Tag Archives: Kino
Contagion

Contagion

“Contagion” (Filmwebsite) ist ein “Seuchenfilm”, der exakt dem Klischee entspricht.

Ein unbekannter Virus, der sich extrem schnell ausbreitet, und dazu die Virologen, die mit Hochdruck an einem Impfstoff arbeiten. Panik in der Bevölkerung, die Nationalgarde riegelt die betroffen Städte ab, nach Wochen dann endlich das Serum (im Selbstversuch getestet). Dazu eine Entführung, ein geldgieriger Blogger und eine klitzekleine Love-Story. Nun ja …

Eigentlich wollte ich ja ins Kinderkino, “Wickie” oder “Prinzessin Lillifee” anschauen. Mein Kind ist allerdings kein Kind mehr und will nicht mehr ins Kinderkino. Ich hätte gerne beides: dass das Kind ein Kind bleibt und es weiterhin die lustigen Kinderkinotage gibt.

Merke: solche Kinobesuche müssen zukünftig besser geplant werden.

melancholia

Melancholia

“Melancholia” von Lars von Trier ist eine wunderschöne, kunstvoll inszenierte Geschichte vom Ende der Welt.

Die Hauptrollen sind mit Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg, Kiefer Sutherland und Alexander Skarsgård besetzt. Kirsten Dunst – als Erstgenannte – spielt dabei die Rolle ihres Lebens – sie ist schlicht gesagt: bezaubernd und abgrundtief schön zugleich.

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Aki Kaurismäki: Le Havre

“Le Havre” ist der neue Film von Aki Kaurismäki (“Das Leben der Bohème”, “Der Mann ohne Vergangenheit”). Erzählt wird die Geschichte eines gescheiterten Literaten und Schuhputzers (dargestellt von André Wilma), der sich eines Flüchtlingskindes aus Afrika annimmt.

Marcel Marx (André Wilms), früher Autor und wohlbekannter Bohemian, hat sich vor längerer Zeit in sein frei gewähltes Exil, die Hafenstadt Le Havre, zurückgezogen. Hier geht er inzwischen der ehrenwerten, aber nicht sonderlich einträglichen Tätigkeit eines Schuhputzers nach. Der Traum vom literarischen Durchbruch ist längst begraben und trotzdem führt er ein zufriedenes Leben mit seiner Frau Arletty (Kati Outinen). Doch plötzlich erkrankt Arletty schwer, gleichzeitig kreuzt das Schicksal seinen Weg in Gestalt des minderjährigen Flüchtlings Idrissa (Blondin Miguel) aus Afrika.

Und so ist Marcel gezwungen sich erneut gegen die menschliche Gleichgültigkeit zu erheben. Seine einzigen Waffen sind sein unerschütterlicher Optimismus und die ungebrochene Solidarität der Mitbewohner seines Quartiers. Mit ihrer Hilfe tritt er gegen den blindwütigen Machtapparat des Staates an, der die Schlinge um den Flüchtlingsjungen immer enger zieht. Es wird Zeit für Marcel, seine Schuhe zu polieren und die Zähne zu zeigen…

“Le Havre” ist ein bemerkenswerter und wunderschöner Film, den man getrost auch als ein modernes Retro-Märchen einstufen kann. Kaurismäki gebührt Applaus, hat er mit diesem Film doch einmal mehr lobenswerte Filmgeschichte geschaffen. Komödie und Tragik derart miteinander zu verbinden, ohne ins Melodramatische abzugleiten – das will erst einmal gelingen und spricht für die Handwerkskunst des Meisters – Hut ab.

Der Streifen ist ein absoluter Hochgenuss in Bild und Ton – also unbedingt anschauen!

Verweis: “Le Havre” (offizielle Webseite).

pda

Planet der Affen: Prevolution

Habe ich hier eigentlich schon einmal erwähnt, dass der mensch ein Freund dieser faszinierenden “Planet of the Apes” – Saga ist, und irgendwann in den späten 70ern – voller Staunen und Ehrfurcht und spätabends auch – vor dem Schwarz-Weiß-Gerät saß und die von Pierre Boulle so brilliant geschaffene Science-Fiction-Welt konsumierte? Wenn nicht, so sei dies hiermit kundgetan – und somit wird wohl verständlich, weshalb der gestrige Kinobesuch ein Pflichttermin war …

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nzvz

Nichts zu verzollen

“Nichts zu verzollen” ist der neue Film des französischen Regisseurs Dany Boon (“Willkommen bei den Sch’tis”). Wir haben ihn uns gestern angesehen und können den Besuch durchaus empfehlen.

