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Schlepping durch die Alpen

Ich habe gelesen: “Schlepping durch die Alpen – Ein etwas anderes Reisebuch” von Sam Apple.

Worum geht es? Sam (der junge jüdische Journalist aus New York) lernt Hans (den letzten Wanderschäfer Österreichs) in New York kennen und beschliesst, diesen auf seinem Weg durch die österreichische Bergwelt zu begleiten. Das Besondere an Hans: er geht nicht nur mit seinen 625 Schafen auf Wanderschaft, sondern singt diesen auch oft und gerne jiddische Lieder vor …

Wer nun eine spektakuläre Alpendurchquerung erwartet liegt falsch, die Wanderung bildet lediglich den Einstieg in diese Geschichte. In der Hauptsache geht es dem Autoren darum, mehr über das Leben dieses ungewöhnlichen Mannes zu erfahren, die eigenen jüdischen Wurzeln zu überdenken und dem österreichischen Antisemitismus auf die Spur zu kommen.

Es geht also um “Schafe, Judentum, Haider und die FPÖ”, weniger um das Reisen oder die Alpen an sich.

Sam Apple gelingt die Abhandlung dieser Thematik in durchaus lobenswerter Weise, wir bekommen einen interessanten Einblick in die gegenwärtige, alpenländische Gesellschaftsstruktur und halten somit tatsächlich ein brisantes Werk in den Händen. Wenn er dabei noch auf die allzu häufige, ausführliche (und mich extrem nervende) Beschreibung seiner hypochondrischen Attacken verzichtet hätte könnte ich sein Buch hier uneingeschränkt empfehlen…

So bleibt aber diese Empfehlung auf ein tatsächlich “anderes Reisebuch” mit “zwei Punkten Abzug (von fünf)” versehen.

Noch einmal Tony Hawks

Ich habe gelesen: Tony Hawks – “Mit dem Piano in die Pyrenäen – Wie ich lernte, unter lauter Franzosen zu leben”.

thpDer Mann schreibt einfach wunderbar! Ich hatte ja kürzlich schon sein Erstlingswerk “Mit dem Kühlschrank durch Irland” erwähnt, dieses amüsante Irland-Reisebuch, und mir infolge dessen nun sein viertes Buch zukommen lassen. Und um es auf den Punkt zu bringen: meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Worum geht es?

Während eines Skiurlaubs entscheidet sich Tony spontan für den Kauf eines Hauses in den Pyrenäen. Getrieben von der Suche nach einem Ruhepunkt in seinem Leben ist er nur zu gerne bereit, die empfundene Enge und den hektischen Alltag der britischen Insel hinter sich zu lassen. Mit einem Piano im Gepäck zieht er um, lässt sich auf Land und Leute ein und lernt das Eine wie die Anderen schätzen und lieben. Was bleibt ist letztlich der Wunsch, dieses neue Glück zu teilen.

Ob und inwieweit dieser in Erfüllung geht wird hier nicht verraten – nachlesen müsst ihr schon selbst.

Tony Hawks schreibt locker von der Leber weg. Seine Geschichten sind ehrlich, charmant und mit einem ordentlichen Schuss trockenem Humor gewürzt – kurz: eine überaus unterhaltsame Lektüre.

PS: wer einen Blick auf das Haus in den Pyrenäen werfen möchte klickt bitte hier.

Eine skurrile Irland-Reise

Ich habe gelesen: Tony Hawks – Mit dem Kühlschrank durch Irland.

Es passiert wahrlich nicht oft, dass der mensch bei der Lektüre eines Buches in lautes Gelächter ausbricht … Tony Hawks hat dies jedoch mehrfach geschafft – von daher muss ich dieses Reisebuch einfach weiter empfehlen.

Worum geht es? Nach einer durchzechten Nacht erwacht der Autor mit schwerem Schädel und erinnert sich nur mit Mühe an die vergangenen Ereignisse. Mühevoll rekonstruiert er die letzten Stunden bis ihm schlagartig die Wette einfällt, deren Annahme ihn für die nächsten Wochen auf die grüne Insel bringen wird. Das Besondere daran: er hat sich verpflichtet, innerhalb von vier Wochen die Küste Irlands entlang zu trampen – in Begleitung eines Kühlschranks.

Tony stellt sich dem Ungemach und die absurde Reise beginnt – den Verlauf lest bitte selbst …

Fazit: jedem, der Irland und die schrulligen Engländer mag, jedem, der wieder einmal richtig lachen möchte und jedem, der für seine Lieben noch ein kleines und gutes Geschenk sucht (in 30 Tagen ist Heiligabend), sei dieses etwas andere Reisebuch hiermit ausdrücklich empfohlen.

Pfannkuchen in China

buch

Ich habe gelesen: Susan Jane Gilman – “Pfannkuchen in China”.

