Schlagwort: Gesellschaft

Zwischen Utopie und Dystopie

Um wirklich irgendwelche ernsthaften Veränderungen in der Welt anzustoßen, musst du die menschliche Natur ändern. Und das ist bisher noch niemandem gelungen. Die Menschen sind Tiere. Sie sind gierig, eifersüchtig. Sie sind wütend und voller Hormone, die durch ihre Körper rauschen. Sie lieben es anderen Menschen Leid zuzufügen.

Wir sind nicht diese netten Wesen. Wir können gute Gedanken haben, einige von uns zumindest. Wer ein schönes Leben hat, muss nicht schrecklich sein. Wer ein schreckliches Leben hat, wird wahrscheinlich wütend sein und jemanden töten wollen.

Menschen wollen keine utopische Gesellschaft. Wenn Sie Leuten auf der Straße eine utopische Gesellschaft beschreiben, dann wollen sie die nicht.

– Suzanne Treister

Die britische Künstlerin Suzanne Treister skizziert im Gespräch mit Christian Conradi eine sehr düstere, wenig hoffnungsfrohe Zukunft, in der ein hochautomatisierter, digitaler Turbokapitalismus herrscht.

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Die Kunstprojekte „Monument“ und „Lampedusa 361“

Wir haben beide Projekte am Sonntag in Dresden in Augenschein genommen. Gemeinsam mit vielen anderen interessierten Menschen. Inzwischen wurde vieles darüber gesagt und geschrieben – ich komme jedoch nicht umhin, das Thema hier trotzdem aufzugreifen. Wenn auch nur mit wenigen Worten und Bildern. Zumal wir den 13. Februar schreiben …

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Pirna: 15 Jahre AKuBiZ

15 Jahre Einsatz für Gerechtigkeit und Diskriminierungsfreiheit …

Anno 2001 fanden sich in Pirna einige Menschen zusammen, um gemeinsam etwas gegen den stetig wachsenden Rechtsruck in der Gesellschaft zu tun. Zunächst ging es einfach darum, einen Schutzraum zu organisieren und anzubieten. Kurzerhand wurde ein Verein gegründet – das Alternative Kultur- und Bildungszentrum (AKuBiZ) in Pirna. Seither sind einige Jahre ins Land gegangen. Heute steht das AKuBiZ für eine unermüdliche Erinnerungs- und Demokratiearbeit und zeichnet sich durch ein vielfältiges Engagement gegen Diskriminierung und Intoleranz in der Region aus.

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Der Letzte macht das Licht aus

Alex Carozza ist der letzte Akkordeonbauer (Handzuginstrumentenmacher!) in New York City.

Ein höchst interessantes Instrument an sich, und ein wunderschönes Handwerk sowieso. Zwei liebenswerte Menschen kommen dazu. Die ganz alte Schule eben …

Alex Carozza betreibt seit 1960 eine Akkordeon-Reparaturwerkstatt in New York. Seine Kunden kommen aus der ganzen Welt, um ihre Instrumente bei ihm reparieren zu lassen. Er hat einen Partner, und die beiden arbeiten mal gerade 60 Jahre lang zusammen. The Great Big Story hat ihn besucht und mit diesem Kurzfilm noch zu Lebzeiten ein virtuelles Denkmal gesetzt.

Alex Carozza has been building and repairing accordions in New York City since 1960. The last craftsman of his kind in the city, Alex is the living memory of a once vibrant musical culture that has all but disappeared from New York. This is the story of a true classic.

Respekt dafür. Und Applaus auch. (einmal mehr via Ronny und Gilly)

Die Wölfe sind zurück

Seit gestern gilt es vor der Frauenkirche zu Dresden eine eindrucksvolle Ansammlung garstiger Wolfsmenschen zu betrachten. Das ist nun leider als solches (wenn man so will und mit Blick auf die allmontäglichen Aufmärsche nicht integrationswilliger und intoleranter Dresdner Außenseiter) nichts Neues – eher trauriger Alltag – steht hier und jetzt jedoch für ein interessantes Kunstprojekt, das morgen offiziell eröffnet wird.

Mit der Aufstellung von 66 „Wolfsmenschen“ will der Künstler Rainer Polka ein Zeichen gegen die rechte Pegida-Bewegung setzen.

