Bergsommer im Böhmerwald

Zuerst das Vorland mit dem Böhmerwald-Meer, später die Berge und zuletzt der König des Waldes

4 Min Lesezeit

Das gelobte Land, eine malerische Bergkette und Sommer satt – zwei feine Wochen waren das – im schönen, grünen Böhmerwald. Vier Stationen, vier Quartiere, teils mit Vorlauf und teils spontan gebucht, um die Landschaft im Ganzen zu erfassen (soweit das in der Kürze der Zeit überhaupt machbar ist). Für mich war das alles Neuland, aus irgendwelchen Gründen blieb der Böhmerwald stets außen vor. Doch immerhin, ganz unbedarft waren wir dann doch nicht – die liebste Freundin von allen brachte einiges an Erfahrungen mit, sie war schon ab und an vor Ort und übernahm die Reiseleitung.

Es folgt der gewohnte Rückblick mit einigen ausgewählten Schnappschüssen.


1. Český Krumlov (Krumau)

Drei Stunden Fahrt brauchte es bis zur Ankunft am „Tor zum Böhmerwald“ (wir reisten mit dem Hybriden und den Rädern auf der Anhängerkupplung). Ein kleines Hotel auf der Höhe, 20 Minuten Fußmarsch und schon standen wir inmitten der historischen Altstadt, die in den folgenden zwei Tagen ausgiebig erkundet wurde. Die alte Burg, das mondäne Schloss, die quirligen Gassen und die sich malerisch windende Moldau – der Besuch dieses Ortes ist ein Muss und sei hiermit empfohlen (auf die Mengen an Menschen waren wir vorbereitet).

Neben der ausgedehnten Besichtigung der historischen Stätten (das barocke Schlosstheater blieb leider außen vor) verweilten wir im Egon Schiele Art Centrum und bestaunten die drehbare Zuschauerbühne (von 1956) im Schlosspark.

Am dritten Tag war es dann genug des Gewusels, wir flohen in die Umgebung und besuchten mit dem Kleť den nächstgelegenen, höchsten Gipfel (1083 m), der auch gut zu erwandern ist (hier sei die Auffahrt mit dem historischen 1er-Sessellift unbedingt empfohlen).

Tags darauf stand der Quartierwechsel an. Wir legten einen Zwischenstopp ein und besichtigten die prachtvolle und malerisch an der Moldau gelegene Burg Rožmberk (nur möglich mit Führung und ebenfalls ein Muss).


2. Frymburk am Lipno-Stausee

Das zweite Ziel unserer Rundreise war Frymburk (Friedberg), eine kleine Gemeinde am 1958 aufgestauten Lipno-Stausee. Wir mieteten uns in einer kleinen Pension ein und aktivierten die Räder – der Stausee und die anbei gelegenen Höhen des Böhmerwaldes wollten erkundet sein. Besondere Höhepunkte waren die Moldauschlucht-Tour (komoot) und der Besuch des Klosters Vyšší Brod, einer sehenswerten Zisterzienser-Abtei (geht auch nur mit Führung).

Was man wissen muss: Der Lipno-Stausee (auch „Südböhmisches Meer“) ist stark frequentiert und wird als „Böhmische Riviera“ vermarktet. Campingplätze, Liegewiesen und Datschen-Siedlungen säumen das Ufer – entsprechend stark ist mancherorts auch das zu erwartende Getümmel (z. B. in Lipno nad Vltavou!).

Pro-Tipp: eine Radtour in die umliegenden Berge und Wälder. Absolute Ruhe ist garantiert und jeder noch so kleine Weiler verfügt über Einkehr.


3. Kašperské Hory (Bergreichenstein)

Das Rathaus am Markt

Wir fuhren weiter Richtung Nordwesten. Kašperské Hory, ein schickes, 1400 Einwohner zählendes Städtchen, ist der ideale Ausgangspunkt für Ausflüge in den Böhmerwald. Quartier bekamen wir gleich am schön gestalteten Marktplatz – ein kleines Hotel, das Zimmer mit Ausblick auf die Kirche, die Berge am Horizont und eine Mikrobrauerei ums Eck – das passte.

Unbestrittenes Highlight des Ortes dürfte die (ca. 1,5 km außerhalb gelegene) dreischiffige, gotische St.-Nikolaus-Kirche aus dem 14. Jahrhundert sein. Wir hatten das Glück, mit einer zufälligen Führung hinein zu kommen, und konnten somit nicht nur den in Teilen uralten Friedhof um das ehrwürdige Gemäuer, sonder auch dessen nahezu unverändertes Inneres in Augenschein nehmen.