Ganz kurz zum Inhalt: die Story spielt in dem kleinen belgisch-französischen Grenzort Courquain kurz vor der Umsetzung des Schengener Abkommens – anno 1993. Die Zöllner auf beiden Seiten der Schranke liefern sich einen Kleinkrieg. Treibender Keil ist vor allen anderen Ruben Vandevoorde (Benoît Poelvoorde) – ein wahrer Franzosenhasser, den die Idee eines geeinten Europas zur Raserei treibt. Sein Gegenspieler ist Mathias Ducatel, ein französischer Zollbeamter, der sich heimlich mit Ruben’s Schwester trifft und sie zu heiraten gedenkt.

Beide treffen beim neuen, gemeinsamen Patrouillendienst zusammen und lernen sich – entgegen aller Erwartung – schätzen. Die taufrische Freundschaft gerät jedoch in die Brüche, als Ruben von der Liebesbeziehung erfährt …

Fazit: mit wohlgesetztem Slapstick, derbem Humor, Wortwitz und Tempo ist es Dany Boon erneut gelungen, eine durchaus erfrischende Komödie zu schaffen. Schade nur, dass manche Szenen – etwa die R4-Geschichte – für meinen Geschmack zu platt daherkamen und der verbissene Ruben übertrieben oft und aggressiv von seiner Waffe Gebrauch machte.

Verweis: “Nichts zu verzollen” (offizielle Filmwebseite)

Arschkalt

“Arschkalt” ist eigentlich der richtige Film für einen heißen Sommertag … Der Besuch lohnt aber auch dieser Tage, im nassen Immergrau des Sommers 2011.

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Nader und Simin

“Nadir und Simin” ist die Geschichte einer Trennung auf iranisch. Der Film bietet nicht nur ein realistisches Abbild des gesellschaftlichen Miteinanders im modernen Iran – es geht vor allem auch um Werte wie Gewissen, Wahrheit und Lüge, Schicksal und Schuld. Einerseits erhaschen wir einen Blick auf den modernen, liberal praktizierten Islam, und andererseits eine öffentlich gelebte, tief verwurzelte Religiosität. Continue reading »

Schnupfen im Kopf

Schnupfen im Kopf ist ein Film von Gamma Bak aus dem Jahr 2010.

Die Berliner Filmemacherin erzählt uns in diesem autobiografischen Film ihre eigene Geschichte, die Geschichte einer schweren psychischen Krankheit – der Psychose. Wir sehen eine Dokumentation, zusammengesetzt aus Interviews und Schnipseln aus Videotagebüchern.

Was ist passiert?

Mit 18 ging ich auf die Filmhochschule und wurde Filmemacherin.
Mit 30 hatte ich einen Nervenzusammenbruch, eine Psychose. Und dann wieder und wieder. Ich wurde chronisch krank.

Nach 7 Jahren mit der Krankheit begann ich mich zu filmen und Familie und Freunde um Videobriefe zu bitten. 8 Jahre später ist der Film fertig geworden, die Langzeitbeobachtung begleitet meinen Weg zurück zum „normalen“ Leben.

Indem ich mich dem Film als Prozess aussetze, erlaube ich einen direkten Einblick in das Ringen mit der Diagnose „Psychose“ und der Stigmatisierung, die ich erfahren habe. Der subjektive Zugang zum Thema erscheint mir notwendig, auch wenn es mir anfänglich sehr schwer gefallen ist, mich zu „outen“. Ich beziehe Position, wie ich mit der Krankheit lebe und mich arrangiert habe.

