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Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste

Ich habe gelesen: “Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste” von Henno Martin. Der mensch mag ja solch klassische Abenteuerbücher, und dieses ist eines davon – wenngleich auch eines der anspruchsvollen Art.

Zur Inhaltsangabe sei es auch hier erlaubt, den Klappentext zu zitieren:

Zwei frisch promovierte Geologen kommen im September 1935 nach Südwestafrika, forschen im Naukluftgebirge und suchen Wasserstellen für die Farmer. Henno Martin und Hermann Korn lieben die Namib, nach Deutschland zieht sie nichts zurück, und angesichts der heraufziehenden Probleme in Europa werden sie sich einig: Wenn es Krieg gibt, ziehen wir in die Wüste.

Die “freiwillige” Robinsonade der beiden Herren ist ein wunderbarer Exkurs über das Leben in Extremsituationen. Zu den detaillierten Geschichten von Jagd und Tierwelt, Hunger, Durst und witterungsbedingtem Ungemach kommen philosophische Diskussionen über Gott und die Welt. Letztlich gelingt es Henno Martin und Hermann Korn zwei Jahre lang, sich mit Erfolg in der Namib zu verstecken – dann jedoch erkrankt letzterer lebensbedrohlich. Es folgt die Rückkehr in die Zivilisation …

Dieses Buch ist ein ästhetischer Genus im Ganzen – von daher gilt die unbedingte Leseempfehlung meinerseits.

Primitive Harmonik

Auflage 1958

Amüsant zu lesen – das möchte ich euch nicht vorenthalten …

Das wesentliche Element des Jazz, die Improvisation, ist in weitem Maße in die Tanzmusik eingegangen … Das Fundament, über dem improvisiert wird, ist die Harmonik …

Leider wird in Europa und auch von Durchschnittsamerikanern, allzu oft eine sehr fade und primitive Harmonik benutzt. Die Folge davon ist wenig Musik und viel Effekthascherei, die zum Teil die niedrigsten Instinkte im Menschen weckt und zu solchen Auswüchsen wie Rock-and-Roll führt.

So gelesen heute in der “Schallplattenfibel – Wissenswertes von der Schallplatte mit einem musikgeschichtlichen Abriß”.
(1958 erschienen im Fachbuchverlag Leipzig).

Die Stieg-Larsson-Story

Seit dem gestrigen Sonntagabend strahlt das ZDF im Wochentakt die sechsteilige, schwedische Fernsehfassung der “Millennium-Trilogie” aus.

Die nun gezeigte Fassung ist um einiges länger als die Kinoversion, verhilft aber nur bedingt zu neuen Einsichten – wohl eher zu akribischer Ausführlichkeit. Aber sei’s drum – der mensch hat dazumal den dritten Teil im Kino versäumt und wird schon deshalb die Story nachschauen.

Worum es mir jedoch eigentlich geht: im Anschluss an den ersten Teil strahlte das ZDF mit der “Stieg-Larsson-Story” eine sehenswerte Dokumentation zur Person des schwedischen Autors aus. Larrson, der den Erfolg seiner Bücher nicht mehr erleben durfte (er starb am 9. November 2004 im Alter von 50 Jahren an einen Herzinfarkt), war nicht nur Krimi-Autor, sondern auch streitbarer Journalist:

… einer, der gegen Neonazis kämpfte, der Gewalt verabscheute, vor allem Gewalt gegen Frauen … Mit einigen Gleichgesinnten gründete er 1995 in Stockholm das politische Magazin Expo, eine Zeitschrift, die sich bis heute der Beobachtung neo-nazistischer Gruppen und Parteien in Schweden und Europa widmet.

Für seinen Film befragte Martin Uhrmeister ehemalige Kollegen, politische Weggefährten sowie auch die den Nachlass des Autors verwaltende Familie. Herausgekommen ist dabei ein lobenswertes, informatives Porträt des Karl Stig-Erland Larsson, das anzusehen lohnt.

Abrufbar ist die Dokumentation (ca. 45 min) aktuell in der ZDF-Mediathek.

Pirnaer Heft Nummero 7 erschienen

Mit der heute erschienenen Ausgabe ist das siebente Büchlein einer lobenswerten Schriftenreihe erschienen, die sich ausführlich mit der Bau- und Kulturgeschichte der Stadt Pirna beschäftigt: die “Pirnaer Hefte”.

