Tag Archives: Gesellschaft

Wer zielte auf Rudi Dutschke?

Einmal mehr ein sehr gutes RadioFeature zum Nachhören … (thx)

Wer zielte auf Rudi Dutschke? – Die Chronik eines zweimal angekündigten Todes. (53:31 min.)

Am Gründonnerstag 1968 schoss Josef Bachmann auf den Studentenführer Rudi Dutschke und verletzte ihn schwer. Am Heiligabend 1979 ertrank Dutschke bei einem epileptischen Anfall in der Badewanne – eine Spätfolge des Attentats. Ulrich Chaussy hat in den Stasi-Akten nachgeforscht und Verbindungen des Attentäters in die rechte Szene gefunden. Er hat auch mit Dutschkes Söhnen, seinen Therapeuten und Zeitzeugen gesprochen. (Coproduktion BR/SR)

Das Thema war erst im letzten Jahr in aller Munde, ebenso wie die Ermordung Benno Ohnesorg’s. Nachhören in Ruhe macht Sinn, denn auch hier gilt: nichts wird vergessen, und nichts wird verziehen.

Verfassungsgericht kippt Vorratsdatenspeicherung

Das Bundesverfassungsgericht hat heute entschieden, dass das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung in seiner jetzigen Form gegen das Grundgesetz verstößt. Die Bundesregierung muss nachbessern, alle bis dato gespeicherten Daten sollen “unverzüglich” gelöscht werden.

Als einem von 35000 Menschen, die gegen das Gesetz geklagt haben, ist es mir eine Freude, diesen kleinen Erfolg hier notieren zu können. Was dem nun folgt – seitens der Politiker, die nun (von Beginn an wohl wissend um die Nichtverfassungskonformität ihres Entwurfes) die kommende Neuregelung voran treiben werden, bleibt abzuwarten.

Bei aller Euphorie ist daher eine gesunde Portion Skepsis angebracht und das Gebot der Stunde. Anbei ein paar weiterführende, kritische und überaus lesenswerte Verweise zum Thema:

Das Thema ist also längst nicht abgeschlossen, der Kampf gegen die Vorratsdatenspeicherung geht weiter in die Verlängerung. (n.o)

Blockadebilder

Während heute gut 10000 Dresdnerinnen und Dresdner – auf Vorschlag ihrer Oberbürgermeisterin – in der Altstadt mit einer nicht unumstrittenen Menschenkette wenigstens ein lobenswertes, wenn auch vor allem passives Zeichen für Toleranz und gegen Fremdenhass setzten, leisteten einige Tausend andere Menschen aktiven Widerstand und blockierten wichtige Knotenpunkte, um den genehmigten Marsch der Nazis durch die Stadt zu verhindern. Dies scheint im Großen und Ganzen gelungen (zum aktuellen Zeitpunkt 17.00 Uhr) und ist damit ein großer Erfolg!

Der mensch hatte in diesem Jahr einen dienstfreien Tag und konnte sich somit einreihen. Anbei einige Bilder, die einen kleinen Einblick in die bunte Menge geben (Blockade Albertplatz) und vielleicht auch einen Hauch der sehr guten Stimmung vor Ort wiedergeben.

Blockade Albertplatz, 13. Februar Dresden
Blockade Albertplatz, 13. Februar Dresden
Blockade Albertplatz, 13. Februar Dresden
Blockade Albertplatz, 13. Februar Dresden
Blockade Albertplatz, 13. Februar Dresden
Blockade Albertplatz, 13. Februar Dresden
Blockade Albertplatz, 13. Februar Dresden
Blockade Albertplatz, 13. Februar Dresden
Blockade Albertplatz, 13. Februar Dresden
Blockade Albertplatz, 13. Februar Dresden
Blockade Albertplatz, 13. Februar Dresden
Blockade Albertplatz, 13. Februar Dresden
Blockade Albertplatz, 13. Februar Dresden
Blockade Albertplatz, 13. Februar Dresden
Blockade Albertplatz, 13. Februar Dresden
Blockade Albertplatz, 13. Februar Dresden
Blockade Albertplatz, 13. Februar Dresden
Blockade Albertplatz, 13. Februar Dresden
Blockade Albertplatz, 13. Februar Dresden
Blockade Albertplatz, 13. Februar Dresden
Blockade Albertplatz, 13. Februar Dresden
Blockade Albertplatz, 13. Februar Dresden

Hat euch schon jemand gelobt? Nein? Dann tue ich das hiermit öffentlich. :-)

Germany: 375,39 Euros

Eine Familie für eine Woche ernähren …

Germany: the Melander family of Bargteheide
Food expenditure for one week: 375,39 Euros or $500,07

