Auf dem Schreibtisch zur Linken findet sich ein Fotoalbum. Bilder von dazumal – aus der längst vergangenen DDR, den kasernenartigen Kinderheimen und teils vom Autor selber – werden an die Wand projiziert. Der stete Regen, in Summe mit der live eingespielten Musik (Miles Perkin), verleiht dem Geschehen auf der Bühne eine wunderbare Melancholie.

Zwei Jahre alt ist der Ich-Erzähler, als sich seine Mutter in den 1950er Jahren in den „Westen“ absetzt und ihn in einer verwahrlosten Rostocker Wohnung zurücklässt. Nachbarn finden ihn und seine Schwester, von der er erst zwölf Jahre später erfahren wird, und liefern ihn in ein Heim ein. Der Junge ist zurückgeblieben, spricht nicht, bis sich nach Jahren die Sprache in „Mama“-Ausrufen Bahn brechen wird. Die Vögel im Hof stehen ihm näher als die Menschen im Heim, wo er sich von professionellen Blicken immerfort untersucht, taxiert und analysiert fühlt.

„Rabenliebe“ (Wikipedia) ist ein autobiografischer Roman von Peter Wawerzinek, der im August 2010 erschienen ist. Der Autor beschreibt in ihm seine Kindheit in verschiedenen Kinderheimen der DDR, die Adoption und die lange Suche nach der leiblichen Mutter. Er spürt die alte Frau tatsächlich irgendwann auf und steht ihr schließlich nach 48 Jahren gegenüber …

Die Idee für eine Bühnenadaption des Stoffes lieferte der Regisseur Armin Petras. Simon Stolberg (Regie) und Felicias Zürcher (Dramaturgie) haben eine eigene Fassung erarbeitet und im Kleinen Haus zu Dresden zur Uraufführung gebracht. Es spielen Christine Hoppe, Torsten Ranft, Nele Rosetz, Lea Ruckpaul und Sabine Waibel.

Fazit: “Rabenliebe” (Staatsschauspiel Dresden) ist eine in düsteren und ausdrucksstarken Bildern erzählte Geschichte vom Verlassensein und der Suche nach der eigenen Identität, die rundum gelungen ist. Ihr solltet diese Inszenierung gesehen haben – nächster Termin ist der 01.04.2016.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.