Schlagwort: Lesen

Peter Richter: 89/90

Ich habe gelesen: 89/90 von Peter Richter.

Peter Richters autobiografischer Roman „89/90“ ist ein klassischer Wenderoman.

Frühsommer 1989 in Dresden. Der beinahe 16jährige Erzähler schildert seinen Alltag in Dresden anno 1989/90. Die Schule, das Freibad und später dann das Wehrlager. Alles bekannt, und alles selbst so – ein paar Jahre zuvor – ähnlich erlebt. Dann kommen die hereinbrechenden politischen Veränderungen. Die Randale am Hauptbahnhof, die Erstürmung der Stasi-Zentrale, später die Runden Tische und letztlich die Wiedervereinigung. Der namenlose Ich-Erzähler liebt den Punk-Rock und ist bei vielen Ereignissen hautnah dabei.

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Warum liest du?

Ein Bücherfragebogen. 29 Fragen mit 29 kurzen, knackigen Antworten.

Drüben bei Christian bin ich auf diesen gefälligen Bücherfragen gestoßen und dachte mir, ich mach das hier auch (der ursprüngliche Beitrag findet sich hier). Natürlich mit dem Fokus auf ein kurzweiliges Lesevergnügen, sprich kurze, knackige Antworten ohne jedwedes Pathos. Vielleicht habt ihr ja auch Lust darauf – wäre ja schön, auf diese Art einmal etwas mehr über manch Blogautor_innen und Leser_innen zu erfahren. Und schon geht es los …

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Die Kunst, Elch-Urin frisch zu halten

Ich habe gelesen: „Die Kunst, Elch-Urin frisch zu halten“ von Rochus Hahn.

Tim und sein ehemaliger Klassenkamerad Bullwinkel teilen gemeinsam ein trauriges Schicksal – sie haben kein Glück bei den Frauen und sie hatten noch niemals Sex. Auf einer Party begegnen sie zwei Stewardessen, die Interesse an exotischen Drogen bekunden. Und an eben jenen Männern, die diesen Stoff anbieten. Tim und Bullwinkel wittern ihre Chance – der lang ersehnte, erste Sexualkontakt scheint zum Greifen nahe. Sie recherchieren und finden heraus, dass die beste Droge der Welt der Urin von einem Elch ist, der psychogene Pilze gefressen hat. Voller Hoffnung machen sie sich auf den Weg nach Finnland, um an den Zaubersaft zu kommen …

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Bernhard Aichner: Interview mit einem Mörder

Ich habe gelesen: „Interview mit einem Mörder“ von Bernhard Aichner.

Die Handlung des Romans spielt in unseren Tagen, irgendwo in der österreichischen Provinz. Max Broll ist der Totengräber im Dorf. Ein sympathischer Kauz, der seine Journalistenkarriere zugunsten des Gräberschaufelns aufgegeben hat. Er liebt das Dorfleben, die Kochkünste von Stiefmutter Tilda und seine Sauna, die er sich am Friedhof gebaut hat. Dazu ein gepflegtes Bier und der eine oder andere Schnaps mit Ex-Fußballstar Johann Baroni, dem besten Freund, und die Welt ist in Ordnung.

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Andrew Stevenson: Mittsommer

Ich habe gelesen: „Mittsommer: Auf Trekkingtour in Norwegen“ von Andrew Stevenson.

Andrew Stevenson ist ein Weltenbummler im klassischen Sinne. Der Autor wurde in Kanada geboren und ist dann im fernen Osten, Indien, Kenia und Schottland aufgewachsen. Er hat auf fast allen Erdteilen in den verschiedensten Berufen gearbeitet: organisierte Safaris, war Banker, Entwicklungshelfer und Inhaber einer norwegischen Agentur, die Abenteuertouren organisierte. Wenn er derzeit nicht mit einem Projekt irgendwo in der weiten Welt unterwegs ist, lebt und schreibt er als Autor und Journalist auf den Bermudas.

Das Reisebuch „Mittsommer: Auf Trekkingtour in Norwegen“ ist der Bericht einer Wanderung von Oslo nach Bergen. Es ist als solches bereits anno 2006 erscheinen – mir liegt es in der 4. überarbeiteten Auflage von 2011 vor.

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Josef Formánek: „Die Wahrheit sagen“

Ich habe gelesen: „Die Wahrheit sagen“ von Josef Formánek.

Schon die Umstände seiner Geburt sind schwierig: Bernhard Mares erblickt in einer Straßenbahn das Licht der Welt und wird – als ungeliebtes Ergebnis einer flüchtigen Begegnung einer Silvesternacht – danach vor einer Kirche abgelegt. Der Pfarrer übergibt ihn kurzer Hand einer das Kind liebenden Pflegemutter, die es nach wenigen Jahren jedoch wieder hergeben muss – der Junge kommt ins Waisenhaus. Mit 16 Jahren verlässt er dieses, beginnt eine Bäckerlehre, findet dann jedoch keine Arbeit. Schließlich landet er – allein gelassen, naiv und mit nichts anderem als dem Abenteuer und der großen weiten Welt im Kopf – bei der SS.

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Jaroslav Rudiš: Nationalstraße

Eine Spelunke in einer Plattenbausiedlung, irgendwo in der betonierten Peripherie der Großstadt. Am Tisch einer dieser Kneipentypen, die immer dort sitzen, jeden Tag zum Feierabend. Der (durchaus belesene) Stammtischphilosoph (und Raufbold!) in seinem Element. Er weiß, wie das Leben läuft. Ungefragte Ratschläge, Flüche auf Gott und die ganze Welt neben den immer gleichen Floskeln. Die deprimierenden Details einer kaputten Biographie gibt es gratis dazu.

Man nennt mich Vandam. Ich wohne in der Betonburg hier. All das Drumherum gab es früher nicht. Nur Wald und Sumpf und Wölfe und Sumpf und Wald. Daher die Mücken. In letzter Zeit werden sie immer mehr. Das ist kein Witz. Manchmal spüre ich, wie der Wald und der Sumpf sich alles zurückholen.

Daraus kann man eine Geschichte machen, vielleicht auch einen Roman – Jaroslav Rudiš ist dieses im Fazit gelungen. Das Geschehen in „Nationalstraße“ beruht auf der tatsächlichen Begegnung des Autors mit einer realen Person. In der Prager Nordstadt haben sie sich getroffen und miteinander getrunken. Die Figur mit ihren Parolen und Phrasen hat dann Eingang gefunden in diesen Roman, der sich mit Bravour der „tschechischen Seele“ widmet und von absurder Einsamkeit, Wut und Angst neben einem unbändigen Hass auf alles erzählt.

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