United States: the Revis family of North Carolina
Food expenditure for one week: $341,98

Italy: the Manzo family of Sicily
Food expenditure for one week: 214,36 Euros or $260,11

Mexico: the Casales family of Cuernavaca
Food expenditure for one week: 1,862.78 Mexican Pesos or $189,09

Poland: the Sobczynscy family of Konstancin-Jeziorna
Food expenditure for one week: 582,48 Zlotys or $151,27

Egypt: the Ahmed family of Cairo
Food expenditure for one week: 387,85 Egyptian Pounds or $68,53

Ecuador: the Ayme family of Tingo
Food expenditure for one week: $31,55

Bhutan: the Namgay family of Shingkeyh Village
Food expenditure for one week: 224,93 ngultrum or $5,03

Chad: the Aboubakar family of Breidjing Camp
Food expenditure for one week: 685 CFA Francs or $1,23

(via via)

Schweinefleisch ist Menschengift

Wir wissen, dass der übermäßige Verzehr desselben nicht eben gesund ist, schon klar.

Dass es unter Umständen aber ganz und gar ungeeignet für die menschliche Ernährung sein soll lässt uns aufhorchen, zustimmend nicken und nachdenklich werden ob der eigenen schlechten Gewohnheiten.

Figaro-Autor Michael Töpfer hat sich zum völligen Verzicht auf das schweinerne Fleisch entschieden und lebt nun schon seit Jahren abstinent. Seine Erfahrungen beschreibt er in einem hoch interessanten Feature, welches der interessierte User hier zum Laden und Nachhören findet.

Erinnern und handeln

Wie schon in den Jahren zuvor wollen auch in diesem Jahr Alt- und Neonazis zum Jahrestag der Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg durch die Stadt marschieren. Mittlerweile ist dieser Aufmarsch zum größten seiner Art in Europa geworden, und es gilt nun, Gesicht zu zeigen und diesen zu verhindern.

Um dies mit gebotener Entschlossenheit zu tun haben sich Gewerkschaften, Parteien, Kirchen, Bürgeriniativen und Antifa-Gruppen (erstmalig!) zu einem breiten Dresdner Bündniss zusammengefunden. Es gilt, bereits den Versammlungsort einzukreisen und mittels massiver Blockaden den Marsch durch die Stadt zu verhindern. In welcher Form Ordnungsbehörde und Polizei darauf eingehen wird sich zeigen …

Weiterführende Verweise zum Thema:

Hoffen wir also auf gemeinsamen und wirkungsvollen Protest.

Der neue Michael Moore

mm

Gestern abend fand sich die Gelegenheit, Michael Moore’s neuen Film KAPITALISMUS – EINE LIEBESGESCHICHTE anzusehen und ich habe sie genutzt.

Um es in einem Satz zu sagen: es handelt sich um einen überaus unterhaltsamen Dokumentarfilm mit dem Prädikat: pädagogisch wertvoll. Moore verknüpft das eigene (auf Super-8 gebannte) Kindheitserleben des amerikanische Nachkriegskapitalismus – als es den kleinen Leuten im Vergleich zu heute durchaus gut ging – mit den gegenwärtigen Ereignissen. Dies wird anschaulich durch Begegnungen mit Menschen, die dem Raubzug des Kapitals zum Opfer gefallen sind. Sprich denen, die in Folge der Finanzkrise ihr Haus verlieren oder jenen, die ihren Job und damit ihre Existenz verlieren.

So findet er signifikante Beispiele für die “Entartung” des Kapitalismus als allein profitorientiertes Wirtschaftssystem, die keinen Zuschauer kaltlassen können, wie die elende Bezahlung von Piloten oder die durch Korruption erreichte, willkürliche Verbringung von Jugendlichen in Zuchtanstalten. Wie ein Thriller aufbereitet ist die ganz aktuelle Aktion des Großkapitals, sich unter Bush jr. zur Abminderung der Finanzkrise die Steuermilliarden einzuverleiben. Und letztlich steht Michael Moore auch wieder abgewiesen vor verschlossenen Chefetagen, worauf er die gesamte Wallstreet als “Crime scene” markiert. (via)

Fazit: “Capitalism: A love story” ist m.E. eine weitere, perfekte Moore-Produktion, die auf amüsante Weise den jüngsten Finanzzusammenbruch analysiert und zugleich schonungslos das in die Jahre gekommene und jetzt (global) entfesselte Schweinesystem als ein solches entlarvt.

Sagt also bitte nicht, ihr hättet von all dem nichts gewusst – ihr müßt nur ins Kino gehen. Ein Sonntag im November ist ein guter Tag dafür.

