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Das Haus am Fjord

Ich habe gelesen: Wolfgang F. Fischer: Das Haus am Fjord (Amazon-Partnerlink).

Wolfgang F. Fischer verwirklicht den Traum vom Ausstieg und zieht auf seine “eigene” Insel. Wie der Titel des Buches schon besagt, ist diese weder in der Karibik, noch irgendwo anders in der südlichen Hemisphäre gelegen, sondern nur einen “Katzensprung” weit entfernt: an der schwedischen Westküste. Der Autor – seines Zeichens Meeresbiologe und Greenpeace-Mitbegründer – schildert sein neues Leben auf eine sachliche und keinesfalls glorifizierende Weise. Alltägliche Probleme um “Haus und Hof” kommen ebenso zur Sprache wie der nicht gar so leichte Umgang mit den neuen Nachbarn, sprich den – wenn man denn so will – “Nachfahren der Wikinger”.

Insofern gebührt ihm Lob und Dank – vertreibt der gute Mann mit seiner Schilderung der Dinge doch so manche romantischen Flausen, die der eine und der andere Mensch zum Thema pflegt und hegt. Eine lebendige, amüsante Nordland-Erzählung von einem, der es wissen muss …

Jakob Leising

Ich habe gelesen: Jakob Leising: Roman von Holger Böwing. (Amazon-Partnerlink)

Der Einfachheit halber sei es erlaubt zur Inhaltsangabe die Kurzbeschreibung zu zitieren:

Mit Lob und Strafe regieren die Pädagogen das Spezialkinderheim Ostdorf. Wie Pawlowsche Hunde werden die behinderten Kinder des Heimes auf ihr Leben vorbereitet. Nur: Jakob ist nicht behindert. Er ist hellwach und schreibt fieberhaft in nur einer Nacht – unter der Bettdecke im Licht einer Taschenlampe – seinen Lebensbericht. Bald schon ist nicht mehr klar, wie die Rollen in der Pawlowschen Versuchsanordnung verteilt sind. Eine tragikomische Schilderung aus den letzten Jahren der DDR, die dem Leser mehr als 20 Jahre nach ihrer Niederschrift endlich vorgelegt werden kann.

Jakob geriet mit vier Jahren in die Mühlen der DDR-Psychatrie und soll zu einer sozialistischen Persönlichkeit umerzogen werden. Wie dies im einzelnen ablief kann der geneigte Leser nun nachlesen in dieser absurden Geschichte, die soviel mehr tragisch als komisch ist. Trotzdem hat mich die Lektüre außerordentlich amüsiert und bekommt somit fünf von fünf Sternen und ein “Pädagogisch wertvoll” dazu. Unbedingte Leseempfehlung!

Der Archipel GULAG

Alexander Solchenizyns “Der Archipel GULAG” stand schon lange auf meiner Liste der noch ausstehenden Lektüre. Mit Recht darf es als das wohl wichtigste Werk zur Geschichte der Sowjetunion bezeichnet werden (allein die Aufnahme als Pflichtlektüre in den Lehrplan der höheren Klassen scheint mir dringend angebracht, trägt es doch wie kein anderes zum besten Verständnis der russischen Geschichte bei).

„Hier ein Schnappschuss aus jener Zeit… Eine Bezirksparteikonferenz… Am Ende wird ein Schreiben an Stalin angenommen, Treuebekenntnis und so. Im kleinen Saal braust stürmischer in Ovationen übergehender Applaus. Drei Minuten, vier Minuten, fünf Minuten … noch immer ist es stürmisch und geht noch immer in Ovationen über, doch die Hände schmerzen bereits. Die Älteren schnappen nach Luft. Aber wer wagt es als erster (aufzuhören)? Im kleinen, unbedeutenden Saale wird geklatscht … und Väterchen kann es gar nicht hören. Und so setzt der Direktor in der elften Minute eine geschäftige Mine auf und lässt sich in den Sessel fallen…. In selbiger Nacht wird der Direktor verhaftet.” Die Mahnung des Untersuchungsrichters lautet: „Und hören sie in Zukunft nie als erster mit dem Klatschen auf.”

