Island, die wasserreiche Insel im Nordatlantik. Das Land der Elfen und Trolle. Wind und Wellen, Vulkane und eine einzigartige Naturlandschaft. Unzählige Fjorde, Wasserfälle, Seen und Gletscher. Im Sommer bleibt es bis zu 24 Stunden hell. Die Hringvegur (Ringstraße) umrundet die gesamte Insel – ausgehend von Reykjavík. Ein Traumziel unsererseits, schon immer. In diesem Jahr hat es geklappt, wir waren für zweieinhalb Wochen im gelobten Land. Den Flug buchten wir bereits im Juli 2016, die konkrete Planung begann dann im Dezember. Wir fuhren die Hringvegur, in einem nagelneuen VW Polo und gegen die Uhr. Ein Roadtrip also. Dies ist der Reisebericht, chronologisch geordnet und auf das Wichtigste beschränkt.


Donnerstag, 06. Juli

Gegen Mitternacht landeten wir in Keflavík. Der Flybus brachte uns vom Flughafen nach Reykjavík. Am Stadtrand hieß es in kleinere Busse umzusteigen, welche die Reisenden zu ihren Unterkünften brachten. Unser Hotel schien schon in die Jahre gekommen, war aber sauber und das Frühstück passte.

Am Tag dann ein erster Stadtbummel. Die Skulptur Sonnenfahrt des Künstlers Jón Gunnar Árnason (das Wikingerschiff oben im Bild), die Hallgrímskirkja (mit Turmaussicht) und natürlich das Konzerthaus Harpa. Wir waren am Alten Hafen, dem Alten Friedhof, nahmen die kleine Kathedrale und das Parlament in Augenschein. Der Besuch des zufällig entdeckten Punk-Museums war natürlich ein Muss. Zum Abend der kleine Einkauf im Supermarkt – Bescheidenheit macht einen schlanken Fuß.


Freitag, 07. Juli

Der zweite Tag in der Hauptstadt. Wir wandern am Ufer entlang hinaus aus der Stadt, bis nach Seltjarnarnes und zur Insel Grótta. Leider durften wir diese nicht betreten – wegen des Vogellebens stand sie noch bis zum 15. Juli unter besonderem Naturschutz. Nach sportlichen 17 km Fußmarsch stehen wir wieder im Stadtzentrum.

Am Nachmittag dann pralles, buntes Hauptstadtleben. Ein wenig Shopping, im Café sitzen (Bohnenkaffee ist übrigens das Lieblingsgetränk der Isländer und schmeckt fast überall vorzüglich) und Lackritzschokolade (!) probieren auch.

Am Abend ein Glas Rotwein und die Romantik des Hotelzimmers.


Sonnabend, 08. Juli

Nach dem Frühstück bringt uns der Shuttle-Service zur Avis-Mietwagenstation. Der VW Polo hat gerade 1000 km auf dem Tacho und ist somit nigelnagelneu. Für uns beide langt der kleine Wagen. F-Straßen können und dürfen wir mit dem Wagen natürlich nicht befahren. Müssen wir aber auch nicht – wir beschränken uns auf die Ringstraße mit den notwendigen Abstechern, die zuvor recherchiert wurden.

Am Vormittag verlassen wir Reykjavík Richtung Gullni hringurinn (Golden Circle) und besuchen zuerst die ehemalige Thing-Stätte Þingvellir (die Silfra-Spalte und die Taucher!). Es folgt das Geothermalgebiet Haukadalur (u.a. mit dem Geysir Strokkur, der zuverlässig ca. alle 6-10 Minuten ausbricht) und zuletzt der Wasserfall Gullfoss. So besehen kann man die drei der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Insel tatsächlich in einem Tagesausflug besuchen – wovon auch rege Gebrauch gemacht wird, denn überall waren viele Besucher. Jedoch verteilt sich die Menge ganz gut und alle können die eindrucksvollen Szenarien für sich betrachten – ein Umstand, der uns in den folgenden tagen immer wieder begegnen wird.

Früh am Abend erreichen wir unser Quartier für die Nacht, eine Farm. Wir nehmen ein entspannendes Bad im Hot Tube (39°C), schauen in die Landschaft und schlafen dann (gefühlt) im Schlafzimmer der Familie.


Sonntag, 09. Juli

Wir fahren ein gutes Stück auf der Vulkanroute, den schneebedeckten Gipfel von Islands größtem und aktivstem Vulkan, der Hekla (1491 m), stets im Blick. Irgendwann ist die Schotterpiste jedoch so schlecht, dass wir den Besuch des Besucherzentrums am Fuße des Vulkans kanzeln und wenden. Ein Polo ist nun mal ein Polo und kein Land Rover. Die Erfahrung lehrt, vor dem Schaden klug zu sein.