Zitat der Woche

An ihren Worten werdet ihr sie erkennen …

Peinlich finde ich es hingegen, wenn einem ehemaligen in Dresden stationierten KGB-Offizier, der zum Schießen bereit war und der als Präsident und Ministerpräsident für schwere Menschenrechtsverletzungen in Russland mitverantwortlich ist, der sächsische Dankesorden überreicht wird. Gerade der Freistaat Sachsen sollte wahrlich einer anderen Tradition verpflichtet sein.

Werner Schulz, seines Zeichens DDR-Bürgerrechtler und Bündnisgrüner, in seiner Rede beim Festakt zum 20. Jahrestag der Friedlichen Revolution.

Es sind nicht allzu viele aus der ehemaligen Opposition, vor denen der mensch heute noch seinen Hut zieht. Werner Schulz ist jedoch einer von diesen, Friedrich Schorlemmer und Freya Klier oder Walter Janka ebenso. Denen stehen Leute wie Bärbel Bohley oder auch Vera Lengsfeld gegenüber, von der – wir werden es nicht vergessen – auch schon einmal in der “Jungen Freiheit” zu lesen war.

So hat sich dann die Spreu vom Weizen getrennt, zwei Jahrzehnte nach den Tagen im Oktober neunundachtzig.

Die Welt ohne uns

Ich habe gelesen: Die Welt ohne uns: Reise über eine unbevölkerte Erde von Alan Weisman. (Amazon-Partnerlink)

Alan Weisman, seines Zeichens angesehener US-amerikanischer Autor und Journalist, behandelt in seinem Werk die Vision einer Erde ohne Menschen. Nehmen wir einmal an, die Gattung Mensch verschwindet von einem Tag auf den anderen – was bleibt von uns, welche Dinge würden die Jahrtausende überdauern und Zeugnis ablegen, vor allem: was würde geschehen mit den Meisterwerken der Architektur, den Mega-Industrielandschaften, den Metropolen oder auch den über den gesamten Globus verteilten Atomkraftwerken?

Weisman entwirft ein hoch interessantes (und natürlich spekulatives) Szenario, das den Bogen von zwei Tagen bis zu 6,5 Milliarden Jahren spannt. Dabei ist ihm mangelnde Vielfalt nicht nachzusagen, die Umweltsünden der voran gegangenen Generationen werden ebenso behandelt wie die detaillierte Beschreibung heute nahezu unberührter Zonen, wie etwa der Entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea, dem Bialowieza-Urwald in Weißrussland bzw. Polen oder der verlassenen Stadtlandschaft in der sogenannten “grünen Zone” Zyperns, dem Puffer zwischen dem Nord- und dem Südteil der Insel. Sprich solchen Gebieten, an deren Entwicklung wir heute sehen können, was geschieht, wenn der Homo Sapiens schlicht nicht vorhanden ist und die Natur sich das Terrain zurück erobert. Das macht zumindest ein klein wenig Hoffnung …

Vermutlich sind wir in den nächsten Jahren nicht vom Aussterben bedroht. Vermutlich wird es uns noch viel zu lange geben. Aber es gibt ja ein Mittel, zumindest zu verhindern, dass wir der Umwelt zu sehr schaden. Wenn wir beispielsweise alle Die Welt ohne uns lesen würden, dann könnten wir zumindest für die Dauer der Lektüre keine Dummheiten machen. Die Welt ohne uns jedenfalls hätte es verdient. So lange es solche Bücher gibt, ist ja ohnehin noch nicht alles verloren. (Thomas Köster)

Ein hoch interessantes Gedankenexperiment, ergänzt mit zahlreichen Fakten und somit meine ausdrückliche Leseempfehlung …

Die PARTEI nun auch in Sachsen

Schluss mit dem Wahlkrampf, nun wird es richtig lustig: am Freitag, dem 25. September, findet in Dresden der Gründungsparteitag der PARTEI statt. Somit bekommt die Titanic-Partei nun ihren sächsischen Ableger und wir alle eine Alternative zum derzeitigen Mummenschanz. Die Veranstaltung beginnt um 21.00 Uhr im Bautzner Tor, Eintritt ist frei. Lenin wird als Gastredner sprechen und eine Videoschaltung zu Olaf Schubert ist auch vorgesehen. Am Wochenende dann das volle Programm mit dem Stammtisch der Funktionäre (Posten werden ab 2999,00 € verschachert) und Elefanten-Runden-Karaoke am Wahlsonntag.

Kleiner Wermutstropfen auch hier: Die PARTEI wurde nicht zur Bundestagswahl zugelassen. Leider ist der mensch an diesen Tagen dienstlich verhindert. Den Spass hätte ich mir zu gerne angesehen …

Verweis: Die PARTEI Sachsen.

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