Tag Archives: Gesellschaft

Der Goldene Windbeutel

Thema Werbelügen und Werbelyrik: Die Verbraucherorganisation Foodwatch verleiht in diesem Jahr erstmals den “Goldenen Windbeutel” und prämiert somit die “dreisteste Werbelüge eines Lebensmittelherstellers”. Unter fünf ausgewählten Artikeln darf noch bis zum 19. März abgestimmt werden – hernach wird die ungeliebte Trophäe an den Hersteller verliehen.

Natürlich erzielt die Kampagne nur dann größtmögliche Wirkung wenn sich auch wirklich viele Leute beteiligen – also bitte jetzt abstimmen und anschließend weitersagen.

Nachtrag: die Abstimmung ist beendet. Der Goldene Windbeutel für die dreisteste Werbelüge 2009 geht an Actimel von Danone. Wir gratulieren!

Wir alle sind Junkies

Jedenfalls ist dies die eindeutige Erkenntnis US-amerikanischer Wissenschaftler der University of California. Die Fakten sind ernüchternd – die Zahlen erschrecken zudem: demnach nehmen wir täglich ca. neun bis zwölf Gramm Salz zu uns – empfohlen werden maximal sechs Gramm, wirklich brauchen Menschen eventuell nur ganze zwei Gramm. Und vor allem: übermäßiger Salz-Konsum ist gefährlich.

Salz, einst ein wertvoller Stoff, der sogar als Zahlungsmittel diente und ein wichtiger Faktor im Handel war, ist möglicherweise eine Droge. Die Menschen mögen Salz, weil es die Stimmung heben soll, sagen Wissenschaftler. Und die Menschen nehmen es regelmäßig in ungesunden Mengen zu sich, weil sie auf die Wirkung nicht verzichten wollen oder weil es in vielen fertigen Lebensmitteln reichlich enthalten ist – und weil Salz süchtig macht.

Zudem lesen wir, dass Salzentzug zu depressiven Symptomen führe oder Natrium als Antidepressivum wirken könne. Das lässt uns aufhorchen und ist somit ein guter Grund, den täglichen Konsum der Droge doch etwas aufmerksamer und auf etwaige Verhaltensauffälligkeiten hin zu betrachten.

Verweis: Droge Kochsalz (telepolis)

Kündigung für den Fernsehkritiker

Gestern erst hat der mensch zum Thema Fernsehkritik mit Verweis auf die “Dafür zahl ich nicht!”-Kampagne geschrieben und heute erreicht mich die Meldung, daß der Initiator Holger Kreymeier dafür vom NDR 3 die Quittung – respektive seine Kündigung – bekam. Holger Kreymeier – seines Zeichens Moderator und Produzent von fernsehkritik.tv – war bis dato als freier Mitarbeiter beim Norddeutschen Rundfunk beschäftigt.

Kreymeier zu seiner Entlassung: „Der Norddeutsche Rundfunk erweist sich als vollkommen kritikresistent. Ich habe in meiner Kampagne weder zu einem Gebühren-Boykott aufgerufen noch das öffentlich-rechtliche System in Frage gestellt, sondern mich auf inhaltliche Punkte konzentriert. Die Kampagne ist eine FÜR öffentlich-rechtliches Fernsehen – und zwar so, wie es durch den Rundfunkstaatsvertrag formuliert ist. Ich komme mir ein bisschen wie die Elke Heidenreich des Norddeutschen Rundfunks vor. Es tut mir in der Seele weh zu sehen, in welche Richtung sich ARD und ZDF entwickeln. Aber die Entscheidung des NDR vom Dienstag zeigt mir, dass das öffentlich-rechtliche System am Ende ist.“ (via)

Ein Vorgang, der wohl beispielgebend dafür steht, wie es um die Moral und die Kritikfähigkeit der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten steht …

Wir wundern uns nun über gar nichts mehr – armes Deutschland.

Nachtrag: es gibt eine Stellungnahme des NDR zum Sachverhalt: klick. Ich nehme an, die Wahrheit liegt wie zumeist irgendwo dazwischen …?

Dafür zahl' ich nicht!

Keine Frage, was der mensch derzeit im TV geboten bekommt spottet jeder Beschreibung, ja eigentlich ist es müßig, diesem Medium auch nur eine einzige Zeile zu widmen (mal abgesehen von gelegentlichen “Tatort”-Perlen und den Sparten-Programmen (was nicht die Dritten meint)). Dass dafür dann allerdings auch noch (nicht zu knappe) Gebühren kassiert werden ist der Irrwitz an sich, dem wir uns leider nicht wirklich entziehen können.

