Irgendwo im gottverlassenen Wyoming, einige Jahre nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg: eine Postkutsche kämpft sich durch die Winterlandschaft. Neben dem Kopfgeldjäger John Ruth und seiner Gefangenen Daisy Domergue sitzen zwei weitere, auf dem Weg zugestiegene Passagiere in der Kutsche: der Ex-Soldat und ebenfalls als Kopfgeldjäger tätige Marquis Warren sowie Chris Manie – nach eigenen Angaben der neue Sheriff von Red Rock, dem eigentlichen Ziel der Ausfahrt. Mit Blick auf einen aufziehenden Schneesturm suchen die Reisenden alsbald Zuflucht in einer Herberge, die ihren Weg kreuzt. Dort werden sie bereits erwartet …

Acht Menschen auf engem Raum zusammen gepfercht – damit steht das Szenario und das Kammerspiel kann beginnen.

Du musst nur die gemeinen Bastarde hängen, aber die gemeinen Bastarde musst du hängen.

Regisseur und Darsteller haben die handelnden Figuren exzellent herausgearbeitet. Samuel L. Jackson ist hier vor allen anderen zu benennen und auch der gewitzte Tim Roth, der in “The Hateful Eight” den leider nicht verfügbaren Christoph Waltz ersetzt. Jennifer Jason Leigh hat unter dem üblichen blutig-brutalem Ende nachhaltig zu leiden und liefert meines Erachtens besonders schaurig-krasse und einprägsame Bilder. So weit, so gut.

Der Film ist – wie bei Tarantino üblich – in einzelne, nicht immer chronologische Kapitel aufgeteilt. Gedreht wurde auf den Spuren John Waynes – in den Schneelandschaften Colorados. Und zwar mit Kameraobjektiven, die seit 1966 nicht mehr zum Einsatz gekommen sind – um den Western im Ultra Panavision 70-Breitbildformat aufzunehmen. Für die musikalische Untermalung ist es Tarantino (der im englischen Original auch den Erzähler gibt) gelungen, Ennio Morricone zu gewinnen. Herausgekommen sind – neben dem perfekten Soundtrack – atmosphärisch schöne, bildgewaltige Szenen, welche, gepaart mit den immer wieder überraschenden und wortgewandten Wendungen im Geschehen, den Film zu einem besonderen Erlebnis werden lassen.

“The Hateful Eight” ist Quentin Tarantinos achter Film, und er ist ein wahrhaftiges Husarenstück – ein absolutes Muss für Cineasten und Freunde der gediegenen Unterhaltung.


Verweis: “The Hateful Eight” (offizielle Filmwebsite).

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Kaffee immer schwarz. Punkrock und Tattoos. Nichts mit Menschen, dafür die See und die Berge. Und der Wald. Wanderlust. Bei jedem Wetter und überall.

Es gibt 4 Kommentare

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        1. Ich bin ja froh, dass sich das Kino hier – bei ca. 40 0000 Einwohnern und der nahen Konkurrenz in Dresden – so wacker über die Jahre behaupten kann.

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