Karl Stülpner, eigentlich Carl Heinrich Stilpner, ist hierzulande ein Volksheld aus den alten Zeiten. Diverse Legenden ranken sich um diesen „Robin Hood“ aus dem Erzgebirge, der dazumal als umtriebiger Wildschütz und Schmuggler, später dann als Soldat, Fabrikant und Lebenskünstler von sich Reden machte. Schon beizeiten brachte ihm sein trotziger Widerstand gegen die Obrigkeit Verfolgung und Intrigen ein. Nach einem wechselvollen Leben starb der Mann – krank, verarmt und fast erblindet – im Alter von fast 79 Jahren anno 1841 im sächsischen Scharfenstein. Auf dem Großolbersdorfer Friedhof findet sich sein Grab – es ist bis heute erhalten. Zahlreiche Episoden wurden ihm nachgesagt und fanden als solche schließlich auch Eingang in Bücher und Theaterstücke. Womit wir dann bei des Pudels Kern wären …

Vor einigen Tagen hatte ich das große Vergnügen, einer Aufführung der Stülpnerlegende im Marionettentheater beizuwohnen. Das traditionelle Marionettentheater Dombrowsky führt das Stück schon viele Jahre in seinem Programm, und in der vergangenen Woche wurde die Kulturscheune Naundorf (bei Struppen) bespielt. So ergab sich die für mich seltene Gelegenheit, endlich einmal einer Inszenierung einer der letzten noch agierenden Wandermarionetten-Spielerfamilien beizuwohnen, und es war herzallerliebst. Sie spielen die Stücke tatsächlich so, wie sie es schon vor einhundert Jahren taten, fühlen sich ganz und gar dem traditionellen Spiel verpflichtet und präsentieren dieses gekonnt.

Dazu muss man wissen, dass es heute nur noch sehr wenige umherziehende Marionettentheater gibt. Um das Jahr 1900 herum sah es ganz anders aus: geschätzte 150 Wandermarionettentheater gab es dazumal in Sachsen. Sie bespielten vorwiegend den ländlichen Raum, traten in Gasthöfen und Sälen auf und brachten mit dem Marionettenspiel den Menschen das Theater näher. Neben beliebten Volksstücken wie der Stülpnerlegende und den klassischen Märchen wurden auch die immer populären Klassiker gespielt, “Dr. Faust’s Höllenfahrt” oder “Der Freischütz” fanden neben anderen stets Aufnahme ins Repertoire.

Ihr solltet also die Gelegenheit beim Schopfe packen, wenn solch eine sich der Tradition verpflichtete Wanderbühne in eurer Nähe spielt – es gibt nur noch wenige ihrer Art. Bei Interesse: zum Spielplan des hier erwähnten Marionettentheaters Dombrowsky gelangt ihr über diesen Verweis.

6 Kommentare

  1. apfelmann70 24. März 2015 um 16:59

    Das ist ja interessant. Als Knirps wohnte ich mit Oma einigen Marionettentheatern in Pirna bei. Danach wurde mit diversen Handpuppen die Szenen nachgespielt. Diese schönen Erinnerungen waren fast verschüttet. Danke für den Tipp.

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    1. Rappel 24. März 2015 um 19:32

      Gern geschehen. Weißt du noch, wo die damals in Pirna gespielt haben?

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  2. derbaum 25. März 2015 um 05:30

    wir haben – in einem früheren abschnitt meines lebens – auch mit hohnsteiner puppen stehgreif (mit oder ohne h?) – puppentheater gespielt. so manchen sonntag-nachmittag. irgendwo gibts von eine aufführung noch analoge bilder ;-)
    ansonsten hab ich nur die frau wintermann mal beim elbhangfest gesehen… und das puppentheater im zoo ;-)

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    1. Rappel 26. März 2015 um 07:42

      Frau Wintermann habe ich bis dato noch nicht gesehen, leider. Und in Sachen Puppenspiel empfehle ich ja immer das Hohnsteiner Puppenspielfest (in diesem Jahr 29.05. – 31.05.). Leider schaffe ich es nur selten dorthin …

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      1. derbaum 28. März 2015 um 12:23

        da isses mir viel zu voll… ;-)

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        1. Rappel 30. März 2015 um 11:31

          Das stimmt natürlich. Aber wir haben dort schon tolle Aufführungen gesehen …

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