Ein Taxi bewegt sich durch die Strassen Teherans und nimmt die verschiedensten Menschen auf, um sie an ihre Bestimmungsorte zu bringen. Am Steuer sitzt der Regisseur Jafar Panahi …

Auf dem Armaturenbrett hat er eine Kamera befestigt, die auf die Fahrgäste gerichtet ist und die Szenen aufnimmt, während sich der Chauffier mit seinen Fahrgästen unterhält. Panahi trifft auf den Taschendieb und die Lehrerin, bringt einen schwerverletzten Mann ins Krankenhaus, der auf der Fahrt sein Testament macht, wird von einem Schwarzhändler erkannt, der illegale Kopien westlicher Filme verkauft und chauffiert seine redselige Nichte Hana. Einmal steigt die bekannte Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotoudeh zu und ein anderes Mal zwei Frauen mit einem Goldfischglas, die in dem Zwang leben, ihre zwei Fische bis 12 Uhr zurück zur Ali-Quelle bringen zu müssen, um nicht sterben zu müssen.

Der Inhalt der Gespräche ist dabei vielfältig: das Alltagsgeschehen und private Ereignisse stehen neben politischen Themen wie dem Hinterfragen der Todesstrafe, der allgegenwärtigen Zensur oder der Gewährung der allgemeinen Menschenrechte. Die Menschen reden frei von der Leber weg, machen ihrem Herzen Luft und nennen die Dinge beim Namen. Und damit wird das Taxi zu einem Freiraum, denn wie wir wissen, herrscht im Iran keinesfalls Meinungsfreiheit, Oppositionelle werden drangsaliert und bedroht, Künstler in ihrer Arbeit behindert und das öffentliche Leben unterliegt einer strengen Zensur. Der mit minimalsten Mitteln gedrehte Film spricht all diese Themen an – in einem entspannten und kunstvoll inszenierten Rahmen.

Regisseur Jafar Panahi wurde im Jahr 2010 festgenommen und für drei Monate inhaftiert. Er wurde zu 20 Jahren Berufsverbot und sechs Jahren Gefängnis verurteilt – die Haftstrafe musste er allerdings nicht antreten. Trotz Berufsverbot und Hausarrest ist es ihm gelungen, weiter Filme zu drehen – eine allzu drastische Verfolgung des inzwischen weltweit anerkannten Regisseurs (“Taxi Theheran” wurde unlängst auf der Berlinale mit dem Goldenen Bären prämiert) würde wohl zu internationalen Verwerfungen führen, die dem Regime zum jetzigen Zeitpunkt ungelegen kämen.

Ich bin Filmemacher. Ich kann nichts anderes als Filme machen. Mit Kino drücke ich mich aus, es ist mein Leben. Nichts kann mich am Filmemachen hindern. Denn wenn ich in die äußerste Ecke gedrängt werde, ziehe ich mich in mein Innerstes zurück. Und trotz aller Einschränkungen wird in dieser inneren Abgeschlossenheit die Notwendigkeit, etwas zu erschaffen, zu einem immer größeren Trieb. Kino als Kunstform wird zu meinem Haupt- anliegen. Ich muss unter allen Umstanden weiter Filme machen, um der Kunst Respekt zu erweisen und mich lebendig zu fühlen.

Im Iran darf der Film nicht gezeigt werden, bei uns läuft er seit einer Woche in jedem guten Programmkino. Das Anschauen lohnt meines Erachtens unbedingt.

Verweis: Taxi Teheran (Offizielle deutsche Webpräsenz)

3 Kommentare

  1. derbaum 1. August 2015 um 09:40

    ich werde warten bis er im tv zu sehen ist. was mir ein wenig auer aufstösst bei aller euphorie – die fahrgäste sind nicht zufällig ausgewählt sondern alles bekannte, verwandte bzw. freunde des regisseurs…

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    1. Rappel 1. August 2015 um 12:27

      Man muss dazu sagen, dass der Film zwar im Stil einer Dokumentation gedreht, aber nicht als solche definiert wurde. Alles wurde inszeniert – das wurde so nie anders kommuniziert. Ich halte es für ein kluges Konzept, dass aufgegangen ist und sehe darin genau das, was den künstlerischen Wert dieses Filmes ausmacht. In knapp anderthalb Stunden all diese Themen so locker aufzugreifen – das hat schon was.

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  2. derbaum 2. August 2015 um 16:38

    ich werds mir ansehen – und dann meine meinung evtl. revidieren…

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