Herausgeber dieser in loser Folge erscheinenden Publikation (das erste Heft erschien bereits im Jahre 1997) ist das Kuratorium Altstadt, welches sich die Erhaltung, die Pflege und Wiederbelebung der Altstadt Pirnas zur Aufgabe gemacht hat.

Die Themen der jetzt vorliegenden Ausgabe kreisen in ihrer Mehrzahl um Pirnas Lage am Fluß. Ihm verdankt die Stadt Wohlstand, er brachte aber auch Ungemach.

So lesen wir – neben anderem – vom “Schiffziehen auf der Oberelbe im 19. Jahrhundert” oder auch die Geschichte des Pirnaers Friedrich Gottlob Köhler, der zum Ende des 18. Jahrhunderts das Eismeer und Grönland bereiste und dazu einen Reisebericht schrieb.

Höchst gefällige Lektüre also, welche die kommenden, dienstfreien Tage auf ihre Art bereichern wird.

Tom Rob Smith: Kind 44

Ich habe gelesen: “Kind 44″ von Tom Rob Smith. Zur Inhaltsangabe gönnen wir uns – wie zumeist – den Blick in den Klappentext:

Moskau, 1953. Auf den Bahngleisen wird die Leiche eines kleinen Jungen gefunden. Nackt. Fürchterlich zugerichtet. Doch in der Sowjetunion der Stalinzeit gibt es offiziell keine Verbrechen. Und so wird der Mord zum Unfall erklärt. Der Geheimdienstoffizier Leo Demidow jedoch kann die Augen vor dem Offenkundigen nicht verschließen. Als der nächste Mord passiert, beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln und bringt damit sich und seine Familie in tödliche Gefahr …

Um es gleich zu sagen: es handelt sich hier um einen wirklich exzellenten Thriller. Der Autor führt uns in eine der dunkelsten Epochen der Geschichte – Bespitzelung, Säuberungen und Willkür bestimmen den Alltag im stalinistischen Russland der frühen 50er Jahre.
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Im Durcheinanderland der Liebe

Ich habe gelesen: “Im Durcheinanderland der Liebe” von François Lelord (die “Hector”-Romane, Sie wissen schon …).

Zur schnellen Inhaltsangabe sei es erlaubt, ausnahmsweise einmal den Klappentext zu zitieren:

Ein junger Inuit kommt als Botschafter seines Stammes nach Paris. Obwohl sich alle für ihn interessieren, fühlt Ulik jeden Abend in seinem Hotel die Einsamkeit in sich aufsteigen, denn in seinem Land ist man niemals allein. Überhaupt ist Ulik verwundert. Im Land der Eskimos sind alle Männer Jäger, die Frauen kauen die Häute weich, machen daraus warme Kleidung und ziehen die Kinder groß. Die Liebe ist ein Austausch von Geschenken unter zwei Menschen, die einander brauchen. In Paris scheint man komplett andere Vorstellungen zu haben. Marie-Alix, Florence und Adèle arbeiten sehr viel, haben Kinder oder auch nicht, und Ulik ist nicht ganz klar, was man als Mann eigentlich machen soll, wenn man sich verliebt. Aber Gefühle fühlen sich doch überall auf der Welt gleich an, oder nicht?

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Bei uns in Auschwitz

Ich habe gelesen: Bei uns in Auschwitz von Tadeusz Borowski.

Keine leichte Kost, nichts zum Nebenher lesen … Tadeusz Borowski schildert uns in seinem Erzählband über Auschwitz die KZ-Realität auf besondere Weise: er verzichtet auf eine klare Trennung von Opfern und Tätern, es gibt keine Tragik, keine Helden und kein Mitleid.

Der Autor, der Auschwitz aus eigener Erfahrung kannte, beschreibt mit Mitteln des fiktionalen Realismus den Massenmord als Alltäglichkeit. Sein Ich-Erzähler ist Häftling eines Arbeits- oder Vernichtungslagers. Zumeist privilegiert als Vorarbeiter, Dachdecker oder – wie in der Erzählung “Menschen, die gingen” – Sanitäter. Mit den “halbwegs auskurierten Kranken” spielt er in Auschwitz Fußball, während in Sichtweite Frauen und Männer aus Eisenbahnwaggons quellen. Der Häftling-Sanitäter konzentriert sich als Torwart auf das Spiel. Nichts anderes ist von Interesse. “Der Ball wanderte von Fuß zu Fuß und kehrte in einem Bogen vors Tor zurück. Ich wehrte ihn ab, aber er ging ins Aus – Ecke. Wieder ging ich ihn holen. Als ich ihn aufhob erstarrte ich: die Rampe war leer… Ich ging mit dem Ball zurück und gab ihn zur Ecke. Zwischen zwei Eckbällen hatte man hinter meinem Rücken dreitausend Menschen vergast.” (dradio)