Solchenizyn schreibt über das Geschehen in den Straflagern der ehemaligen Sowjetunion, über Menschenrechtsverletzungen und maßlose Willkür in einem Land, dessen Rechtssprechung einzigartig pervertiert ist. Dabei schreibt der Autor aus eigener Erfahrung, saß selbst von 1945 bis 1953 im Lager und wurde nach der Veröffentlichung dieses Buches 1974 aus der Sowjetunion ausgewiesen.

Verweis: Alexander Solchenizyn – Der Archipel GULAG: Vom Verfasser autorisierte überarbeitete und gekürzte Ausgabe in einem Band (amazon-Partnerlink)

Der Tod ist ein Geschenk

Wer A sagt sagt muß nicht B sagen, darf es aber trotzdem tun. Will sagen: wer “Die Attentäterin” von Yasmina Khadra gelesen hat (klick), sollte – um der Vollständigkeit und des besseren Verständnisses wegen – sich auch der Lektüre des eingangs erwähnten Buches widmen.

Erzählt wird hier die Lebensgeschichte von Said – eine Geschichte, die exemplarisch für die israelische Besatzungspolitik in all ihren grausigen Facetten steht. Enteignung, Vertreibung, willkürliche Verhaftungen, Folter und Mord sind die passenden Vokabeln. In logischer Konsequenz entschließt sich Said zum Äußersten:

“Wir haben nichts. Weder Fahrzeuge noch Panzer, geschweige denn Flugzeuge, mit denen wir einen Krieg gegen die israelische Armee und für einen souveränen palästinensischen Staat führen könnten. Wir haben nur unsere Körper. Das sind unsere einzigen Waffen.”

Mehr zum Inhalt, auch einige kurze Rezensionen finden sich hier.

Raid Sabbah: Der Tod ist ein Geschenk – Die Geschichte eines Selbstmordattentäters” (amazon)

Der Afrikaner

Neu im Regal: “Der Afrikaner” (amazon-link) von Jean-Marie Gustave Le Clézio.

Ein Büchlein nur – möchte man meinen – bei gerade 133 Seiten. Und damit doch ein wunderbarer Lesestoff. Der Autor wurde vor kurzem erst mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt, wir erinnern uns …

Zur Inhaltsangabe sei es erlaubt kurzerhand die Beschreibung zu zitieren:

Eine Afrikareise in der Kindheit wurde für Le Clézio, einem der bedeutendsten zeitgenössischen französischen Schriftsteller, zur Initiation. Hier lernte er eine Welt kennen, die ihn mit ihren fremden Lebensformen, den exotischen Gerüchen und Farben in ihren Bann schlug und nie wieder loslassen sollte. Und so erzählt er von der Reise, die ihn 1948 nach Afrika führte und wo er zum ersten Mal seinem Vater begegnete. Einem Tropenarzt, der in Nigeria Lepra und Sumpffieber kurierte, den Kolonialismus hasste, mit einer Piroge das Landesinnere erkundete und Landschaften und Menschen fotografierte. Und er erzählt die Liebesgeschichte seiner Eltern, die in Kamerun, vor seiner Geburt, spielt, als der Traum eines von Krankheit und Fremdherrschaft befreiten Afrika noch realisierbar schien. (amazon)

Dem Roman sind 15 Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus dem Archiv des Autors beigefügt, stimmungsvolle Bilder – der Vater hat gerne und viel fotografiert …

(Ich werde selbst wohl noch zwei Exemplare ordern, denn in exakt 50 Tagen ist Heiligabend und ich schenke für mein Leben gern ein gutes Buch …)

Lesezeit

Neu im Regal: “Die Attentäterin” (amazon-link) von Yasmina Khadra.

Yasmina Khadra (eigentlich Mohamed Moulessehoul) thematisiert in seinem Werk den Nahostkonflikt und dabei vor allem den palästinensischen Widerstand.

Der Roman beginnt mit einem Blutbad: Wieder einmal sprengt sich in Tel Aviv ein Selbstmordattentäter inmitten von Zivilisten in die Luft. Auch der Arzt Amin Jaafari befindet sich im Tumult und wird Zeuge. Doch traumatischer als der Anblick der Schwerverletzten ist für ihn bald die Erkenntnis: Die Attentäterin war seine Frau.