Entlang der Straße finden sich immer wieder spannende Gipfel und Blicke. Wenn es machbar ist, halten wir, besteigen dieselben und schießen Bilder wie das obige. Zurück in der Ebene kaufen wir das erste Mal Benzin (auf dem Land gibt es fast nur Tankautomaten) und machen am Nachmittag an drei Wasserfällen Station: dem Hjálparfoss, dem Merkjárfoss und zuletzt am Seljalandsfoss. Letzterer ist für mich – im jetzigen Fazit – der am schönsten gelegene und attraktivste Wasserfall Islands. Zudem kann er mit einer Besonderheit punkten: Man kann hinter den Wasserfall gehen und durch die Wasserschleier auf das Land draußen blicken.

Nicht weit von diesem schönsten aller Wasserfälle liegt die Farm, deren Gästehaus für die folgenden zwei Nächte unser Quartier ist. Wir werden von einem deutschen Work & Travel Mädchen begrüßt und wandern am Abend in die nahegelegenen Berge (mit paradiesischem Bachlauf und Wasserfall – ganz für uns alleine). Bemerkenswert auch: Auf dem Hof sind einige Rotoren von im Zweiten Weltkrieg abgestürzten Flugzeugen zu bestaunen, die aus dem Gletscher geborgen wurden.

Es folgte ein (sehr später) Sonnenuntergang wie aus dem Bilderbuch.


Montag, 10. Juli

Gleich nach dem Frühstück fuhren wir zum Landungssteg der Fährboote in Bakkafjara bei Landeyjar. Die Überfahrt nach Heimaey, der größten der Westmännerinseln (eine Inselgruppe vulkanischen Ursprungs, ca. 10 bis 30 Kilometer südlich der isländischen Küste), dauert etwa 45 Minuten. Wir hatten das Auto dabei und fuhren zuerst in den nördlichen, danach in den südlichen Zipfel der Insel, um die steil aus dem Wasser ragenden Gipfel zu erklimmen und Vögel zu beobachten. Dabei galt unsere Aufmerksamkeit vor allem den amüsant anzuschauenden Papageitauchern (Puffins), die auf den Inseln mit ihren zahlreich vorhandenen Grasnarben am Ufer ein ideales Brutgebiet finden.

Am Nachmittag bestiegen wir den Vulkan Eldfell. Wir erinnern uns: Heimaey wurde durch den großen Vulkanausbruch im Jahr 1973, bei dem 400 Häuser unter Lava und Asche verschüttet wurden, weltbekannt. Er hatte immensen Schaden angerichtet, allerdings nur ein Menschenleben gekostet. Die Lavaströme konnten schließlich mit Hilfe von Seewasser rechtzeitig zum Stoppen gebracht werden, doch das Aussehen der Insel hat sich rapide verändert. Vom Gipfel des Eldfell bietet sich ein hervorragender Rundblick über Heimaey, die Nachbarinseln und das Festland am Horizont.

Wir bummelten zuletzt noch ein wenig durch Stadt und Hafen, bevor die Fähre uns am Abend zum Festland zurückbrachte.


Dienstag, 11. Juli

Das Wetter meinte es gut mit uns, seit Tagen schien die Sonne und erfreute uns mit sommerlichen Temperaturen von bis zu 18°C. Wir fahren wieder auf der Ringstraße und setzen unsere Fahrt in den Südosten fort. Erste Station war der Skógafoss, ein weiterer Wasserfall der Superlative. Einmal mehr überkam uns die Wanderlust und wir folgten dem Flusslauf noch ein gutes Stück ins Land hinein.

Die Landschaft wird überragt vom Eyjafjallajökull, jenem Vulkan, der mit seinem Ausbruch anno 2010 Schlagzeilen machte. Sie erinnern sich vielleicht: Nach mehreren Eruptionen des Vulkans kam es zu einem großen Ausstoß an Asche – der Flugverkehr über Nord- und Mitteleuropa musste infolgedessen in weiten Teilen und für mehrere Tage eingestellt werden. Im kleinen Infocenter an der Ringstraße schauten wir uns einen sehenswerten Dokumentarfilm an, der den Ausbruch und das Schicksal der Farm zum Thema hatte, welche am Fuße des Vulkans zu finden ist.

