Wolfgang Herrndorf: Sand

Wolfgang Herrndorf: Sand

Ich habe gelesen: Sand von Wolfgang Herrndorf.

1972, irgendwo in der Nordsahara. In einer Hippie-Kommune werden vier Menschen erschossen, ein mysteriöser Geldkoffer verschwindet und auf dem Dachboden einer Scheune, in welcher illegal Schnaps gebrannt wird, erwacht ein Mann mit einer schweren Kopfverletzung. Er kann sich an nichts erinnern – nicht einmal an seinen Namen. Zutiefst verwirrt begibt er sich auf die Suche nach seiner Identität, und gerät dabei von einer Katastrophe in die nächste.

… Es schien nicht der richtige Moment, dem Mann etwas von Amnesie zu erzählen. Eine frische Leiche, vier bewaffnete Männer in einem Jeep, ein irr blickender Fellache mit Mistgabel: Die Situation war unübersichtlich.

Sand von Wolfgang Herrndorf ist die kongeniale Parodie des klassischen Agententhrillers. Anspruchsvoll und klug geschrieben, reich an skurrilen Situationen und verblüffenden Wendungen. Dabei ist dieser Roman keinesfalls leicht zu lesen – insbesondere die anfängliche Vorstellung der Protagonisten scheint zunächst verworren und ohne erkennbaren Bezug zueinander. Nach den ersten einhundert Seiten nimmt das Geschehen allerdings rasche Fahrt auf … Zum Ende hin verlangt der Autor seinen Leser_innen dann einiges ab – verblüffend ist nicht das richtige Wort dafür – es ist schlicht und einfach verstörend.

Im Fazit ist Herrndorfs 2011 erschienener Roman gewiss nicht jedermanns Sache. Wer etwa einen spannungsgeladenen Spionage-Thriller oder ein amüsantes (und pädagogisch-wertvolles) Roadmovie à la Tschick erwartet wird scheitern – Sand ist ein kunstvoll inszeniertes, in Teilen absurdes Theater, welches man wohl zweimal zur Hand nehmen muss, um es hernach in seiner Gänze auch wirklich verstanden zu haben.

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