Amin begibt sich auf die Suche nach den Hintergründen, will jene finden, die Verantwortung zeigen für diese Verzweiflungstat, welche seine Existenz zerstört hat.

Ein Buch, das polarisiert – natürlich. Wer jedoch am Thema interessiert ist und ein besseres Verständnis für all die Dinge, die tagtäglich in Israel und Palästina geschehen, entwickeln möchte – dem sei die Lektüre hiermit nachdrücklich empfohlen. Respekt dem Autor – Hut ab.

Verweis: “Ich weiß genau, wovon ich rede” (Rezension bei 3sat)

1000 Seiten

Bin noch unentschlossen ob der Ausgabe von 25 Talern …

Kaufen oder besser nicht? Derzeit wird “Der Turm. Geschichte aus einem versunkenen Land.” (Uwe Tellkamp) ja zumeist und überall gelobt, ist zum Einen schon preisgekrönt und zum Anderen nominiert …
Die Geschichte interessiert schon, ist vielleicht aber doch zu sehr im Klischee gefangen? Ab und an jedenfalls? Beispiel: die arg strapazierten Knüppelgarden am Dresdner Hauptbahnhof zum Ende des Romans. Weiha …
Da bleibe ich doch gerne noch ein bissel mißtrauisch, zumindest bis zum Beweis des Gegenteils. Vielleicht hat ja jemand aus der geschätzten Leserschaft schon …?

Verweise zum Thema:

lesen aktuell

Derzeit: Die Stille ist ein Geräusch (Juli Zeh).

Ein Reisetagebuch – Bosnien-Herzegowina im Sommer 2001.

Es geht um die tiefe Verstörung der Menschen angesichts der Nichtbeachtung des Landes durch die Völkergemeinschaft, das Nicht-Gesehenwerden durch Europa. >>

Beste Lektüre für Jedermann und Jedefrau (nicht nur für am Land interessierte Reisende, die bereits den kommenden Sommer verplanen).

Roadmovie (Buch)

Das Abenteuer pur – soweit es denn heute noch möglich erscheint – findet sich mitunter auch zwischen zwei Buchdeckeln. 19 Fotos und eine Karte inclusive …

Die Story ganz kurz in einem Satz: Jeroen van Bergeijk fährt mit seinem nahezu schrottreifen 190er Mercedes von den Niederlanden nach Westafrika um diesen in Burkina Faso zu verscherbeln.

Die beiden durchqueren Europa und Marokko, die Sahara und Mauretanien, den Senegal, Gambia, das Landesinnere von Mali und Ghana, erleben in Togo einen Staatsstreich, streifen Benin und landen schließlich in Burkina Faso. Dabei kreuzen sie nicht nur die Spuren berühmter Afrikareisender, sondern können mehr als einmal froh sein über hilfsbereite Einheimische und findige Techniker.

Eine wunderschöne Geschichte im Ganzen, amüsant notiert und nicht ohne Tiefgang. Großes Lob dem wohlfeilen Buch, es kam zur rechten Zeit …

nachlesen

Während der Brockhaus-Verlag aufgrund gestiegener Nachfrage ein wenig zurück rudert und die Online-Ausgabe vorerst verschiebt macht das Bertelsmann Lexikon Institut einen Schritt nach vorn und kündigt das “Wikipedia-Lexikon in einem Band” für September 2008 an.

Ein Euro des Verkaufspreises von 19,95 Euro kommt dabei der Wikimedia Deutschland zugute, die sich vom “lexikalischen Jahrbuch” einiges verspricht:

“Es wird weltweit das erste gedruckte allgemeine Nachschlagewerk auf Basis von Wikipedia-Inhalten sein”, betont Vorstandsmitglied Mathias Schindler. “Wir sind sehr gespannt auf die Resonanz und hoffen, dass damit all jene widerlegt werden, die gedruckte Lexika in Zeiten des Internets schon abgeschrieben haben.”

Ich bin ebenso gespannt, denn – mal so ganz unter uns – Online-Suche schön und gut, aber nichts geht über so ein schmuckes Nachschlagewerk in der Hand…

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