Ich habe gelesen: “Kind, versprich mir, dass du dich erschießt: Der Untergang der kleinen Leute 1945” von Florian Huber.

Deutschland, Ende April 1945. Während sich Adolf Hitler in Berlin eine Kugel in den Kopf schoss, strömten im Städtchen Demmin scharenweise normale Leute, Frauen, Männer und Kinder in Flüsse und Wälder, um sich dort umzubringen. Dieser größte Massenselbstmord in der deutschen Geschichte wiederholte sich vielerorts in ähnlicher Weise. Wie kam es zu dieser Selbstmordwelle, die Tausende in den Untergang riss? Was ist geschehen, dass die Menschen angesichts der Befreiung vom Dritten Reich nur im Tod einen Ausweg sahen?

Der Historiker Florian Huber erzählt die Geschichte dieser Tragödie. Er benennt als Motiv die Flucht vor dem Unerträglichen: den Untergang des Tausendjährigen Reiches, verbunden mit der Angst vor den Gräueltaten der letzten Kriegsmonate. Aus der Sicht derjenigen, die das dramatische Geschehen selbst miterlebt haben, benennt der Autor die tieferen Ursachen der Katastrophe. Anhand von persönlichen Erinnerungen und Tagebuchaufzeichnungen liefert er eine fundierte Betrachtung der Innenwelt der Deutschen, welche sich – faktisch zwölf Jahre lang – in einem emotionalen Ausnahmezustand befanden.

Herausgekommen ist eine bemerkenswert gute, zur Gänze aufwühlende Geschichtsdarstellung, die einem durch Mark und Bein geht. Und somit zur Pflichtlektüre erhoben werden sollte (angesichts der zunehmenden Menge laut blökender, geschichtsvergessener Knetbirnen auf unseren Straßen).


Florian Huber
Kind, versprich mir, dass du dich erschießt: Der Untergang der kleinen Leute 1945

Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Berlin Verlag (16. Februar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3827012473
ISBN-13: 978-3827012470
€ 22,99 [D]


Symbolbild: Annie Spratt

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Kaffee immer schwarz. Punkrock und Tattoos. Nichts mit Menschen, dafür die See und die Berge. Und der Wald. Wanderlust. Bei jedem Wetter und überall.

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B.

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