Am vergangenen Dienstag stimmten die Pirnaschen Stadträte mit knapper Mehrheit (14 Ja-, zwölf Nein-Stimmen und eine Enthaltung) für das von der Verwaltung favorisierte, künftige (und zu Recht umstrittene) Lichtkonzept am Schloss Sonnenstein.
Dieses sieht neben einem (für mich durchaus akzeptablen) warmen Weißton auch den Einsatz spezieller LED-Leuchten vor, die buntes Licht in vielerlei Farben erzeugen können. Mit diesen könne dann das neue Landratsamt – zu ausgesuchten Veranstaltungen – in besonderer Weise illuminiert werden.
Problematisch an dieser Entscheidung sind (nicht nur für mich) zum Einen die mit ihr verbundenen, deutlichen Mehrkosten für das Projekt. Die Anschaffungskosten werden mit 130 000 Euro beziffert, dazu kämen dann weitere 5 000 Euro für den jährlichen Unterhalt. Angesichts der dramatischen Haushaltslage der Stadt sollten solch krude Ideen eigentlich gar nicht zur Vorlage kommen – möchte man meinen. Aber nichts ist unmöglich – einmal mehr in Pirna. Auch wäre es schön zu wissen, wie sich denn das zukünftige und so ganz und gar überflüssige Spektakel mit der Selbstverpflichtung der Stadt, auf nachhaltige und umweltbewusste Energiekonzepte zu setzen (Presseinformation vom 14.06.2011), vereinbart.
Zudem: über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Was die Stadtverwaltung nebst den zustimmenden Ratsherren jedoch den Einwohnern dieser Stadt mit dieser, ihren Entscheidung zumuten, ist der Gipfel der Geschmacklosigkeit und ein blamables Eingeständnis vom nicht vorhandenen Sinn für eine ästhetische Gestaltung.
Die Sächsische Zeitung hat sich in ihrer heutigen Ausgabe der närrischen Entscheidung auf eine solch liebenswerte Weise angenommen, dass ich nicht umhin komme, diese hier zu zitieren.
Tanz, Behörde, tanz!
Was wir lange ahnten, ist nun gewiss: Das Schloss Sonnenstein in Pirna wird eine riesige Landratsamt-Discothek – mit Musik für jedermann und farbig illuminiert, damit es den auf Bescheide Wartenden nicht langweilig wird. Von außen, so hat es Pirna beschlossen, soll das historische Gemäuer sogar im Takt der Musik bunt angestrahlt werden – offenbar mittels einer Lichtorgel, die Hobbybastler wie früher aus Neonröhren-Startern und selbst gefärbten Glühlampen zusammenschraubten. Die Arbeitszeiten der Mitarbeiter verlegt die neue Tanz-Behörde auf die partyfreundliche Zeit von 22 bis 5 Uhr. Aus der Telefon-Warteschleife tönt künftig der Disco-Dauerhit „Nightfever“ der Bee Gees.
Weibliche Beschäftigte fungieren in den Wartebereichen abwechselnd als Gogo-Tänzerinnen, männliche Mitarbeiter als Türsteher. Im Bürgerbüro werden bunte Pillen mit lustigen Gesichtern verteilt, damit Antragsteller die Bearbeitungszeiten überstehen. Zu Ausschusssitzungen werden künftig bewusstseinserweiternde Mittel gereicht, Besprechungen mit dem Landrat finden ausschließlich im Glitzerschein einer spiegelnden Discokugel statt. Und bei der Engtanzrunde zu später Stunde im Kreistag zeigt sich dann, wer gern mit wem koaliert.
Wir empfehlen allerdings, bei der Außenbeleuchtung den Rot-Ton zurückzufahren. Triebgesteuerte könnten das Schloss sonst für ein anderes Eta-blissement halten.
Quelle: Sächsische Zeitung (Ausgabe Pirna) vom Freitag, dem 9. September 2011. Danke dafür!