Mit dem wohl berühmtesten Flugzeugwrack der Welt folgte ein weiteres Must-have unserer Tour. Das Wrack ist nicht ausgewiesen, die Koordinaten jedoch bekannt. Die Piste dorthin ist inzwischen geschlossen, und es gibt einen neuen großen Parkplatz, um der Heerscharen von Pilgern Herr zu werden. Der Weg durch die Geröllwüste zieht sich, und am Ziel brauchte es dann Geduld und Spucke, um die leider auch auf dem Wrack verteilten Teenagergruppen abzuwarten, um dann selbst ein halbwegs brauchbares Foto (ohne Menschen!) schießen zu können. Auf dem Rückweg begegnete uns ein Phänomen der Kategorie Rätselhaftes Asien: ein frisch vermähltes Brautpaar in entsprechender Garderobe auf dem Weg zum Wrack, um dort Hochzeitsbilder zu knipsen. Eine Seltsamkeit, die uns an anderen Tagen und Orten wiederholt begegnete und irritierte.

Zuletzt noch ein Stopp in Vík í Mýrdal. Der Ort an der Südküste hat einen berühmten und wunderschönen schwarzen Lavastrand aufzuweisen. Im Meer stehen drei schwarze Felsnadeln, die Reynisdrangar. Die Legende berichtet, dass Trolle ein Schiff ans Land bringen wollten und dabei versteinert worden seien.

Am Abend dann die neue Unterkunft für zwei Nächte. Das Zimmer sehr klein, aber sauber. Todmüde fielen wir in die Koje …


Mittwoch, 12. Juli

Das Wetter hat sich deutlich verschlechtert, die Isländer lachten und verwiesen auf die Anormalität der letzten, langen Sommertage. Und es wurde abenteuerlich: Ausgerüstet mit Spitzhacke und Steigeisen haben wir eine Wanderung übers Eis unternommen. Nun gut, es war letztlich nur eine kurze Wanderung und wir waren auch nicht allein, sondern in einer kleinen Gruppe mit Guide unterwegs. Es ist zum Einen nicht gestattet, den Vatnajökullgletscher ohne Guide zu betreten, und zum Anderen verfügen wir über keinerlei Erfahrungen, was Gletscherwanderungen betrifft. Im Fazit war es dennoch eine spannende Sache: Der Weg führte über schmale Eisspalten und Schmelzwasserflüsse, verbunden mit ausführlichen Erklärungen. Interessant zu wissen: der Vatnajökull (sprich Vat’najö’küdll) ist die größte Eiskappe Europas und nimmt circa 8% der Fläche Islands ein.

Wieder am Besucherzentrum des Skaftafell Nationalparks angekommen unternahmen wir – jetzt schon im Dauerregen und bei freundlichen 11°C – noch eine Wanderung zum Svartifoss Wasserfall. Auf unserem Abendspaziergang entdeckten wir dann noch vor Ort eine der wenigen verbliebenen, heute unter Denkmalschutz stehenden Torfkirchen Islands (6). Wissenswert: Bei den Kirchen wurde auf im Land verfügbare Baumaterialien zurückgegriffen. Die Giebelwände wurden aus Treibholz errichtet, die Seitenwände sind aus Torf und das Dach ist mit Grasoden bedeckt.


Donnerstag, 13. Juli

Der Regen lässt nach. Wir sind wieder auf der Ringstraße und die Ausläufer des Vatnajökull bestimmen weiterhin das Geschehen. Wir treffen erst auf eine kleinere, danach auf die große Gletscherlagune Jökulsárlón, die von der Gletscherzunge des Breiðamerkurjökull gespeist wird. Die Magie dieses Ortes ist unglaublich. Die Farben und Formen der langsam ins Meer treibenden, bis zu 15m hohen Eisberge faszinieren. Ab und an werden Touristen mit Amphibienfahrzeugen ins Wasser und um die Kolosse herum gekarrt – es gelingt aber ganz gut, diesen gelegentlichen Frevel auszublenden. Die Lagune vermittelt eine ganz eigene Atmosphäre, das ewige Eis und eine über allem liegende, zauberhafte Langsamkeit … Entschleunigung pur, und Bilder für die Ewigkeit.

Wir fahren weiter über eine der schönsten Bergrouten Islands: Tiefe Fjorde und magische Weitblicke wechseln stetig. It’s a road trip, Baby. Einige Hotpots liegen an unserer Strecke, wir lassen uns nicht lange bitten und sitzen bei 40° Wassertemperatur – mitten in der Landschaft – in einer großen Badewanne. Eine großartige Idee! Zum Abend zeigt der Tacho 350 km für den Tag, das Gästehaus am Fjord ist malerisch gelegen.