Menschen mit meiner Erkrankung sind gezeichnet und gebeutelt. Sie leben zumeist recht ausgegrenzt auf Frührente oder von Hartz 4, können in den seltensten Fällen normal arbeiten, geschweige denn Filme über ihr Schicksal machen. Das Leben ist zerrissen von Krankenhausaufenthalten und langen Phasen der Rekonvaleszenz. Das Selbstbewusstsein ist angegriffen und der ewige Kampf mit den notwendigen Medikamenten und gegen die Nebenwirkungen, die die Lebensqualität beeinträchtigen ist zermürbend.

Wenn ich meine Interviews betrachte, sehe ich etwas Verblüffendes. Den geduldigen Versuch über Jahre hin tatsächlich zu berichten, was es heißt diese schwere Krankheit zu ertragen und zu leben. Was ich mir abverlangt habe, hat sich gelohnt. Es ist ein schonungsloser Blick ohne Voyeurismus. Ein einzigartiges Zeugnis aus dem Inneren dieser tabuisierten psychischen Erkrankung.

Die Krankheit wird aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, von Menschen, die Gamma Bak nahestehen. Dazu immer wieder Rückblicke und der Versuch, die Ursachen zu benennen.

Herausgekommen ist letztendlich ein außergewöhnlicher, sehr persönlicher und intimer Film, der Respekt abverlangt. Respekt vor all der schonungslosen Offenheit im Umgang mit einer in dieser Gesellschaft weitgehend tabuisierten Krankheit.

Verweis: Schnupfen im Kopf – ein Film von Gamma Bak.

Der Dieb des Lichts

Der Elektriker Svet-Ake lebt in einem Dorf inmitten der Weiten Kirgisistans.

Er ist beliebt bei den Menschen, hat er doch ein gutes Herz und ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Nöte. Und so läßt er schon mal die Stromzähler rückwärts laufen – bei denen, welche die hohen Energiekosten kaum zahlen können – und das sind fast alle im Dorf.

Die Behörde wird misstrauisch, der Trick fliegt auf – Svet-Ake gerät mit dem Gesetz in Konflikt und verliert seinen Elektriker-Posten.

Trotzdem lässt er nicht ab von seiner kühnen Vision: einen Windpark zu bauen, welcher die Dorfgemeinschaft ein für allemal aus der Misere um die steigenden Kosten führt. Um diesen Traum zu verwirklichen, muss er sich allerdings mit dem korrupten Bürgermeister und dubiosen Geschäftsleuten arrangieren …

“Der Dieb des Lichts” ist eine Tragikkomödie und sensible Milieustudie zugleich. Aktan Abdykalykow – seines Zeichens Regisseur und Hauptdarsteller in einer Person – erzählt locker-lakonisch vom bedauernswerten Zustand seiner Heimat, von schwindender Moral, den verarmten Dorfbewohnern zum Einen und skrupellosen Geschäftemachern zum Anderen. Dabei verzichtet er weitestgehend auf dramatische Töne – statt dessen liegt über der Geschichte ein verschmitztes Lächeln, voller Sympathie für die viel zu oft so leichtgläubigen Menschen seiner Heimat.

Ein besonderer Film, weit weg von den üblichen Sehgewohnheiten.

Verweis: Der Dieb des Lichts (offizielle Website).

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Rango

Ein Chamäleon wird bei einem Beinahe-Unfall mitsamt Terrarium aus dem Auto geschleudert und findet sich mitten in der Wüste wieder. Auf der Suche nach Wasser gelangt es in eine heruntergekommene Westernstadt, deren Bewohner ihn fälschlicherweise zum Helden küren. Das angeberische Reptil wird zum Sheriff berufen und mit der Aufgabe betraut, den eklatanten Wassermangel im Städtchen zu beheben…

Ich habe diese überaus wortreiche Western-Persiflage heute im “Kinder-Animationskino” gesehen und bin nur mäßig begeistert. Großartige Optik und bewundernswert schräge Charaktere stehen im Gegensatz zu einer nur wenig überraschenden und all zu vorhersehbaren Geschichte. In Summe mit der – nach meinem Empfinden – lieblos umgesetzten Synchronisation (insbesondere David Nathan als Rango ist eine glatte Fehlbesetzung) wurde mir somit das zweifelhafteste Kinoerlebnis seit langem beschert.

Verweis: Rango (offizielle Webseite).

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