- Die verrückte Reise von zwei jungen Amerikanerinnen ins Reich der Mitte –

Wir schreiben das Jahr 1986. Susan und Claire – den Collegeabschluss eben in der Tasche – beschließen ein Jahr lang die Welt zu bereisen. Mit dem Rucksack natürlich, abseits der touristischen Pfade auf der Suche nach dem Unverfälschten und Authentischen. Das erste Ziel ist die Volksrepublik China – ein Land, welches sich eben erst ein wenig für Individualtouristen geöffnet hat. Ihre Reise, als ein abenteuerlicher Tripp voller Flirts und Spass mit anderen Rucksacktouristen gedacht, entwickelt sich zu einem Alptraum …

Susan Jane Gilman hat mit der Niederschrift dieser wahren Geschichte ein spannendes und unterhaltsames Reisebuch abgeliefert, welches ich hiermit gerne weiter empfehle … Einziges Manko: es gibt leider keine Fotos – die Kameras der Mädels haben bereits bei Reiseantritt ihren Dienst verweigert.

Die Welt ohne uns

Ich habe gelesen: Die Welt ohne uns: Reise über eine unbevölkerte Erde von Alan Weisman. (Amazon-Partnerlink)

Alan Weisman, seines Zeichens angesehener US-amerikanischer Autor und Journalist, behandelt in seinem Werk die Vision einer Erde ohne Menschen. Nehmen wir einmal an, die Gattung Mensch verschwindet von einem Tag auf den anderen – was bleibt von uns, welche Dinge würden die Jahrtausende überdauern und Zeugnis ablegen, vor allem: was würde geschehen mit den Meisterwerken der Architektur, den Mega-Industrielandschaften, den Metropolen oder auch den über den gesamten Globus verteilten Atomkraftwerken?

Weisman entwirft ein hoch interessantes (und natürlich spekulatives) Szenario, das den Bogen von zwei Tagen bis zu 6,5 Milliarden Jahren spannt. Dabei ist ihm mangelnde Vielfalt nicht nachzusagen, die Umweltsünden der voran gegangenen Generationen werden ebenso behandelt wie die detaillierte Beschreibung heute nahezu unberührter Zonen, wie etwa der Entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea, dem Bialowieza-Urwald in Weißrussland bzw. Polen oder der verlassenen Stadtlandschaft in der sogenannten “grünen Zone” Zyperns, dem Puffer zwischen dem Nord- und dem Südteil der Insel. Sprich solchen Gebieten, an deren Entwicklung wir heute sehen können, was geschieht, wenn der Homo Sapiens schlicht nicht vorhanden ist und die Natur sich das Terrain zurück erobert. Das macht zumindest ein klein wenig Hoffnung …

Vermutlich sind wir in den nächsten Jahren nicht vom Aussterben bedroht. Vermutlich wird es uns noch viel zu lange geben. Aber es gibt ja ein Mittel, zumindest zu verhindern, dass wir der Umwelt zu sehr schaden. Wenn wir beispielsweise alle Die Welt ohne uns lesen würden, dann könnten wir zumindest für die Dauer der Lektüre keine Dummheiten machen. Die Welt ohne uns jedenfalls hätte es verdient. So lange es solche Bücher gibt, ist ja ohnehin noch nicht alles verloren. (Thomas Köster)

Ein hoch interessantes Gedankenexperiment, ergänzt mit zahlreichen Fakten und somit meine ausdrückliche Leseempfehlung …

Das Haus am Fjord

Ich habe gelesen: Wolfgang F. Fischer: Das Haus am Fjord (Amazon-Partnerlink).

Wolfgang F. Fischer verwirklicht den Traum vom Ausstieg und zieht auf seine “eigene” Insel. Wie der Titel des Buches schon besagt, ist diese weder in der Karibik, noch irgendwo anders in der südlichen Hemisphäre gelegen, sondern nur einen “Katzensprung” weit entfernt: an der schwedischen Westküste. Der Autor – seines Zeichens Meeresbiologe und Greenpeace-Mitbegründer – schildert sein neues Leben auf eine sachliche und keinesfalls glorifizierende Weise. Alltägliche Probleme um “Haus und Hof” kommen ebenso zur Sprache wie der nicht gar so leichte Umgang mit den neuen Nachbarn, sprich den – wenn man denn so will – “Nachfahren der Wikinger”.

Insofern gebührt ihm Lob und Dank – vertreibt der gute Mann mit seiner Schilderung der Dinge doch so manche romantischen Flausen, die der eine und der andere Mensch zum Thema pflegt und hegt. Eine lebendige, amüsante Nordland-Erzählung von einem, der es wissen muss …

Der Archipel GULAG

Alexander Solchenizyns “Der Archipel GULAG” stand schon lange auf meiner Liste der noch ausstehenden Lektüre. Mit Recht darf es als das wohl wichtigste Werk zur Geschichte der Sowjetunion bezeichnet werden (allein die Aufnahme als Pflichtlektüre in den Lehrplan der höheren Klassen scheint mir dringend angebracht, trägt es doch wie kein anderes zum besten Verständnis der russischen Geschichte bei).