Die Dinge bedürfen der Veränderung, das öffentlich-rechtliche Fernsehen sollte tunlichst seinem Auftrag gerecht werden und endlich eine qualitativ gutes, stabiles Angebot bieten. In diesem Zusammenhang verdient die aktuelle Kampagne des (satirischen) Online-Magazins Fernsehkritik.tv – quasi als Gegenkampagne zu dem sicher allseits bekannten Werbespot der GEZ – unsere Aufmerksamkeit und in Folge dafür ausdrückliches Lob.

Wir wollen, dass öffentlich-rechtliches Fernsehen endlich wieder öffentlich-rechtliches Programm zeigt! Es muss ein Druck durch Deutschland gehen – und zwar auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Deshalb:

  • Schluss mit jeglicher Werbung und jeglichem Sponsoring bei ARD und ZDF,
  • Schluss mit Quotenmessungen bei ARD und ZDF – öffentlich-rechtliches Fernsehen darf sich nicht nach Einschaltquoten richten,
  • Schluss mit Krawalljournalismus, Daily Soaps und hirnlosen Heimatschnulzen. Jedes Programm von ARD und ZDF muss einem Mindestmaß an Anspruch unterliegen. Anspruchsloses Fernsehen bieten uns die Privaten genug – und zwar kostenlos,
  • Schluss mit immer mehr kostspieligen digitalen Sonderkanälen, in die Kultursendungen und Dokumentationen abgedrängelt werden. Wir zahlen dafür, dass ARD und ZDF selbst ein tiefsinniges Programm bringen.

Weiterführende Verweise zum Thema:

  1. Dafür zahl’ ich nicht! (Kampagnen-Seite mit Kinospot)
  2. fernsehkritik.tv – Das satirisch-kritische TV-Magazin
  3. Anti-GEZ-Kampagne kämpft gegen doofes Fernsehen (telepolis)

Planet of Smiles

Planet of Smiles
Planet of Smiles

Das Welt-Parlament der Clowns hatte geladen und viele sind gekommen – bunte und weniger bunte menschen – der Saal des ehrwürdigen Schauspielhauses zu Dresden war bestens gefüllt. Der Abend bot ein vielfältiges Programm mit Antoschka, Olli Hauenstein, Rainer König und (neben einigen anderen) natürlich mit Patch Adams. Viele gute Nummern – wir haben herzlich gelacht. In diesem Zusammenhang sollte ich noch einmal zum Thema Lach-Yoga nachlesen – eine wunderbare Angelegenheit ist das!

Spätestens nach den Worten und Filmen von Patch sollte allerdings einigen das Lachen im Halse stecken bleiben… Am Ende blieb die keinesfalls neue Einsicht, daß wir die Verhältnisse tatsächlich schnellstens ändern müssen, sprich nicht denen das Regieren überlassen, die es sich derzeit anmaßen. Viel Zeit bleibt uns nicht mehr …

Ich wollte, wir hätten wieder einen König in diesem Land. Aber nur wenn er ein Clown ist, oder ein Anarchist. Wobei das Eine das Andere ja nicht ausschließt.

Verweise zum Thema:

  1. The World Parliament of Clowns
  2. Die Stunde der Clowns (Hamburger Abendblatt)
  3. Lachen ist Pflicht beim Clowns-Kongress (Video v. MDR)

Evolution ist überall

Wir schreiben das Darwin-Jahr 2009 und wenn der mensch so in die Runde schaut hat er nicht wirklich das Gefühl, mit seiner Gattung (global besehen) dem Tierreich endgültig entronnen zu sein, geschweige denn sich gar als “Krone der Schöpfung” zu sehen. Höchste Zeit also, einmal mehr an den Glaubensfesten dieser scheinheiligen Gesellschaft zu rütteln …

Insofern scheint es mir nur recht und billig, ein Zeichen zu setzen und einen der vielen christlichen Feiertage zu “kapern” und zum “E-Day” umzubenennen. Die Kampagne für die Umbenennung von Christi Himmelfahrt in Evolutionstag findet meine volle Zustimmung – wollen doch einmal sehen, ob das was wird …

„Am Evolutionstag sollte gefeiert werden, dass wir endlich den kindlichen Narzissmus überwunden haben, der uns dazu verleitete, unsere Art als ‘Krone der Schöpfung’ zu betrachten.“ … Für die Umbenennung von Christi Himmelfahrt in Evolutionstag spreche, dass die Mehrheit der in Deutschland lebenden Christen nicht mehr „an das Dogma der leiblichen Auffahrt Jesu in den Himmel“ glaube. Außerdem müsse endlich auch das konfessionsfreie Drittel der Gesellschaft berücksichtigt werden, dem aus Fairnessgründen ein Drittel der gesetzlichen Feiertage zustehe.