Borowski beschreibt zudem sehr eindrucksvoll die Tage nach der Befreiung (hier Dachau), in denen die Überlebenden in sogenannten “Displaced Persons”-Lagern leben (allein von diesem Geschehen habe ich nie zuvor gehört geschweige denn gelesen). Alles in allem ist dieses Buch ein erschütterndes Zeugnis des Holocaust.

Was mir letztendlich fehlt sind ein paar ausführliche und erläuternde Worte zum Autor im Nachwort (ja gut, im Klappentext finden sich fünf Sätze). Deshalb auch hier kurz das Wichtigste zur Person …

Tadeusz Borowski, in der Ukraine geborener Pole, legte seine Abiturprüfung an einem geheimen Untergrundgymnasium in Warschau ab und begann an der gleichfalls geheimen Warschauer Untergrunduniversität ein Studium der Polonistik. 1943 wurde er verhaftet, zuerst nach Auschwitz deportiert und kam danach in weitere Lager – letztlich bis Dachau. Nach der Befreiung hielt er sich zunächst in Deutschland (München, Berlin) auf, kehrte dann 1946 nach Polen zurück. Er heiratete seine Verlobte, die ebenfalls die Lagerhaft überlebte und arbeitete hernach als Schriftsteller, schrieb Erzählungen und politische Aufsätze. Im Juli 1951 drehte er den Gashahn auf und nahm sich – noch keine dreißig Jahre alt – das Leben.

Was bleibt sind 28 Erzählungen, deren unbedingte Lektüre hiermit empfohlen sei.

Eine skurrile Irland-Reise

Ich habe gelesen: Tony Hawks – Mit dem Kühlschrank durch Irland.

Es passiert wahrlich nicht oft, dass der mensch bei der Lektüre eines Buches in lautes Gelächter ausbricht … Tony Hawks hat dies jedoch mehrfach geschafft – von daher muss ich dieses Reisebuch einfach weiter empfehlen.

Worum geht es? Nach einer durchzechten Nacht erwacht der Autor mit schwerem Schädel und erinnert sich nur mit Mühe an die vergangenen Ereignisse. Mühevoll rekonstruiert er die letzten Stunden bis ihm schlagartig die Wette einfällt, deren Annahme ihn für die nächsten Wochen auf die grüne Insel bringen wird. Das Besondere daran: er hat sich verpflichtet, innerhalb von vier Wochen die Küste Irlands entlang zu trampen – in Begleitung eines Kühlschranks.

Tony stellt sich dem Ungemach und die absurde Reise beginnt – den Verlauf lest bitte selbst …

Fazit: jedem, der Irland und die schrulligen Engländer mag, jedem, der wieder einmal richtig lachen möchte und jedem, der für seine Lieben noch ein kleines und gutes Geschenk sucht (in 30 Tagen ist Heiligabend), sei dieses etwas andere Reisebuch hiermit ausdrücklich empfohlen.

Pfannkuchen in China

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Ich habe gelesen: Susan Jane Gilman – “Pfannkuchen in China”.

- Die verrückte Reise von zwei jungen Amerikanerinnen ins Reich der Mitte –

Wir schreiben das Jahr 1986. Susan und Claire – den Collegeabschluss eben in der Tasche – beschließen ein Jahr lang die Welt zu bereisen. Mit dem Rucksack natürlich, abseits der touristischen Pfade auf der Suche nach dem Unverfälschten und Authentischen. Das erste Ziel ist die Volksrepublik China – ein Land, welches sich eben erst ein wenig für Individualtouristen geöffnet hat. Ihre Reise, als ein abenteuerlicher Tripp voller Flirts und Spass mit anderen Rucksacktouristen gedacht, entwickelt sich zu einem Alptraum …

Susan Jane Gilman hat mit der Niederschrift dieser wahren Geschichte ein spannendes und unterhaltsames Reisebuch abgeliefert, welches ich hiermit gerne weiter empfehle … Einziges Manko: es gibt leider keine Fotos – die Kameras der Mädels haben bereits bei Reiseantritt ihren Dienst verweigert.

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