einem gelungenen Mix von anspruchsvoller Musik und Drei-Akkorde-Punkrock, alsbald den Geschmack des Publikums. Über die Jahre ihres Bestehens konnte die Band mit gleich drei solistisch Singenden punkten: Cornelia Schleime (Malerin und Dichterin), Michael Rom (Dichter) und Sascha Anderson (Dichter und Anfang der 90er enttarnter IM). Auf dem Höhepunkt ihrer Popularität, anno 1983, löste sich die Kapelle auf.

Der Poet Michael Rom (er wurde 1991 bei einem Raubüberfall vom Täter erschossen) steht nun im Fokus der Aufmerksamkeit. Sein literarischer Nachlass galt über Jahre als verschollen, bis der damalige Schlagzeuger der Band, Wolfgang Grossmann, begann, intensiv nach den Texten zu suchen. Die Ergebnisse seiner Recherche veröffentlichte er dann 2018 in einer Text-Sammlung unter dem Titel „will nicht zu den großohrigen elefanten“.

Im Zuge dessen kam der naheliegende Wunsch auf, auch das musikalische Erbe der Band aufleben zu lassen. Grossman aktivierte seine eigenen Erinnerungen und produzierte mit einer Handvoll handverlesener Musiker:innen (neben anderen auch Peter Hein von den Fehlfarben) ein Album, auf dem den die alten Songs mit den Texten von Michael Rom neu interpretiert wurden. Und das Projekt bekam einen Namen: Der Schlagzeuger von Zwitschermaschine. Unter diesem hat es nun Bestand und spielt gelegentliche Konzerte, von denen wir gestern eines besuchen konnten (veranstaltet vom Societaetstheater, in der ehemaligen Bezirksverwaltung der Staatssicherheit).

ich fasse mich kurz: Das Konzert fand mit dem sehr gut besuchten alten Stasi-Saal in einem ungewohnten, aber durchaus passenden Ambiente statt. Mit einer furios aufspielenden Kapelle, einer erfrischenden Support-Band (den Wave Punx) und einem Publikum, das, gleich uns, begeistert applaudierte.

Es war ein Art-Punk-Auftritt der Extraklasse.


Weiterführende Verweise: