Kai Lüdders: Mutwille

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Ich habe gelesen: “Mutwille” von Kai Lüdders.

Deutschland, Schauplatz Berlin, in einer vielleicht nicht mehr allzu fernen Zukunft. Das Land wird von einer mutierten Form des Lassa Virus heimgesucht. Immer mehr Menschen infizieren sich, es gibt die ersten Opfer. Mit der aufkommenden Panik kommt das öffentliche Leben nahezu zum Erliegen. Die Regierung ist ihrer Verantwortung nicht gewachsen – Hass, Hetze und Chaos machen sich breit. Der Ruf nach einfachen und schnellen, radikalen Lösungen kommt auf. Land und Gesellschaft zerreißen …

Der erfolgreiche Lobbyist Paul Schneider steht im Mittelpunkt des Romans. Er arbeitet für das Gesundheitsunternehmen UMC in Berlin. Gemeinsam mit seinem Chef Norman Bruckmeier setzt er eine teuflische Spirale in Gang, um das aktuelle politische System aus den Angeln zu heben. Eine neue Ordnung soll entstehen, in der die soziale Herkunft keine Rolle mehr spielt und in welcher der gesunde Mensch das Maß aller Dinge sein wird. Der perfide Plan geht zunächst auf, bis das Vorhaben plötzlich aus dem Ruder gerät und scheinbar ungelenkt seine eigene, grausige Dynamik entwickelt.


“Mutwille” ist ein lesenswertes Gesellschaftsporträt und spannender Politthriller zugleich. Kai Lüdders durchleuchtet die Mechanismen des Polit-, Lobby- und Medienbetriebs und entfacht das albtraumhafte Szenario einer übersättigten Gesellschaft am Abgrund, welche – mit dem Blick auf das unsägliche weltweite Geschehen derzeit – nicht allzu weit entfernt und durchaus plausibel scheint. So besehen ist der Debütroman des Autors von einer nahezu unheimlichen, aktuellen Brisanz geprägt.

Einziger und nicht unwesentlicher Kritikpunkt meinerseits: der oftmals sehr einfache, bisweilen an einen Groschenroman erinnernde Schreibstil des Autors. Manche Wendungen im Geschehen erscheinen einfach zu banal und wenig durchdacht. Zudem trüben unnötige Wiederholungen und bisweilen unangenehm flache Szenarien und Dialoge das Lesevergnügen.

Der diesbezüglich offenbar ausgebliebene, zuvor mahnend erhobene Zeigefinger seitens des Lektorats hätte dieser dennoch sehr interessanten Veröffentlichung ohne Zweifel gut getan.


Kai Lüdders
Mutwille

2017, Originalausgabe.
Taschenbuch, 364 Seiten.

Velum Verlag
ISBN: 978-3947424009
€ 11,99 [D]

Am 15. November 2017 erschienen.

Rappel

Rappel

Kaffee immer schwarz. Punkrock und Tattoos. Nichts mit Menschen, dafür die See und die Berge. Und der Wald. Wanderlust. Bei jedem Wetter, und überall.

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