(Michael Schmidt-Salomon, s. Z. Sprecher der Giordano Bruno Stiftung)

Das Ganze via. Anbei weiterführende Verweise zum Thema:

  1. Giordano Bruno Stiftung (wikipedia)
  2. “Evolutionstag statt Christi Himmelfahrt!” gbs startet Kampagne zur Änderung der Feiertagsgesetze
  3. Petition “Evolutionstag statt Christi Himmelfahrt!”
  4. Video: “Darwin & The Naked Apes / Children of Evolution
  5. Evolution ist überall! (Website zum 200. Geburtstag von Charles Darwin)

The Faces of Meth

Habe am vergangenen Sonntagmorgen zufällig dieses Feauture (leider nicht zum Nachhören) im Haus- und Hofradio gehört und daraufhin zum Thema nachgelesen.

N-Methylamphetamin, auch Methamphetamin genannt (ugs. abgekürzt Meth), ist ein hochwirksames, synthetisches Stimulans auf Amphetaminbasis … Insbesondere während der Blitzkriege gegen Polen und Frankreich 1939/40 fand Methamphetamin millionenfache Verwendung. Unter den Spitznamen Panzerschokolade, Stuka-Tabletten oder Hermann-Göring-Pillen diente das Mittel zur Dämpfung des Angstgefühls und zur Steigerung der Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit … Der spätere Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll bat seine Eltern während des 2. Weltkrieges mehrfach in Briefen von der Front, ihm Pervitin zu schicken. Böll blieb auch nach dem Krieg abhängig von Pervitin.

Es ist schon äußerst interessant zu lesen, wer (neben Heinrich Böll) mit dem Konsum von Meth in Verbindung mit bemerkenswerte Ereignissen genannt wird (Erstbesteigung des Nanga Parbat oder auch das Wunder von Bern). In Deutschland ist der Konsum von Meth derzeit noch nicht so weit verbreitet wie etwa in den Staaten oder Tschechien. Doch Bilder sagen mehr als Worte, ich empfehle daher einen Blick auf die auch im Feauture erwähnte Foto-Galerie Faces of Meth.

Verweis zum Thema: N-Methylamphetamin (wikipedia).

Zeitungszeugen

Die Münchener Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Herausgeber, bundesweit werden die Exemplare der letzten Ausgabe beschlagnahmt – kurzum – die Diskussionswellen schlagen derzeit hoch um dieses Projekt.

Worum geht es hierbei? Zeitungszeugen ist eine Geschichtszeitschrift, die mit dem Nachdruck deutscher Tageszeitungen aus den Jahren 1933 bis 1945 Geschichte auf originelle und “lebendige” Art und Weise vermitteln möchte. Diese werden keinesfalls unkommentiert, sondern in einem Mantelteil ausgeliefert – in welchem das damalige Geschehen sachkundig erläutert wird. Die aktuelle Ausgabe (Thema: “Der Reichstag brennt”) enthält neben dem “Völkischen Beobachter” (Kampfblatt der NSDAP) auch den “Aufbruch” (das Zentralorgan der SPD) sowie die als liberal einzustufende “Vossische Zeitung”. Insofern wird das Thema also durchaus im historischen Kontext beleuchtet.

Die bayrische Justiz erstatte nun Anzeige, zum Einen wegen “Missbrauchsgefahr” (Verbreitung von Nazipropaganda) und zum Anderen wegen der Verletzung von Urheberrechten, weil die Verwertungsrechte für NS-Propaganda beim Finanzministerium in München liegen. Wie dieser Rechtsstreit ausgeht sei dahin gestellt, wir dürfen allemal gespannt sein …

Davon abgesehen halte ich selbst diese Art der Geschichtsvermittlung für lobenswert, bekommt der mensch doch hiermit einen originellen (und originalen!) Einblick auf das damalige Geschehen. Allerdings wäre etwas mehr Fingerspitzengefühl seitens der Herausgeber durchaus wünschenswert, die Beigabe des NS-Posters zur aktuellen Ausgabe etwa ist absolut überflüssig – schließlich leben in dieser Republik nicht nur vernunftbegabte Humanoide – zudem wird das Projekt damit angreifbar, wie nun geschehen. Auch könnte der Mantelteil durchaus umfangreicher sein.