Freitag, 14. Juli

Das Landesinnere lockt, die Küste verschwindet schnell im Rückspiegel. Der Dettifoss, in der Summe von Volumenfluss und Fallhöhe immerhin der leistungsstärkste Wasserfall Europas, ist unser erstes Ziel. Die Anfahrt führt über eine staubige, mitunter arg zerfahrene Piste, und mir wird warm am Steuer. Nach einer halben Stunde ist es geschafft, wir stehen am Rande der grau-braunen Wassermassen, die sich mit Getöse auf einer Breite von etwa 100 Metern in die Tiefe ergießen. Mit uns schauen wie gehabt etliche Kamera-Menschen auf das Spektakel, so dass es einmal mehr schwierig wird, eine gute Position (sprich ohne Menschen im Bild) zu erhaschen.

Am Dettifoss Wasserfall

Irgendwann gebe ich genervt auf und stelle mich ungefragt mit in die Gruppen fotofreudiger Japaner. Das Ergebnis ist Heiterkeit auf beiden Seiten, und mein dicker Hals ist schnell Vergangenheit. Shice doch auf die Bilder, das Hier und Jetzt ist alles.

Am Nachmittag erreichen wir das Mývatngebiet. Dort liegt – am Fuße des Berges Námafjall – eines der berühmtesten Hochtemperaturgebiete Islands: Hverarönd. Schwer beeindruckt erkunden wir den Hexenkessel, brodelnde Schlammtöpfe, aufsteigende Dampfsäulen und der alles in den Schatten stellende starke Geruch vermitteln ein Erlebnis der Extraklasse. Zum Schluss besteigen wir noch den Námafjall – von oben schaut alles noch viel spannender aus.

Im Hochtemperaturgebiet Hverarönd. Links der Gipfel des Námafjall.

Wir steigen ins Auto und geben Gas. Am anderen Ende der Bergkette gilt es noch das Bjarnarflag-Kraftwerk, ein Geothermalkraftwerk, zu bestaunen. Es nutzt, ebenso wie das größere Krafla-Kraftwerk, die Energie des Zentralvulkans Krafla.

Zum Abend dann das neue Quartier, ein Landhotel der gehobenen Kategorie. Wir haben es uns verdient und belesen uns via Wikipedia zur Funktionsweise eines Geothermalkraftwerks.


Sonnabend, 15. Juli

Es gilt, das Mývatngebiet näher zu erkunden. Östlich des Sees Mývatn liegt Dimmuborgir, ein Lavafeld mit den Überresten eines Lavasees. Die wahrlich bizarr geformten Felsformationen erinnern unwillkürlich an die Ruinen von Burgen und Türmen, und wohl zu Recht benennt die isländische Mythologie Dimmuborgir als einen Unterkunftsort von Elfen und Trollen gesehen. Wir spazieren jedoch unbehelligt durch das Gebiet und erklimmen dazu den nahebei gelegenen Tuffkegel Hverfjall.

Hernach fahren wir nach Reykjahlíð, kehren ein und probieren die Kjötsupa (Lammsuppe). So gestärkt suchen wir die “Blaue Lagune des Nordens”, sprich das Thermalbad Jarðböð, auf. Die Dampfsauna und zwei unterschiedlich temperierte Becken (38 und 40°C) lassen das Erlebnis im Freien ein besonderes werden – erst recht bei dem andauernden Nieselregen. Den über allem liegenden Schwefelgeruch will ich hier nicht unterschlagen … Meiner Nase machte das wenig aus, die liebste Freundin von allen hatte damit jedoch ihre Probleme. Erklärend sei hinzugefügt, dass in Island bereits das aus heißen Quellen gespeiste warme Leitungswasser einen deutlichen Geruch aufweist, der nicht jedermanns Sache ist.

Auf der Rückfahrt halten wir noch einmal: der Höfði ist ein öffentlich zugänglicher, hügeliger Park unmittelbar am Ufer des Mývatn. In dem üppig bewachsenen und sehr gepflegten Areal kann man gut spazieren, dem Gezwitscher der zahlreichen Vögel lauschen und gar durch einen mittelgroßen Birken- und Kiefernwald wandern. Das Wasser des Sees ist so klar, dass wir den Enten beim Gründeln zuschauen können.