„Hier ein Schnappschuss aus jener Zeit… Eine Bezirksparteikonferenz… Am Ende wird ein Schreiben an Stalin angenommen, Treuebekenntnis und so. Im kleinen Saal braust stürmischer in Ovationen übergehender Applaus. Drei Minuten, vier Minuten, fünf Minuten … noch immer ist es stürmisch und geht noch immer in Ovationen über, doch die Hände schmerzen bereits. Die Älteren schnappen nach Luft. Aber wer wagt es als erster (aufzuhören)? Im kleinen, unbedeutenden Saale wird geklatscht … und Väterchen kann es gar nicht hören. Und so setzt der Direktor in der elften Minute eine geschäftige Mine auf und lässt sich in den Sessel fallen…. In selbiger Nacht wird der Direktor verhaftet.” Die Mahnung des Untersuchungsrichters lautet: „Und hören sie in Zukunft nie als erster mit dem Klatschen auf.”

Solchenizyn schreibt über das Geschehen in den Straflagern der ehemaligen Sowjetunion, über Menschenrechtsverletzungen und maßlose Willkür in einem Land, dessen Rechtssprechung einzigartig pervertiert ist. Dabei schreibt der Autor aus eigener Erfahrung, saß selbst von 1945 bis 1953 im Lager und wurde nach der Veröffentlichung dieses Buches 1974 aus der Sowjetunion ausgewiesen.

Verweis: Alexander Solchenizyn – Der Archipel GULAG: Vom Verfasser autorisierte überarbeitete und gekürzte Ausgabe in einem Band (amazon-Partnerlink)

4300 Tage unterwegs auf fünf Kontinenten

Neu im Regal: Weltreise. 4300 Tage unterwegs auf 5 Kontinenten
von Dieter Kreutzkamp. (amazon-Partnerlink)

Der Mann weiß, wovon er spricht, hat er doch quasi schon vor Jahrzehnten seinen Traum verwirklicht und ist einer dieser (beneidenswerten) professionellen Globetrotter geworden. Zwei Weltreisen mit seiner Frau (die zweite dann mit Kind) und etliche bemerkenswerte Einzel-Unternehmungen sprechen für sich. Wenn der Mann einmal nicht unterwegs ist schreibt er Reise-Bücher oder veranstaltet Diashows zum Zwecke des Broterwerbs.

Der vorliegende Band schildert die – wenn man so will – ersten beiden Teile seiner Weltreise.

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Der Turm – Geschichte aus einem versunkenen Land

Ich gebe zu: es ist ein ordentlicher Brocken, den uns Uwe Tellkamp da serviert, und er liegt zum Teil schwer im Magen. Der Roman ist ja schon vielmals erwähnt, besprochen und gelobt worden – und um es gleich zu sagen: ja, ich schließe mich dem Lobe an. Ein großes Epos ist es geworden, eine lesenswerte Geschichte – jedoch mit Haken und Ösen, die ursächlich in der komplizierten Schreibweise des Autors begründet liegen. Diese erfordert ein hohes Maß an Geduld und Zeit, wer dies nicht investieren mag lasse die Finger vom Werk. Die ausgeprägte Liebe zum Detail und wohlfeile, perfekt ausformulierte Text-Passagen erfordern die volle Aufmerksamkeit des Lesers (ich möchte gerne einmal erfahren, wie lange Herr Tellkamp an seinem “Turm” schrieb). Leider gerät dies nicht immer zum Vorteil, diverse “Textblöcke” treiben die Handlung nicht wirklich voran und bergen somit die Gefahr des Überlesens, der aufkommenden Langeweile. Beinahe peinlich wirkt es dazu immer dann, wenn er die vergangenen Klischees bemüht – dies ist schlicht unnötig und hat bei mir oftmals zu Kopfschütteln und Ablehnung geführt. Mag sein, daß der mensch in diesem Punkt vielleicht empfindlicher reagiert als der unvoreingenommene, neugierige Leser von “draußen” …

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Uwe Tellkamps "Der Turm" wird verfilmt

Lese eben, daß Uwe Tellkamps “Der Turm” auf die Kinoleinwand kommt.

Eigentlich nicht weiter verwunderlich, bietet die Story um die Familie Hoffmann und ihr Leben in den letzten sieben Jahren der DDR (Dresden, der Weisse Hirsch – Sie wissen schon ….) doch tatsächlich eine wundervolle Vorlage für eine Verfilmung. Die Besetzung der Rollen ist allerdings noch vollkommen offen, die Gespräche befinden sich bis dato in einem sehr frühen Stadium. Aber neugierig bin ich allemal …

Was ich eigentlich damit sagen will: mensch sollte sich beeilen mit der Lektüre (ich dümpele derzeit um die Seite 250 herum), sonst werde ich das Grande Finale im Kino erleben …

Verweis: Uwe Tellkamps “Der Turm” soll verfilmt werden.

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