Tag Archives: DDR
Der 1. Mai Viele Kinder haben kleine Fahnen. Die Pioniere singen schöne Lieder. Da freuen sich die Arbeiter und Bauern.

Primitive Harmonik

Auflage 1958

Amüsant zu lesen – das möchte ich euch nicht vorenthalten …

Das wesentliche Element des Jazz, die Improvisation, ist in weitem Maße in die Tanzmusik eingegangen … Das Fundament, über dem improvisiert wird, ist die Harmonik …

Leider wird in Europa und auch von Durchschnittsamerikanern, allzu oft eine sehr fade und primitive Harmonik benutzt. Die Folge davon ist wenig Musik und viel Effekthascherei, die zum Teil die niedrigsten Instinkte im Menschen weckt und zu solchen Auswüchsen wie Rock-and-Roll führt.

So gelesen heute in der “Schallplattenfibel – Wissenswertes von der Schallplatte mit einem musikgeschichtlichen Abriß”.
(1958 erschienen im Fachbuchverlag Leipzig).

Veteran: Simson SR2

Veteran: SR2

Vorgestern gesehen und – ob seiner Originalität – im Lichtbild festgehalten: ein Simson SR2.

Produziert wurde dieses inzwischen deutlich betagte Kleinkraftrad zwischen 1957 und 1959 im VEB Fahrzeug und Gerätewerk Simson Suhl (Thüringen). Die Wikipedia benennt die wichtigen Details:

… der Motor wird durch das Treten der Pedale angeworfen … Bei eingelegtem 2.Gang und gezogener Kupplung kann man zudem auch „Fahrradfahren“. Der Vergaser besitzt einen „Tupfer“ zum Niederdrücken des Schwimmers, welcher beim Kaltstart so lange gedrückt werden musste, bis Kraftstoff aus dem Vergasergehäuse lief.

Mit Vergnügen erinnert sich der mensch an einen Bilderbuch-Sommertag – im neunzehnhundertachtziger Jahr war das wohl – den er im Sattel eines solchen Modells verbringen konnte.

Dresden 1975

Zwei sehenswerte, weil stimmungsvolle Super8-Filme aus dem Jahre 1975, welche die Landeshauptstadt und ihre Umgebung in den Tagen von vor 35 Jahren zeigen.
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"Boxhagener Platz"

‘Boxhagener Platz’ ist die liebevolle Verfilmung des Debüt-Romans von Torsten Schulz (Drehbuch auch) und erzählt von Liebe, Frust und Eckkneipen in der DDR, respektive Berlin (Ost).

Doch worum geht es genau?

1968 in Ostberlin: Studentenunruhen und sexuelle Revolution im Westen, Panzer in Prag. Und auf dem Ostberliner Boxhagener Platz erleben Oma Otti (Gudrun Ritter) und ihr zwölfjähriger Enkel Holger (Samuel Schneider) ihre ganz eigenen Abenteuer. Otti hat schon fünf Ehemänner ins Grab gebracht und dem sechsten geht es auch nicht mehr so gut, als sie Avancen von Altnazi Fisch-Winkler (Horst Krause) und dem ehemaligen Spartakuskämpfer Karl Wegner (Michael Gwisdek) erhält.

Otti verliebt sich in Karl und plötzlich ist Fisch-Winkler tot. Holger avanciert zum Hobbydetektiv – bis er einen Fehler begeht, der ausgerechnet Karl in Gefahr bringt…

Matti Geschonneck hat einen wunderschönen Film gedreht.

Mit Gudrun Ritter, Michael Gwisdek und Samuel Schneider als Enkelkind Holger hat er “ein goldenes Händchen” bei der Wahl seiner Hauptdarsteller bewiesen. Ein “sehr gut” gibt es ebenfalls für Jürgen Vogel als übereifrigen Polizisten. Hotte Krause als Altnazi hatte leider nur einen viel zu kurzen Auftritt …

Alles in allem ein bemerkenswerter Streifen, welcher derzeit in jedem guten Programmkino zu sehen sein sollte und hiermit ausdrücklich empfohlen worden ist.