In Dresden heulen die Wölfe. Dort wo sonst die ausländerfeindliche Bewegung PEGIDA gegen Flüchtlinge und Staat hetzt, steht ab dem 16. März 2016 ein riesiges Wolfsrudel. Die Wölfe stehen symbolisch für Hasser, Brandsatz-Werfer, Neo-Nazis, wütende Pegidisten und AFDler, die auf Flüchtlinge schießen wollen.

Neben den bis zu zwei Meter hohen und in Metall gegossenen Wölfen, die bereits gestern auf reges Interesse der Menschen vor Ort stießen, sollen Informationstafeln zu Diskussionen über Rassismus aufrufen. Zudem verspricht der Künstler, während der Ausstellung fast durchgängig anwesend zu sein und „tausende Gespräche“ zu führen.

Ein durchaus lobenswertes Projekt, dem Achtung und Wohlwollen gebührt. Dazu die Hoffnung, dass Künstler und Ensemble von Ungemach verschont bleiben mögen und gemeinsam weiter durch die Republik fahren können. [highlight]Bis zum 23.03.2016[/highlight] ist die Ausstellung in Dresden zu sehen, danach soll sie als Wanderausstellung auch in alle anderen Bundeshauptstädte reisen.

Weiterführende Verweise:

Bitte nicht anrufen!

Seit Jahren plädiere ich dafür, das Telefon aus dem Alltag zu verbannen und ausschließlich für Notfälle zur Verfügung zu halten. Der mensch hasst es, wenn der Apparat klingelt und jemand versucht, unaufgefordert und unverblümt in den ganz persönlichen Tagesablauf einzudringen. Ich habe dieses schon oftmals angeprangert und auf ordentliche, sinnvolle Alternativen verwiesen – wie Email und diverse Messanger, die explizit zum Zwecke der unaufgeregten Kommunikation erschaffen wurden. Dabei gehe ich mit gutem Beispiel voran: rufe selbst nur in Notfällen an, wie Unfall, Tod oder Geburt. Für alles andere empfehlen sich die zuvor erwähnten Wege …

Ausnahmen bestätigen natürlich diese Regel, will sagen, Menschen über 70 und des Schreibens Unkundige sind davon ausgenommen.

Stefan Schmitt hat jüngst einen Artikel zum Thema publiziert, der mir aus dem Herzen spricht: Ruf! Mich! Nicht! An!

Angerufen zu werden nervt, bitte hört auf damit! Mich nervt schon der Klingelton. Wichtigtuerisch drängt er sich in den Moment, gebietet mir, alles stehen und liegen zu lassen und mit diesem Menschen zu sprechen, den ich aber gerade wahrscheinlich nicht sprechen möchte. Mancher Anrufer fragt: „Störe ich?“, aber dann ist es ja schon zu spät. Denn ein Anruf stört immer, er stiehlt mir meine Zeit.

Sie sollten das gelesen haben, und es sich zu Herzen nehmen. Vorausgesetzt, Sie sind Freund oder Freundin dieser Art von ungehöriger Kommunikation, die als solche auf den Müllhaufen des vergangenen Jahrhunderts gehört.


Nachtrag: „Warum ich keine Anrufe mag“ haut in die gleiche Kerbe. Danke dafür.

People of Nowhere

Der aus Israel stammende Dokumentarfilmer Lior Sperandeo besuchte unlängst die griechische Insel Lesbos, um sich selbst ein Bild von der Ankunft tausender Flüchtlinge zu machen. Sieben Tage lang dokumentierte er das Eintreffen der Boote. Herausgekommen sind zweifellos ergreifende Bilder.

I have heard and read different opinions about the wave of Syrian refugees who try to make their way in to the EU. Then I went to Lesvos. 7 days on the Greek Island gave me a healthier, human perspective on the situation.
Seeing the people behind the headlines with my own eyes, and feeling their deep struggle, broke my heart. Are they the “threat” people talk about? All I saw were courageous people in a time of crisis, looking for hope. I also got to meet brave volunteers from all over the world who reach out to help all people regardless of their religion, race or background. That inspired me.
My hope is that this video might tear down some of the walls of bad ideas and opinions we have built around ourselves.

Schaut euch auch die anderen drei Videos (People of Mumbay, People of Nepal und People of Senegal) an – sie sind ebenfalls sehenswert. Etwas viel Pathos vielleicht (was vor allem die Musikauswahl meint) – aber ganz hervorragend fotografiert.