Görlitz

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Auf Görlitz kann man gut herabschauen, vom Hausberg oben, sprich der Landeskrone. Es handelt sich um einen einzeln stehenden, mir bisher unbekannten Berg, 420 Meter hoch, mit einer Wirtschaft und einem kleinen Aussichtsturm oben darauf. Dazu kommt noch ein unvermeidlicher Bismarckturm, der so häßlich ist, wie sie alle sind, die Bismarcktürme dieser Republik. Aber die Aussicht, die lohnt, kann man doch wunderbar auf Görlitz hinunterschauen, in die Umgebung mit dem Berzdorfer See und weit hinüber bis in das Iser- und Riesengebirge.

In Görlitz kann man auch gut ein Wochenende verbringen, beispielsweise mit der Familie, um ein Jubiläum zu feiern. Nette, kleine Pensionen gibt es zuhauf, und Cafés und Restaurationen in beachtlicher Menge. Zeitiges Reservieren tut jedoch not, denn die Stadt ist voller Besucher. Aus aller Herren Länder kommen die Menschen, sie lauschen den Stadtführern (wie wir auch), flanieren am Ufer (wie wir auch) und laufen über die Brücke und von Land zu Land hin und her (wie wir auch).

Das Spazieren empfiehlt sich vor allem zum Abend, wenn die Kneipen voll und die Gassen leer sind und Musik ertönt und der Wächter mit den leuchtenden Augen vom Rathausturm herab schaut. Die Stippvisite ins Polnische kann man sich sparen: Ein bissel Glanz am Neißeufer, Alkohol- und Zigarettenshops und viel mehr ist dort nicht.

Irgendwann ist man froh, nach all den Stunden in der Stadt, derselben zu entkommen. Zu viel Enge, zu viele perfekt sanierte Häuserschluchten, zu viel Jugendstil und Görliwood und Glanz und Gloria und überhaupt – selbst der stetig blaue Himmel war, beinahe schon, unerträglich. Der Ausflug zum Hausberg empfiehlt sich dann, zum Durchatmen und zum Alleinsein auch. Aber das schrieb ich ja schon. Und so passte das auch wieder. Mit den Menschen und in Görlitz, an diesem Wochenende im Oktober.

Rappel

Rappel

Kaffee immer schwarz. Punkrock und Tattoos. Nichts mit Menschen, dafür die See und die Berge. Und der Wald. Wanderlust. Bei jedem Wetter und überall.

11 Kommentare

  1. meine zweite heimat – ich mags sehr. vor allem abseits der 5 touristenstrassen. die polnische seite ist allerdings – bis auf die oberlausitzer gedenkhalle – wirklich vernachlässigbar…

    1. Sie hat mich schwer deprimiert, da ist nichts, was gefällt. Und das Potemkinsche Dorf an der Brücke ist schon krass genug … Von der Gedenkhalle wusste ich nicht, die Zeit wäre ohnehin zu knapp gewesen. Wir müssen also noch einmal nach Görlitz. :)

      1. jakobstrasse und steinweg – orte meiner kindheit ;-) – und die grossen tordurchfahrten – da haben wir federball drin gespielt. und ja – ein dritter, vierter blick tut not ;-)

        1. Hm. Hast du dort eine längere Zeit verbracht? Urlaub oder dienstlich?

  2. meine mutter stammt aus görlitz und so wohnten 3 brüder samt familien dort – dadurch hatte ich die gelegenheit teile meiner kindheit dort zu verbringen – spätere besuche dann eher sporadisch ;-)

    1. Ich verstehe. Daher bist du ein Görlitz-Experte. :)

  3. Vielleicht solltest Du – im Sommer – mal in der Woche nach Zgorzelec rüber machen. Die Stadt wird dadurch nicht schöner – aber wenn man sich in ein Cafe auf der Hauptstraße hockt und einfach nur schaut, stellt man fest, dass die Straßen irgendwie belebter sind und man bekommt Lust auf Urlaub – so ging es mir zumindest …

  4. doch: die Stadt wird im Sommer natürlich auch auf polnischer Seite schöner … ;-)

    1. Mach ich so, bei nächster Gelegenheit. Wir waren ja nur kurz mal drüben. ;)

  5. Sag mal seid ihr da auch mal am Berzdorfer See gewesen?Oder habt mal die Brauerei besucht.

    1. Leider nein, dafür war die Zeit zu kurz (und wir waren auch nicht allein). Den See haben wir immerhin von oben betrachtet, die Brauerei blieb außen vor. Ich sehe schon, dass wird wieder eng beim nächsten Görlitz-Besuch.

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