“Jud Süß – Film ohne Gewissen”
Ich habe mir vor kurzem den neuen Film von Oskar Roehler angesehen und bin ein wenig hin-und her gerissen in meinem Fazit.
Das (meines Erachtens) sehr gute Spiel der Mimen (alle überragend Tobias Moretti) steht einer – zumindest in Teilen – fragwürdigen Regieleistung gegenüber, die beim Zuschauer einen schalen Beigeschmack hinterlässt.
Künstlerische Interpretation hin oder her, wenn wichtige Fakten der Geschichte solcherart verfremdet interpretiert beziehungsweise ganz außen vor gelassen werden (wie etwa der nicht unwesentliche Umstand, dass Ferdinand Marian sich im Nachgang keineswegs seiner Rolle grämte und seine Verzweiflung im Alkohol ertrank, sondern weiterhin Karriere bei den Nazis machte – er drehte weitere elf Filme bis 1945), dann ist der Vorwurf der Geschichtsfälschung durchaus berechtigt. Dazu die im Film als Halbjüdin dargestellte Ehefrau Marian’s (die tatsächlich jedoch Katholikin war) – ein Umstand, der den Verlauf der Handlung ganz wesentlich beeinflusst. Beruht doch hier die Annahme der Rolle seitens Marian’s auf eben dieser Erpressbarkeit mit dem Leben seiner Frau – was im Tatsächlichen nie ein Thema war.
Hier kann man also getrost von der versuchten Reinwaschung einer Figur – zumindest aber von einer Verklärung – sprechen, die es so nie gegeben hat. Ferdinand Marian scheint mir sehr wohl gewusst zu haben, worauf er sich mit seiner Hauptrolle im “Jud Süß” einließ:
Marian war politisch desinteressiert. Er gehörte keiner politischen Partei an. Er war also auch kein Anhänger des Nationalsozialismus. Er machte sich eher über die Politik und die Politiker aller Couleur lustig. Sein Biograph, der Berliner Medienwissenschaftler und promovierte Psychologe Friedrich Knilli, charakterisiert ihn als schwierigen Menschen, der sein Leben lang unter der Missachtung litt, die er in seinem Elternhaus und in seiner Jugend erfahren hatte. Das zeigte sich daran, dass ihm seine Wirkung auf andere Menschen, insbesondere auf Frauen, immer ganz außerordentlich wichtig war. Deshalb maß er auch seiner Resonanz beim Publikum große Bedeutung bei und litt darunter, wenn er (wie nach 1945) kein Publikum hatte. (Wikipedia)
Aber: mit dem Wissen um die wahren Hintergründe sich diesen Film als eine künstlerische Interpretation des Themas ansehen – das geht sehr wohl. Da darf man sich durchaus an dem brilliant spielenden Ensemble (Martina Gedeck und Justus von Dohnányi seien hier genannt) erfreuen und sich über einen bis dato ungekannten Moritz Bleibtreu wundern …
Es bleibt allerdings die Frage, bei wie vielen Kinobesuchern von 100 sich dieses Wissen voraussetzen lässt …
Verweis: “Jud Süß – Film ohne Gewissen” (Film-Webseite)











