Schlagwort: Konzert

Im Konzert: Feine Sahne Fischfilet

Die „Nie daran geglaubt“ Tour 2016 machte Station in Dresden.

Gestern, im Alten Schlachthof in Dresden. Ein unvergesslicher Abend. Feine Sahne Fischfilet. Der neue Stern am deutschen Punkrock-Himmel. Von der Ostseeküste, der alten Heimat sozusagen. Das Konzert schon vor Wochen ausverkauft. Ich habe am letzten Tag noch zwei Karten ordern können.

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Wasserspritzpistolenfolk

Zwei Gitarren, ein Kontrabass, dazu diverse Schlag- und Effektinstrumente. Darunter auch ein Quijada – was den Unterkiefer eines Esels meint, dessen lose Zähne ganz vortrefflich klappern. Ein faszinierendes Instrument.

Drei freundliche junge Männer, die das Instrumentarium hingebungsvoll bedienen. „Die Athleten“ kommen aus Leipzig. Im Repertoire haben sie traditionelle Volksmusik aus Deutschland, Skandinavien und vom Balkan. Lieder und Tänze, alle neu interpretiert, ungewohnt und überraschend anders. Kurzweilig, anspruchsvoll und großartig im Ganzen.

Natürlich spielen wir die nicht sauber – was soll der Sinn davon auch sein? – sondern machen daraus eine raue und höchst einzigartige Nummer daraus. Wir versuchen, diesen ausgelassenen Klängen neues Leben einzuhauchen und sie von ihrer allzu verstaubten Konformität zu befreien.

Wasserspritzpistolenfolk – so sagen sie selbst.

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Weihnachten im Sitzen

„Weihnachten im Sitzen“ meint hier explizit das Program, mit dem die TOP DOG BRASS BAND (TDBB) in der Adventszeit auf Tour ist. Ich hatte unlängst das ausgesprochene Vergnügen, dieses vor Ort erleben zu können, und möchte hiermit öffentlich loben und applaudieren.

Die TDBB wurde anno 2001 vom Trommler Matthias Peuker gegründet. Mit ihm musizieren – in wechselnder Besetzung – bis zu neun weitere, bekannte und beliebte Blasmusiker. Über die Jahre hat die Dresdner Band ihren ganz eigenen, unverkennbaren Stil entwickelt, den man – inspiriert von jeglicher Art von Brass Music (preußisch, amerikanisch oder vom Balkan) – als eine gelungene Mischung aus traditionellem New-Orleans-Jazz und groovigem Funky-Beat bezeichnen kann. Gepaart mit einer gesunden Prise Humor werden insbesondere die Live-Auftritte zu einem unvergessenen Erlebnis. Im aktuellen Adventsprogramm interpretiert die als Fünf-Herren-Ensemble auftretende TDBB ihre liebsten Weihnachtslieder auf eine charmante und witzige, durch eine sonderbare musikalische Virtuosität geprägte Weise, die sich nachhaltig in den Gehörgängen festsetzt.

Bis dato habe ich die TOP DOG BRASS BAND lediglich – und zu den verschiedensten Gelegenheiten – als großartige „Marschierband“ erlebt. Dieses erste, nach gut zwei Stunden mit nicht enden wollendem Applaus bedachte Konzert im kleinen Club (im Q24 in Pirna) war für mich jedoch ebenso überzeugend und kongenial wie die bekannten Freiluft-Auftritte. Ihr solltet die Gelegenheit also nutzen – so ihr sie denn haben solltet. Die nächsten Auftritte finden sich hier.

Verweis: TOP DOG BRASS BAND.

Die Gruppe Tocotronic im Konzert

Die Gruppe Tocotronic spielte gestern Abend im Alten Schlachthof zu Dresden. Der mensch hat die benötigten Karten schon vor beinahe einem Jahr geordert – die Vorfreude auf diesen Event (ich habe die Kapelle bis gestern noch nicht live erleben können) währte also bereits ein geraumes Weilchen. Und um es gleich zu sagen: es war ein großartiges Konzert, die Erwartungen wurden allesamt erfüllt.

Den Support bestritten Sarah and Julian (Indie/Country/Folk aus Aschaffenburg), deren durchaus nette Songs mir gestern dann doch ein wenig zu ruhig waren. Nach einer gefühlt endlos langen Umbauphase betraten dann um Punkt 21.00 Uhr die Tocos die Bühne – endlich. Der Saal war inzwischen rappelvoll, es wurde deutlich wärmer und schwieriger, Distanz zu wahren. Was unangenehm für mich ist, denn Menschenmengen gehen zumeist gar nicht. Aber gut … Neben diversen Songs vom aktuellen „Roten Album“ (alle stets im strahlend roten Licht gespielt) präsentierten die Herren um Frontmann Dirk von Lowtzow dann auch viele Stücke der Vorgängeralben – inklusive diverser Klassiker aus den ganz frühen Jahren, um letztlich nach einer längeren und einer dann auf einen letzten Song beschränkten zweiten Zugabe endgültig aus dem Rampenlicht zu treten. Ziemlich knülle, wie es schien, aber doch zufrieden, und nach langem, wohlverdienten Applaus.

Zufrieden waren dann auch (neben all den Anderen) der mensch und die liebste Freundin von allen – denn dieses war ein sehr gutes Konzert im Ganzen. Sound und Licht, die Präsentation der Band und die Atmosphäre vor Ort – gestern passte das alles.


Image: © Alice Wiegand via Wikimedia Commons.

Zwischen Liebe und Zorn

Ketten werden knapper, Gelbe Straßenbahnballade oder das Lied vom Gänselieschen. Mit ihren Liedern ist der mensch groß geworden – an jedem Lagerfeuer wurde dazumal der Apfeltraum gespielt. Nur live gesehen habe ich die KLAUS RENFT COMBO nie, damals sowieso nicht (weil zu jung und dann das Auftrittsverbot), und nach 1990 ergab sich die Gelegenheit einfach nicht. Von daher war der vergangene Donnerstag quasi ein Pflichttermin, RENFT in Pirna, ich weiß gar nicht, ob sie überhaupt schon einmal hier waren … Ich denke nicht.

Und so fügte sich alles: die Songs von vor über 40 Jahren klangen kraftvoll wie eh und je, Gänsehaut stellte sich bereits bei den ersten Takten ein und natürlich wurden auch all die Klassiker gespielt, die das Publikum (mich eingeschlossen) erwartet hatte. Die Band fühlt sich zur Gänze dem Erbe verpflichtet – es wird mit Liebe gehegt und gepflegt von vier exzellenten Musikern, die jeder für sich auf eine bewegte Geschichte zurückblicken können (und allesamt keine Unbekannten sind). Ein Minuspunkt: der Gesang war nur schlecht zu verstehen, textunsichere Mitmenschen jüngerer Generationen hatten somit das Nachsehen.

Im Fazit jedoch ein wunderbarer Abend, der Saal war ausverkauft bis auf den letzten Platz und Monster versprach, wiederzukommen – in einer nicht allzu fernen Zeit. Ich hoffe darauf, denn – bei Lichte besehen – so viel Zeit bleibt uns allen ja nun auch nicht mehr …