Die Angelegenheit ist beinahe zu schön, um wahr zu sein. Von daher kann ich es auch nicht bei den zwei Tweets belassen, sondern muss auch hier – in diesem klitzekleinen Weblog – die Groteske erwähnen.
Siegfried Kauder (CDU), seines Zeichens Vorsitzender des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestages und (unter anderem) auch Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände, kündigte unlängst der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL) einen schnellen Gesetzentwurf an. Dieser sähe in der Hauptsache die sofortige Sperrung von Internetzugängen bei wiederholter Urheberrechtsverletzung durch den Internetnutzer vor …
Mit diesem Vorschlag erntete Klientel-Lobbyist Kauder nicht nur die reichliche Empörung der Netzgemeinde (Markus Beckedahl präsentierte umgehend die passende Antwort), sondern darf nun dazu auch noch ein gutes Maß an verdienter Häme einstecken.
Wir lesen also:
Alexander Double von Piratig.de präsentiert Kauder in einem noch nicht freigeschalteten Beitrag auf Abgeordnetenwatch nämlich zwei Links auf Fotos von der Johanneskirche in Donaueschingen und der Hornberger Burg, die sich sowohl auf seiner Domain als auch anderswo im Web finden – und zwar mit konkreten Herkunftsangaben, die bei Kauder fehlen. Double fordert Kauder deshalb auf, die Lizenzen für die Nutzung der Bilder vorzulegen und macht ihn darauf aufmerksam, dass bei deren Fehlen eine Urheberrechtsverletzung vorliegen würde. Für diesen Fall macht er dem CDU-Politiker folgenden Vorschlag:
Sie nennen mir [...] alle Ihre Internetzugänge (zu Hause, im Bundestag, in Ihrem Parteibüro, Ihre Handys usw.), ich informiere die von Ihnen geschädigten Urheber, und sie erzwingen, dass alle diese Zugänge für 3 Wochen gesperrt werden, um Ihnen das Internet zu kappen. Ich glaube, Sie als Politiker und Volksvertreter sollten hier mit einem guten Beispiel vorangehen. Oder möchten Sie sich und Ihre Kollegen aus dem Wirkungskreis des von Ihnen propagierten Gesetze herausnehmen? Das Gesetz soll das Volk, gängeln, auf Sie aber nicht zutreffen?
Nachdem Double dies in seinem Blog gepostet hatte, fand ein Leser, der sich Syd Mounep nennt, mit Hilfe der Google-Bildersuche heraus, dass ein Teil von Kauders Header-Grafik möglicherweise ungenehmigt vom Freilichtmuseum Vogtbauernhof und ein weiters grafisches Element von einer Schwarzwald-Touristikseite übernommen wurde. Mounep zog deshalb den Schluss: “Es sieht so aus, als ob die Fotos auf der Seite komplett zusammengeklaut sind”.
Weiterlesen bitte bei Telepolis – dort sind auch alle Verweise zu finden.
Bisher war Siegfried Kauder für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die fraglichen Bilder wurden über Nacht entfernt – auf Archive.org kann jedoch die Seite im vorherigen Zustand eingesehen werden.
Inzwischen wurde der Beitrag auch auf abgeordnetenwatch.de freigeschaltet, die Antwort steht freilich auch hier noch aus … Wir dürfen gespannt sein. :]
Verweis: Sehr geehrter Herr Kauder (piratig.de)
PS: der von Peter Mühlbauer im TP-Artikel verwendete Urheberrechtsextremist ist im Übrigen auch für mich das Wort des Tages – mindestens.