Der zweite Sonntag im September

… ist stets dem Tag des offenen Denkmals vorbehalten. Die Erfahrung lehrt, an diesem Tag das anlassbezogene Gewimmel in den Städten zu meiden und, entsprechend der Möglichkeiten und Interessen, hinaus aufs Land zu fahren. Gestern fügte sich das, wir hatten die Zeit und es war gut so.

Drei altehrwürdige Gemäuer standen auf der Liste, von denen Numero drei, das sei vorweggenommen, bereits bei der Anfahrt gekanzelt wurde. Zu viel Volk und deutlich zu viele SUVs in den schmalen Gassen von Liebstadt, nein danke. Es wird sich eine andere, bessere Gelegenheit finden, das Schloss Kuckucksstein in Augenschein zu nehmen (der letzte Besuch ist doch schon arg lang her).

Das Kurmittelhaus im ehemaligen Gesundheitspark Bad Gottleuba, heute Median-Klinik

Deutlich besser lief es im ehemaligen Gesundheitspark Bad Gottleuba (heute Median-Klinik). Die Historischen Sammlungen gewährten eine Sonderführung durch das sogenannte Kurmittelhaus, welches seit 1996 leersteht und bis heute leider kein neues Nutzungskonzept erfuhr. Ganz kurz zur Erläuterung: Die dazumal sehr moderne Heilstätte wurde in den Jahren 1909 – 1913 errichtet. Das Gesamtwerk umfasste eine Parkanlage mit 34 Bauwerken im Jugendstil, die sich exzellent in die Landschaft des Gottleubatals einfügten. Und das oben im Bild zu sehende, schlossartig angelegte Kurmittelhaus bildete den Mittelpunkt. In ihm wurden sämtliche Anwendungen verabreicht. Heute steht es wie gesagt leer, und äußerlich schaut es auch noch ganz gut aus. Doch innen scheint die Zeit stehengeblieben, und es ist wahrhaft eine Zeitreise, die man bei solch einer Führung wie der gestrigen erfährt.

So weit, so gut. Mehr sei hier nicht verraten, auch Fotos gibt es keine, habe ich doch – aus Gründen – ein Schweigegelübde unterschreiben müssen. Interessierte sollten sich an die Historischen Sammlungen wenden, gut möglich, dass es einmal zu einer Wiederholung dieser Besichtigung kommt – es lohnt unbedingt.

Am Schloss Ottendorf

Zweiter Anlaufpunkt war das Schloss Ottendorf (Bahretal Ortsteil Ottendorf). Ich bin schon manches Mal drumherum spaziert, jedoch noch nie hineingelangt. Gestern klappte das, das alte Landschloss (verbriefte Ersterwähnung 1294 als Grenzfeste, dann um 1500 Umbau zum Renaissanceschloss, Rittergut) öffnet neuerdings immer (und nicht nur) zum Tag des offenen Denkmals. Leider bekamen wir nur einen Teil der Führung mit, konnten uns aber, wie alle anderen Interessierten auch, im ganzen Haus frei bewegen. Und das ist ein abenteuerliches Unterfangen, denn der Zahn der Zeit nagt gewaltig an dessen Mauern.

Immerhin: Es gibt einen Förderverein, der das Landschloss seit 2015 pachtet und um dessen Sanierung bemüht ist. Und die scheint dringend erforderlich … Lediglich einige Zimmer und zwei kleine Säle sind leidlich hergerichtet und somit benutzbar – der Großteil des Hauses befindet sich hingegen im bedauernswerten Zustand. Dem Vernehmen nach wird es als Förderprojekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gelistet – schauen wir mal, was daraus wird und welche Zukunft dem Anwesen beschieden ist.

Historische Wandmalerei im Schloss Ottendorf: Tanz des Todes (um 1550)

Nun gut. Sie sehen: Der gestrige Tag des offenen Denkmals war einer von den guten Tagen, durchaus reizvoll, spannend und hoch interessant. Ich hätte gerne mehr davon.

Geschrieben von

Rappel

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Kaffee immer schwarz. Punkrock und Tattoos. Nichts mit Menschen, dafür die See und die Berge. Und der Wald. Wanderlust. Bei jedem Wetter und überall.
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6 Kommentare zu “Der zweite Sonntag im September”

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