Sonntag, 16. Juli

Der erste Wikinger, der sich nachgewiesenermaßen längere Zeit auf Island aufhielt – der Schwede Garðar Svavarson – überwinterte in Húsavik. Grund genug eigentlich, den Ort in Augenschein zu nehmen. Und es gibt noch ein weiteres Argument für einen Stopp: die meist erfolgreichen Walbeobachtungsfahrten.

Doch zunächst lag der Goðafoss am Wege. Es bot sich das übliche, viel Toleranz erfordernde Wasserfall-Szenario. Angelangt in Húsavik gönnten wir uns zunächst einen kurzen Stadtbummel, immerhin gibt es einen größeren Hafen und eine alte Holzkirche. Und überhaupt: das Fjordszenario!

Fotozirkus am Goðafoss

Schließlich war es soweit, unser Schiff legte an und wir gingen zur Pier. Die Kälte einerseits und Sicherheitsanforderungen andererseits erforderten das Anlegen von wetterfestem Thermoanzug und signalfarbener Kutte. Kein Grund zum Murren, denn wie gesagt: es war ordentlich frisch und die See ging auch ein wenig. Zehn Minuten später waren alle Lemminge an Bord und wir fuhren hinaus in die Bucht von Húsavik. Und um auch gleich zum Fazit zu kommen: Ja, wir haben natürlich Wale gesehen. Meist etwas weiter weg, aber einmal auch ganz nah, so dass man ihn schnauben hören konnte. Als Zugaben bekamen wir auf der Rückfahrt noch ein köstliches Delfin-Ballett zu sehen. Die Burschen sprangen zur Gänze aus dem Meer und tänzelten quasi auf dem Wasser weiter, um dann mit einem ordentlichen Klatscher wieder abzutauchen. Herzallerliebst anzuschauen, und weil inzwischen der Seegang merklich nachgelassen hat, schauten die Menschen wieder freundlich aus ihren Kapuzen und freuten sich. Auch die liebste Freundin von allen, die diesbezüglich sehr empfindsam ist.

Bevor wir am Abend Akureyri erreichten besuchten wir noch das Torfgehöft in Laufás, einen Museumshof, der leider schon geschlossen war. Immerhin ist der Zugang frei und wir konnten den liebevoll restaurierten Hof, der als exzellentes Beispiel für Islands traditionelle Bauweise steht, in gebotener Ruhe in Augenschein nehmen.


Montag, 17. Juli

Akureyri ist mit gut 18 000 Einwohnern nach dem Großraum Reykjavík die zweitgrößte Stadt Islands. Wir sind in einem Gästehaus, direkt im Zentrum, untergekommen. Nach einem spartanischen Frühstück brechen wir zum Stadtbummel auf. Die Eiskathedrale, der Botanische Garten, einige Galerien und der Hafen – zum Mittag war das absolviert.

Den Nachmittag nutzten wir für einen Abstecher in das von markanten Berghängen eingerahmte Tal der Eyjafjarðará. Der Hof Saurbær mit seiner kleinen Torfkirche von 1858, das Gehöft Hölar mit den verwilderten Giebelhäusern (von 1853) neben der Kirche sowie Möðruvellir, ebenfalls mit einer sehenswerten, kleinen Kirche (Altargemälde aus Alabaster) ausgestattet, waren unsere Ziele. Wissenswert: die kleinen Kirchen auf dem Lande sind fast immer verschlossen, die Schlüssel jedoch meist auf der nächstgelegenen Farm oder im Pfarrhaus erhältlich.

Wieder in Akureyri fand sich eine nette Einkehr – Fish & Chips (da komme ich nicht gegen an) – irgendwo in den Gassen.


Dienstag, 18. Juli

Wir sind wieder auf der Ringstraße, fahren weiter in den Nordwesten. Zwei der berühmten und wirklich auch herzallerliebst anzusehenden Torfkirchen gilt es anzuschauen. Die Víðimýrarkirkja liegt unweit der Ringstraße und ward schnell gefunden. Doch dann sind wir irritiert. Eintritt zahlen für eine Kirche? Zähneknirschend zahlten wir dem geschäftstüchtigen Kirchendiener die 1000 ISK und führen uns das Innere zu Gemüte.

Die Torfkirche Gröf (beide Fotos), unser zweites Ziel, liegt südlich von Hofsós und ein wenig abseits der Straße – was nicht heißt, dass dort weniger Besucher*innen auftauchten. Sie ist malerisch in den Wiesen gelegen und wurde postum zu unserer liebsten Kirche in Island erklärt. Das winzige Gotteshaus aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts diente nach 1756 beinahe 200 Jahre lang als schnöder Schuppen, bevor es 1953 restauriert und erneut geweiht wurde.