Verweis: Boxhagener Platz (Filmwebsite).

Vor 20 Jahren

Es sei hiermit erlaubt – um das 20-jährige Jubiläum des Berliner Mauerfalls hier nicht völlig unter den Tisch fallen zu lassen – eine besondere Posse des alten Apparates aus der Schublade zu ziehen: die legendäre Rede des Erich Fritz Emil Mielke vom 13. November 1989.

Zum Anhören bitte einfach den folgenden Link klicken:

(Quelle: BStU, MfS via)

Das Gestammel ist in seiner Art das unschlagbare Argument wider eine Diktatur von Überwachung und Willkür, und es steht wie kein Zweites für die viel zu späte Entlarvung einer Riege von Damen und Herren, die meinten, dass an ihrem Wesen die Welt genesen müsse. Allerbestes Kasperle-Theater also.

Nachtrag: nach dem Hören der Rede sollten die interessierten LeserInnen sich auf keinen Fall die Lektüre dieses Dokumentes aus der Kreisdienststelle Gardelegen entgehen lassen. Es ist ein weiteres, beredtes Zeugnis für die Hilflosigkeit und Verwirrung jener Kreise nach dem Auftritt des Genossen Ministers.

PS: wir wissen: die Vorstellung dauert an, nur die Protagonisten sind andere. Bleibt zu hoffen, dass sich auch dieser Vorhang eines nicht zu fernen Tages schließt …

Jakob Leising

Ich habe gelesen: Jakob Leising: Roman von Holger Böwing. (Amazon-Partnerlink)

Der Einfachheit halber sei es erlaubt zur Inhaltsangabe die Kurzbeschreibung zu zitieren:

Mit Lob und Strafe regieren die Pädagogen das Spezialkinderheim Ostdorf. Wie Pawlowsche Hunde werden die behinderten Kinder des Heimes auf ihr Leben vorbereitet. Nur: Jakob ist nicht behindert. Er ist hellwach und schreibt fieberhaft in nur einer Nacht – unter der Bettdecke im Licht einer Taschenlampe – seinen Lebensbericht. Bald schon ist nicht mehr klar, wie die Rollen in der Pawlowschen Versuchsanordnung verteilt sind. Eine tragikomische Schilderung aus den letzten Jahren der DDR, die dem Leser mehr als 20 Jahre nach ihrer Niederschrift endlich vorgelegt werden kann.

Jakob geriet mit vier Jahren in die Mühlen der DDR-Psychatrie und soll zu einer sozialistischen Persönlichkeit umerzogen werden. Wie dies im einzelnen ablief kann der geneigte Leser nun nachlesen in dieser absurden Geschichte, die soviel mehr tragisch als komisch ist. Trotzdem hat mich die Lektüre außerordentlich amüsiert und bekommt somit fünf von fünf Sternen und ein “Pädagogisch wertvoll” dazu. Unbedingte Leseempfehlung!

Es war einmal ein Liedermacher

Erinnert sich heute noch jemand an Stephan Krawczyk? Der Mann – seines Zeichens Liedermacher und so ein bissel DDR-Bürgerrechtler auch – fiel seiner Zeit weniger durch bemerkenswertes Liedgut (kann sich wer an einen seiner damaligen Songs erinnern?) als durch den (wenn auch schnell wieder nachlassenden) Medienwirbel um seine Person auf …

Wie auch immer – ich habe jahrzehntelang keinen Gedanken an den Mann verschwendet und hätte dies wohl auch fürderhin nicht getan, wenn gestern nicht dieser Beitrag in der taz erschienen wäre:

Die Minibänder in den Socken – Eine konspirative Begegnung mit Stephan Krawczyk in Ostberlin.

Allerbestes Lesevergnügen zum Thema. Leider mit 20 Jahren Verspätung – aber den Abstand braucht es wohl …

PS: es ist mir bekannt – der Mann ist auch unter die Autoren gegangen. Da werde ich mir wohl einmal eine Leseprobe besorgen müssen … Ich lasse mich gerne positiv überraschen und werde dies dann hier auch erwähnen.

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