Zwei bemerkenswerte Unternehmungen kamen dort noch hinzu: Die Wanderung im Tal der Vydra und die Radtour zur Quelle der Moldau. Zur Erstgenannten sei gesagt, dass der bequeme Spaziergang entlang des wildromantischen Flusslaufs äußerst beliebt ist. Zudem lockt die am Fluss gelegene Turnerbaude mit Speis und Trank – man kann den Besucherstrom mit dem Getümmel an der Bastei vergleichen. Was dem Naturschauspiel jedoch keinen Abbruch tut …

Die Tour zur Moldauquelle lässt sich als schöne Kamm-Tour einordnen. Wir besuchten die Reste des Dorfes Bučina (Buchwald) am ehemaligen Todesstreifen und werteten die besagte (und viel besuchte) Quelle als wenig spektakulär.

Und wieder galt es weiterzufahren. Letzter Höhepunkt im Böhmischen war der Besuch der sich über Kašperské Hory erhebenden Burg Karlsberg (auch dort war die Besichtigung nur im Rahmen einer Führung möglich).


4. Der Bayerische Wald (am Fuße des Großen Arber bei Lohberg)

Der Bayerische Wald gehört geologisch und geomorphologisch zum Böhmerwald. Dazu findet sich der höchste Berg des Böhmerwaldes, der Große Arber (1455 m), auf der bayerischen Seite des Grenzverlaufs. Folgerichtig fuhren wir hinüber ins Bayerische. Und fanden ein feines Quartier, mitten im Wald und am Fuße eben jenes hohen Berges, das uns für die letzten Tage Quartier bot.

Tags darauf wollten wir es wissen, wanderten zum „König des Böhmerwaldes“ hinauf und schauten auf das Land hinunter. Wie im Artikelbild oben zu sehen, herrschte dort Gewimmel – auch eine Seilbahn bringt das interessierte Publikum auf den – mit den beiden Radomen – markanten Gipfel. Wir pausierten kurz und schritten weiter – zum ruhig gelegenen Kleinen Arber (1384 m), der ebenfalls erklommen werden musste (allein am Gipfelkreuz ist es auch schön).

Im Anschluss galt es zu rasten (wir sind schon alt und die Sonne knallte erbarmungslos). Aber gut, ein lebenserhaltendes, isotonisches Getränk später (die Chamer Hütte!) ging es an den Abstieg, der uns letztlich am lauschigen, sehr schön anzusehenden Kleinen Arbersee vorbeiführte (komoot).

Der letze verbleibende Tag blieb der Erholung vorbehalten, eine kleine Radtour nur, der Stopp am Großen Arbersee, das war es dann auch schon.


Resümee

Bemerkenswert: Der Böhmerwald ist in Tschechien extrem populär – viele Orte waren dort entsprechend gut besucht (fast nur Familien, Vater, Mutter, zwei Kinder – das hatte etwas von Zeitreise, zurück in die realsozialistische Vergangenheit). Im Bayerischen ging es hingegen deutlich ruhiger zu: keine Familien, nur Paare und Singles. Das passte besser.

Im Fazit waren es zwei wunderbare Wochen. Trotz der Ferienzeit bekamen wir überall und kurzfristig ein Quartier. Und Klärchen meinte es gut mit uns: Nur selten war es zu heiß und es regnete regelmäßig – der perfekte Bergsommer.

Rappel

Kaffee immer schwarz. Punkrock und Tattoos. Nichts mit Menschen. Dafür die See und die Berge. Und der Wald. Wanderlust. Bei jedem Wetter und überall.

10 Kommentare

      • :-)

        jetzt habe ich alles in ruhe gelesen und die bilder betrachtet und fühle mich 54 jahre zurück versetzt. danke für 2 schöne wochen – virtuell!

  1. Sehr gerne – wie immer. :)

    52 Jahre sind eine lange Zeit. Und der Böhmerwald liegt nicht gar so weit weg. Ich hoffe, du wirst irgendwann einmal über diesen zu berichten haben.

    • So soll es sein. Bemerkenswert ist auch der Umstand, dass sich ab 17, 18 Uhr die Mehrzahl der Menschen verkrümelt und das Gewimmel in den Gassen deutlich nachlässt. :)

  2. Das klingt alles sehr attraktiv und sieht auch so aus. Arber und Drumrum kenne ich schon, alles jenseits der Grenze noch nicht. Wenn man da überall nur mit Führung reinkommt: Muss man der Landessprache mächtig sein?

    • Ja, das ist leider so, die (immer vollen!) Führungen sind leider nur auf tschechisch. Es gibt aber Infoblätter in Deutsch oder Englisch, die das Wichtigste zusammenfassen – das passt dann schon ganz gut. Die kleinen Anekdoten bleiben natürlich außen vor … Wenn man Glück hat, lassen sich die Führer:innen manchmal etwas zurückfallen, um kurze Fragen auf Englisch (seltener auch auf Deutsch) zu beantworten.

      Für uns passte das aber so.

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