Im Anschluss fuhren wir dann doch noch nach Hofsós hinein – auf einen mit Liebe angerichteten und freundlichst servierten Kaffee im Veitingastofan Sólvík.

Die Landschaft ist schon seit Akureyri von vielen, verstreut liegenden Farmen geprägt. Einige wirken lange verlassen, die meisten werden jedoch emsig bewirtschaftet. Ab und an findet sich eine eigene, kleine Kirche auf dem Gehöft. Wir fuhren einen nur mäßig besuchten HotPot an, nahmen aber kein Bad. Das ständige An- und Ausgehose begann schon ein wenig zu nerven, zudem hat sich das Wetter arg verschlechtert. Kräftiger Regen und ein kalter Sturmwind trieben uns voran, so dass wir schon 16.00 Uhr an unserer nächsten Unterkunft waren (sonst immer erst um 19.00 Uhr herum). Wir ließen den lieben Gott einen guten Mann sein und entspannten im Hot Tube des Hotels bei angenehmen 39°C.


Mittwoch, 19. Juli

Es gilt den Westen der Insel zu erobern. Was jetzt aber nicht die Westfjorde meint – die blieben außen vor und sind somit ein späteres Ziel, irgendwann einmal. Zwei Nächte auf der Halbinsel Snaefellsnes sind angesagt. Im Vorbeifahren statten wir jedoch zuerst dem Hvítserkur, einem verhaltensauffälligen Basaltfelsen auf der Halbinsel Vatnsnes, unseren Besuch ab. Der 15 m hohe Solitär-Felsen, der an zwei Stellen ausgehöhlt ist, bietet diversen Seevögeln einen Nistplatz. Er ist eines der wenigen Naturwunder, an dem ich keine Busse habe vorfahren sehen (was wohl am Regen und der langen Anfahrt über Schotterpisten lag). Auch schön: Der isländischen Sage nach soll es sich bei dem Felsen um einen Troll handeln, der von der Sonne versteinert wurde, als er das Kloster Þingeyrar mit Steinen bewarf.

Coffee-Time gönnten wir uns unterwegs auf der Erpsstadir Rjomabuid dairy farm, einer Milchfarm, die ihre Pforten täglich und für alle offen hält. Man kann die Ställe, Melkanlagen und alle möglichen Tiere bestaunen und Bohnenkaffee trinken. Dazu wird Eis und Skyrkonfekt (Skyr mit edler weißer Schokolade ummantelt) aus Eigenproduktion serviert. Skyr ist ein traditionelles isländisches Milchprodukt, das inzwischen auch hierzulande Popularität genießt. Es ist in etwa mit Quark oder dickflüssigerem Joghurt zu vergleichen und reich an Proteinen. In Island es in allen Varianten zu haben und zählte zu unseren Grundnahrungsmitteln (mein Favorit: mit Lakritz).

Bevor wir am Abend unser Quartier erreichten galt es noch das Bjarnarhofn Shark Museum anzuschauen. Hildibrandur Bjarnason, der Besitzer des Hofes hat ein kleines Museum errichtet, welches sich dem Fang und der Verarbeitung des Grönlandhais widmet. Die Zubereitung des Grönlandhais wird anschaulich erklärt, dazu gibt es eine Verkostung. Wer es genau wissen will: Hinter dem Museum steht das Trocknungshaus – nichts für empfindliche Nasen.

Ein paar Kilometer vor Grundarfjörður (Kleinstadt) und direkt am Grundarfjörður (Fjord) liegt unsere Unterkunft. Ein junges Pärchen führt das nette, kleine Familienhotel, und versorgt uns freundlicherweise mit den Kulturtipps für die Region in den kommenden zwei Tagen.

PS: Der Fang und die Verarbeitung des Grönlandhais sind nicht unumstritten. Hildibrandur Bjarnason verwendet nach eigener Aussage nur Haie, die den großen Fangschiffen als Beifang ins Netz gehen. Er holt sie dann in Reykjavík ab und verarbeitet sie auf seinem Hof zu Hákarl. Ich bin diesbezüglich etwas hin- und hergerissen, akzeptiere das aber.


Donnerstag, 20. Juli

Wenn es mit den Westfjorden nicht klappt, ist die Halbinsel Snæfellsnes eine gute Alternative. Sie wird zu Recht das „Island in Miniatur“ genannt, weil sie auf kleinster Fläche alle Reize der großen Insel wiedergibt – wir können das so bestätigen.

