Wolfgang Herrndorfs “Tschick” dürfte inzwischen zum Klassiker avanciert sein, und das aus gutem Grunde … Ich habe den Roman erst jetzt in die Finger bekommen und mich köstlich amüsiert.

Erzählt wird eine bemerkenswerte Reise durch die sommerliche, ostdeutsche Provinz. Hauptfiguren sind zwei vierzehnjährige Jungen: Maik (aus vermeintlich gutem Hause) und Tschick (eigentlich Andrej Tschichatschow, russischer Spätaussiedler und durchgeknallter Asi aus den Hellersdorfer Hochhäusern), welche in einem geknackten Lada Richtung Süden fahren. Imaginäres Ziel der spontan und vollkommen planlos agierenden Burschen ist die Walachei, um Urlaub zu machen (die Sommerferien haben gerade begonnen) und Tschick’s Großvater zu besuchen. Unterwegs treffen sie (neben anderen) auf die vagabundierende Isa und natürlich geht vieles von dem auch schief, was auf solch einer Tour schief gehen kann …

Wolfgang Herrndorf erzählt wunderbar unaufgeregt, weiß Pointen wohl zu setzen und beschwört dazu das Gute im Menschen.

Die Welt ist schlecht, und der Mensch ist auch schlecht. Trau keinem, geh nicht mit Fremden und so weiter. Das hatten mir meine Eltern erzählt, das hatten mir meine Lehrer erzählt, und das Fernsehen erzählte es auch. Wenn man Nachrichten kuckte: Der Mensch ist schlecht. Wenn man Spiegel TV kuckte: Der Mensch ist schlecht. Und vielleicht stimmte das ja auch, und der Mensch war zu 99 Prozent schlecht. Aber das Seltsame war, dass Tschick und ich auf unserer Reise fast ausschließlich dem einen Prozent begegneten, das nicht schlecht war.

Im Fazit ist es eine wunderschöne, schräge Geschichte über das Erwachsenwerden, die jedermann und jedefrau – ob groß, ob klein – einmal gelesen haben sollte.