Verweise zum Thema:

Schauen wir also einmal, wie die Geschichte weitergeht …

Zitat des Tages

Werner Schulz, seines Zeichens Bündnis-Grüner und früherer DDR-Bürgerrechtler, anläßlich der überaus fragwürdigen Verleihung des Sächsischen Dankesordens an Wladimir Putin beim Dresdner Semperopernball:

„Das ist am Freitagabend beim Opernball ein richtiges kleines Konzert: Blockflöte für Tschekisten!“

Tatsächlich läßt dieses Ereignis tief blicken, genauer gesagt in moralische Abgründe schauen, die etwa Fragen wie die nach dem Demokratieverständnis derjenigen, die heuer die machtausübende Klientel darstellen, ad absurdum führt. Armes Deutschland …

Verweis: Orden für Wladimir Putin empört Bürgerrechtler (welt online).

Zum Krieg in Gaza

… muß an dieser Stelle wohl nicht viel gesagt werden. Andernorts wird dies zur Genüge getan – im Guten wie im Schlechten – und die Wahrheit liegt (wie zumeist) irgendwo dazwischen.

Über die Gretchenfrage – ob Israel mit seinem überzogenen Angriff nun das Völkerrecht bricht oder nicht – mögen die Historiker entscheiden. Ich denke, daß die Zahlen eine deutliche Sprache sprechen:

der Blutzoll ist gewaltig – heute überstieg die Anzahl der getöteten Palästinenser die Tausender-Marke, darunter über 300 Kinder. Auf israelischer Seite mussten dreizehn Personen den Krieg mit ihrem Leben bezahlen, drei davon Zivilisten. Dies stellt ein grobes Missverhältnis dar, das nach Aussagen von Völkerrechtlern Israels Position, man handle aus Selbstverteidigung, ad absurdum führt. (spiegelfechter)

Überaus unerträglich jedoch empfinde ich diese einseitige, pro-israelische Berichterstattung in den Medien des Westens, eigentlich ist diese Gleichschaltung schier unglaublich – und … In der Wut schreibt niemand gut, ich lasse das dann lieber und verweise statt dessen auf zwei Artikel zum Thema, aus berufenem Munde formuliert und lobenswert auf den Punkt gebracht …

1. Wie viele Divisionen? (Uri Avnery)

Die Gründe der israelischen Regierung („Der Staat muss seine Bürger gegen die Qassam-Raketen schützen“) war wie die reine Wahrheit akzeptiert worden. Die Ansicht der anderen Seite, dass die Qassams nur eine Antwort auf die Belagerung seien, die 1,5 Millionen im Gazastreifen an die Grenze des Verhungerns bringt, wurde überhaupt nicht erwähnt.

Erst als die schrecklichen Szenen aus dem Gazastreifen auf den westlichen Bildschirmen zu erscheinen begannen, fing die öffentliche Meinung der Welt langsam an, sich zu verändern.

Die westlichen und israelischen Fernsehkanäle zeigten zwar nur einen winzigen Teil des entsetzlichen Geschehens, das jeden Tag 24 Stunden lang auf dem Aljazeera-Kanal zu sehen ist, aber ein Bild eines toten Babys in den Armen seines in Angst und Schrecken versetzten Vaters ist mächtiger als ein Tausend elegant formulierter Sätze des israelischen Armeesprechers. Und das ist schließlich entscheidend.

2. Israel kontra Völkerrecht (spiegelfechter)

Als letzter Ausweg bliebe der Generalversammlung die Einrichtung eines Ad-hoc-Tribunals, wie es beispielsweise in den Fällen Ex-Jugoslawien und Ruanda geschehen ist. Nach Art. 22 der UN-Charta hätte die Generalversammlung die Macht, eine solche Unterorganisation zu gründen. Dafür müsste allerdings der politische Wille vorhanden sein, und es ist mehr als fraglich, ob die USA so viel „politischen Willen“ dulden würden. Es kann nur als Schande angesehen werden, dass ein Staat, der seine Existenz einem Beschluss der Vereinten Nationen verdankt, sämtliche Regeln dieser internationalen Gemeinschaft mit Füßen tritt.

Dem ist nichts hinzuzufügen. #unterschreib

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