Graue Wolken und Regen am Morgen. Was uns nicht vom Wandern abhält – Regenbekleidung ist auf Island ein Muss. In Arnarstapi stellen wir das Auto ab und bestaunen zunächst den kleinen, aber wildromantischen Hafen. Unser Weg, ein alter Pfad, der inzwischen teilweise ausgebaut ist, führt uns direkt an den Klippen entlang. Zahlreiche Vogelfelsen und pittoreske Felsentore- und Türme stehen am Ufer – ein märchenhafter Ausblick (im Bild oben der Steinbogen Gatklettur). Irgendwann wechselt der Weg in ein Lavafeld – jetzt bewährt sich einmal mehr die Mitnahme der schweren Bergschuhe. Die Turnschuhfraktion (kommt immer mit dem Bus) blickt irritiert und bleibt zurück, der Regen lässt nach und die Landschaft ist spektakulär – Herz, was willst du mehr?

Wir laufen bis Hellnar und kehren ein. Ein kleines und liebevoll restauriertes Café in schöner Lage, das Fjoruhusid – die frisch gebackenen Waffeln und der Kaffee waren ohne Fehl und Tadel. Es galt noch einige Felshöhlen am Ufer zu inspizieren, dann machen wir uns auf den Rückweg nach Arnarstapi.

Auf Snæfellsnes findet sich mit dem Ljósufjöll eines der längsten aktiven Vulkansysteme Islands. Die Landschaft ist von weiten Lavafeldern geprägt, die auch Höhlen jeglicher Art und Größe aufweisen. Wir schauen uns eine der großen Höhlen an, steigen 32 Meter in die Tiefe hinunter und staunen und zittern zugleich (vor Kälte, bei 2°C). Ohne Guide kommt ihr dort allerdings nicht hinein, man geht also in einer kleinen Gruppe. Und bitte Obacht geben, denn dort unten kommen regelmäßig die Trolle zusammen.

Zuletzt besuchen wir noch die Lóndrangar, zwei große Felsen am Meer. Die markanten und schön zu erlaufenden Vulkanschlote sind der Rest eines Vulkans, welcher der Brandung zum Opfer gefallen ist. Ein Ort voller Mythen – der Überlieferung zufolge kommen Elfen zu den Felsen und verwenden diese als Kirche.


Freitag, 21. Juli

Die Rundreise nähert sich ihrem Ende, wir verlassen Snæfellsnes und fahren wieder nach Reykjavík. Unterwegs stoppen wir am Grabrok Crater, die Hraunfossar Wasserfälle und die Deildartunguhver. Letztere sind eine Anzahl heißer Springquellen, die als solche die wasserreichsten heißen Quellen Islands sind. Wir sehen Pipelines, welche die Farmen und Ansiedlungen im Gebiet mit heißem Wasser versorgen, und vor Ort Gewächshäuser mit Tomatenpflanzungen. Die so in Island geernteten (schmackhaften!) Tomaten sind im ganzen Land zu haben und zählten zu unseren Grundnahrungsmitteln.

Vor unserer Ankunft in der Hauptstadt führt uns die Ringstraße in den Hvalfjarðargöng, einen 5770 m langen Straßentunnel. Der mautpflichtige Tunnel führt unter dem Hvalfjörður hindurch – in Teilen bis zu einer Tiefe bis zu 165 m unter dem Meeresspiegel.

Schnell sind wir wieder in Reykjavík und verbringen die letzte Nacht in einem Hotel der gehobenen Klasse. Am Abend noch ein Stadtspaziergang – wir kennen uns inzwischen ganz gut aus, zumindest im Zentrum der Stadt.


Sonnabend, 22. Juli

Nach einem reichhaltigen Frühstück fahren wir Richtung Westen, um die Halbinsel Reykjanes noch ein wenig zu erkunden. Am Stadtrand von Reykjavík fallen uns riesige Trockengestelle für Stockfisch auf. Das Wetter verschlechtert sich rapide und bei dichten Nebel kommen wir dann am Geothermalgebiet Krýsuvík an, schauen einmal mehr auf blubbernde Schlammtöpfe und heiße Quellen. Die spiegelglatten und türkis schimmernden Wasserflächen der Seen anbei sind schlicht faszinierend.

