Wenn wir mit “bunt” Vielfalt meinen, und damit gar noch auf eine vorhandene “Willkommenskultur” anspielen wollen – dann stimmt das mitnichten. Festmachen lässt sich dies an einem unrühmlichen Kapitel Pirnaer Stadtgeschichte – was die eindeutig rassistisch motivierte Kampagne gegen den geplanten Standort des neues Heimes für Asylsuchende in den Roten Kasernen meint.
Worum ging es dabei? Der Landkreis Sächsische Schweiz – Osterzgebirge ist ebenso wie alle anderen Kreise zur Aufnahme von Asylsuchenden verpflichtet. Da das Asylbewerberheim Langburkersdorf nach mehreren Bränden nicht mehr bewohnbar ist, wurden die Asylsuchenden in verschiedenen Heimen der Landesdirektion Dresden untergebracht. Der Landkreis suchte zwischenzeitlich nach einem Standort für eine neue Gemeinschaftsunterkunft und befand die Roten Kasernen in Pirna für tauglich – Ende September sollte in der Kreistagssitzung darüber abgestimmt werden.
Dazu kam es jedoch nicht mehr. Am 23. September wurde dem Landrat Michael Geisler eine Unterschriftenliste übergeben, mit der sich ca. 750 Anwohner_innen und 64 Firmen aus Pirna gegen den neuen Standort wenden.
Auch auf Facebook meldeten sich Pirnaer_innen zu Wort: so wurde gefordert, die Asylsuchenden in die Euthanasieanstalt auf dem Pirnaer Sonnenstein zu stecken. Der NPD-Kreisverband begleitete die Hetzkampagne mit einem eigens herausgegebenen Flugblatt. Das muß bei der Wortwahl der Initiator_innen der Unterschriftenlisten auch nicht verwundern, verwendeten sie doch das gleiche Vokabular wie die Neonazipartei. Die vorgebrachte Ablehnung stützt sich auf rassistische Vorurteile. So schreibt eine “besorgte Bürgerin”: “Es ist völlig verständlich, dass die Bewohner um Ihre Sicherheit und Ihr Eigentum bangen. Zumal dahinter auch noch eine Schule ist. Und direkt daneben eine Wohnsiedlung und viele Leute auch für viel Geld Wohnungen und Grundstücke gekauft haben.”
Inzwischen erklärte der Landrat, dass es in Pirna-Süd geben kein neues Flüchtlingswohnheim geben wird – und schiebt finanzielle und zeitliche Gründe vor.
Mit Blick auf diese Art von “Willkommenskultur” muten Kampagnen – wie etwa die “Pirna ist bunt”-Aktion (verantwortlich hier die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU des Landkreises (MIT), die Ostsächsische Sparkasse Dresden und die Aktion Zivilcourage) – mindestens – befremdlich an.
Sie zeigen eine Realitätsfremde, die von nicht-weißen Bewohner_innen der Sächsischen Schweiz seit Beginn kritisiert wird. Noch immer ist es für Menschen, die in Bezug zur Mehrheitsgesellschaft als “anders” wahrgenommen werden, in der Sächsischen Schweiz unmöglich, ohne Beschimpfung und Bedrohung zu leben. Daran ändern auch Veranstaltungen wie der Markt der Kulturen nichts, wenn dort weiterhin Migrant_innen als “Kulturobjekte” präsentiert werden und nicht als Teil der Gesellschaft.
Das unterschreibe ich so, und empfehle hiermit den lobenswerten Beitrag Pirna – Ort der Vielfalt? (AKuBiZ e.V.) ausdrücklich zur weiteren Lektüre. Im Gegensatz zu meinem “Anriss” hier wird das Thema dort in der gebotenen Ausführlichkeit besprochen.