Das Hochtemperaturgebiet Gunnuhver stand als nächstes auf unserer Liste der zu besuchenden Naturwunder. Die Temperaturen unter den Quellen betragen zum Teil über 300 °C – die Energie des Systems wird in einem naheliegenden Geothermalkraftwerk, dem Suðurnes-Kraftwerk, genutzt. Die Quelle selbst ist immer wieder aktiv und unberechenbar, mehrfach kam es in der Vergangenheit zu kleineren Schlackenausbrüchen, bei denen heiße Lehmfetzen in die Luft geschleudert wurden. Also bitte Obacht geben.

Nach all dem Dampf und Schwefel glänzte das Gebiet um den Leuchtturm von Reykjanes mit seinem vergleichsweise ruhigen Charakter. Inzwischen lag ein starker Sturmwind an, die kleine Wanderung zu den Klippen und Vogelfelsen am Strand kann daher nur bedingt als entspannter Spaziergang gesehen werden. Doch immerhin: Im Vergleich war dies ein Ort von purer Einsamkeit.

Bis zur symbolischen Brücke zwischen den Kontinenten war es nun nicht mehr weit. Auf dieser kann man spielerisch von der amerikanischen auf die eurasische Kontinentalplatte wechseln. Wissenswert: Die Plattengrenzen verlaufen quer durch Island, was an vielen Stellen auch sichtbar ist (wir erinnern uns an die Silfra-Spalte). Die Platten driften pro Jahr etwa 2,5 cm auseinander.

Am Nachmittag fuhren wir noch nach Garður, gönnten uns einen Kaffee und besuchten die zwei Leuchttürme an der Nordspitze der Halbinsel. Zum Abend dann der Flughafen in Keflavík. An der Mietwagenstation gaben wir das Auto ab und verbrachten die restliche Wartezeit in der quirligen, ob der ungewohnt vielen Menschen mitunter irritierenden Atmosphäre des Flughafens.

Zehn Minuten nach Mitternacht, pünktlich auf die Minute, hob unser Flieger ab.


Resümee

Island mit seiner Landschaft und den Naturschauspielen ist immer eine Reise wert. Wir sind insgesamt 3121 Kilometer gefahren – mit den Abstechern von der Ringstraße. Und haben vieles gesehen, wenn auch beileibe nicht alles. Die Westfjorde, das Hochland, der Laugavegur – das alles bleibt für die nächsten Besuche. Mit dem Wetter hatten wir Glück, es war besser als sein Ruf. Wir hatten gar eine ungewöhnlich lange, wahrhaft sommerliche Periode. Die Isländer selbst wirken freundlich und zurückhaltend, sie scheinen sehr routiniert im Umgang mit den vielen Reisenden.

Letztlich habe ich mich hier auf die notwendigen Angaben beschränkt, und – mit Blick auf die Ladezeit – Zurückhaltung bei der Menge der integrierten Bilder geübt.

Wer Fragen hat darf diese gerne in den Kommentaren stellen.

9 Kommentare

  1. derbaum 28. Juli 2017 um 06:29

    ich hab erst ein drittel gelesen und jetzt so fernweh das ich erst mal aufhören muss…. (das flugzeugwrack kannte ich bisher nicht – und hätte es wohl übersehen…)

    Antworten
    1. Rappel 28. Juli 2017 um 09:28

      Frag mich mal: Ich könnte sofort wieder losfahren … Das Wrack ist übrigens auch in “Heima” zu sehen. Vielleicht um die 25. Minute herum? Als Zwischenspiel. So genau weiß ich das nicht mehr.

      Antworten
        1. derbaum 5. August 2017 um 07:07

          stimmt, da isses und da hab ichs auch gesehen ;) – nur verdrängt!

        2. Rappel 5. August 2017 um 10:38

          :)

  2. derbaum 5. August 2017 um 07:11

    und nun endlich fertig gelesen, gestaunt und immer noch fernweh. aber die gelegenheit die insel für mich zu entdecken ist wohl vorbei…

    Antworten
    1. Rappel 6. August 2017 um 10:12

      Theoretisch habt ihr doch die Möglichkeit, auch außerhalb der Hauptsaison die Insel zu besuchen. Zehn Tage im Oktober zu den Nordlichtern – das hätte was! Wir sind leider immer auf den Sommer festgenagelt …

      Antworten
      1. derbaum 6. August 2017 um 12:41

        theoretisch schon ;-) – wird wohl aber in den nächsten zwei jahren nix. und entweder ist der boom bis dahin abgeflaut – dann sehen wir mal – oder man kann auch im herbst nicht mehr treten da auf der insel – dann hat es sich geklärt ;-)
        aber danke fürs mut machen!

        Antworten
        1. Rappel 7. August 2017 um 16:42

          Ich verstehe.

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