Category Archives: Lokales
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Die Schlossberglinden werden gefällt

Pirna – die über 100jährige Lindenallee am Schlossberg: wir werden nun Zeugen des letzten, leider nicht mehr zu verhindernden Aktes.

Am Donnerstag, 10. November 2011, beginnt die Fällung der sieben von den derzeit acht verbliebenen Linden an der Schlosstreppe. Der Stadtverwaltung liegen alle dafür notwendigen Genehmigungen vor und sie setzt damit die entsprechenden Stadtratsbeschlüsse um.

Die Arbeiten erfolgen unter naturschutzfachlicher Überwachung und sollen voraussichtlich bis 12. November 2011 beendet werden. Im Frühjahr 2012 wird eine neue Lindenallee nach historischem Vorbild die Altbäume ersetzen.

Verweis: Pressemitteilung der Stadt Pirna.

Theater im Uniwerk: “Top Dogs”

“Top Dogs” ist ein zeitgenössisches Drama des Schweizer Autors Urs Widmer. Zur Uraufführung gelangte es 1996 in Zurüch. “Top Dogs” ist 1997 im Verlag der Autoren erschienen und wurde im gleichen Jahr beim Berliner Theatertreffen erfolgreich präsentiert (Regie von Volker Hesse).

Ganz kurz zum Inhalt – worum geht es?

Das Drama … befasst sich mit gekündigten Topmanagern, die der völligen Entfremdung von ihrem Beruf, ihrem Privatleben und sich selbst zum Opfer gefallen sind und nun mit Hilfe der New Challenge Company versuchen, ihr Leben in den Griff zu bekommen und möglichst schnell einen neuen Job zu erhalten.

So weit, so gut. Ich muss sagen, mein Interesse an der Aufführung beruhte mehr auf dem Interesse am Spiel der Uniwerk-Gruppe als an dem Stück an sich. Es wäre trotzdem einmal schön zu erfahren, aus welchen Gründen die Wahl der diesjährigen Aufführung ausgerechnet auf die “Top Dogs” fiel …

Im Fazit kann ich jedoch sagen, dass sich die Vorfreude und der Besuch gelohnt haben: die spielfreudigen Mimen waren mit Herzblut bei der Sache, wirkten souverän und auch sicher im Text. Licht und das spartanische Bühnenbild wurden keinesfalls als störend empfunden – es fügte sich wunderbar ein zum gelungenen Ganzen (Regie: Jirko Kegler), welches zu Recht mit viel Applaus belohnt wurde.

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Neue Gräberstätte am Elbhang

Gestern wurde die „Gräberstätte am Elbhang Pirna-Sonnenstein“ zum Gedenken an die mehr als 13 000 „Euthanasie“-Opfer eingeweiht. Ein fast sieben Meter hohes Gedenkkreuz erinnert nun an eines der größten Massengräber aus der Zeit des Nationalsozialismus in Sachsen.

Noch einmal zur Erläuterung: die Heilanstalt Pirna-Sonnenstein fungierte während des Nationalsozialismus als eine von sechs Tötungsanstalten des sogenannten “Euthanasie”-Programms. In den Jahren 1940/41 wurden hier 13 720 vorwiegend psychisch kranke und geistig behinderte Menschen sowie über 1000 (nicht mehr arbeitsfähige) Häftlinge aus Konzentrationslagern ermordet und anschließend verbrannt. Die Asche aus den Verbrennungsöfen wurde einfach am angrenzenden Elbhang aufgeschüttet. Im Jahre 2002 wurden archäologische Grabungen begonnen, die im Ergebnis das Vorliegen menschlicher Knochen bestätigten. Mit dem Bau der Anlage wurde dann im August dieses Jahres begonnen, die Finanzierung (etwa 150 000 Euro) übernahm der Freistaat Sachsen.

Das Aschefeld ist jetzt durch schwarz/weiss bemalte Bäume am Elbhang hervorgehoben, und das über sechs Meter hohe Kreuz aus schlichtem, künstlerisch bearbeitetem Stampfbeton zeigt den symbolischen Schichtenaufbau der Asche.

Verweis: Gräberstätte Pirna-Sonnenstein eingeweiht.

Pirna ist bunt? Mitnichten.

Wenn wir mit “bunt” Vielfalt meinen, und damit gar noch auf eine vorhandene “Willkommenskultur” anspielen wollen – dann stimmt das mitnichten. Festmachen lässt sich dies an einem unrühmlichen Kapitel Pirnaer Stadtgeschichte – was die eindeutig rassistisch motivierte Kampagne gegen den geplanten Standort des neues Heimes für Asylsuchende in den Roten Kasernen meint.

Worum ging es dabei? Der Landkreis Sächsische Schweiz – Osterzgebirge ist ebenso wie alle anderen Kreise zur Aufnahme von Asylsuchenden verpflichtet. Da das Asylbewerberheim Langburkersdorf nach mehreren Bränden nicht mehr bewohnbar ist, wurden die Asylsuchenden in verschiedenen Heimen der Landesdirektion Dresden untergebracht. Der Landkreis suchte zwischenzeitlich nach einem Standort für eine neue Gemeinschaftsunterkunft und befand die Roten Kasernen in Pirna für tauglich – Ende September sollte in der Kreistagssitzung darüber abgestimmt werden.

Dazu kam es jedoch nicht mehr. Am 23. September wurde dem Landrat Michael Geisler eine Unterschriftenliste übergeben, mit der sich ca. 750 Anwohner_innen und 64 Firmen aus Pirna gegen den neuen Standort wenden.

Auch auf Facebook meldeten sich Pirnaer_innen zu Wort: so wurde gefordert, die Asylsuchenden in die Euthanasieanstalt auf dem Pirnaer Sonnenstein zu stecken. Der NPD-Kreisverband begleitete die Hetzkampagne mit einem eigens herausgegebenen Flugblatt. Das muß bei der Wortwahl der Initiator_innen der Unterschriftenlisten auch nicht verwundern, verwendeten sie doch das gleiche Vokabular wie die Neonazipartei. Die vorgebrachte Ablehnung stützt sich auf rassistische Vorurteile. So schreibt eine “besorgte Bürgerin”: “Es ist völlig verständlich, dass die Bewohner um Ihre Sicherheit und Ihr Eigentum bangen. Zumal dahinter auch noch eine Schule ist. Und direkt daneben eine Wohnsiedlung und viele Leute auch für viel Geld Wohnungen und Grundstücke gekauft haben.”

Inzwischen erklärte der Landrat, dass es in Pirna-Süd geben kein neues Flüchtlingswohnheim geben wird – und schiebt finanzielle und zeitliche Gründe vor.

Mit Blick auf diese Art von “Willkommenskultur” muten Kampagnen – wie etwa die “Pirna ist bunt”-Aktion (verantwortlich hier die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU des Landkreises (MIT), die Ostsächsische Sparkasse Dresden und die Aktion Zivilcourage) – mindestens – befremdlich an.

Sie zeigen eine Realitätsfremde, die von nicht-weißen Bewohner_innen der Sächsischen Schweiz seit Beginn kritisiert wird. Noch immer ist es für Menschen, die in Bezug zur Mehrheitsgesellschaft als “anders” wahrgenommen werden, in der Sächsischen Schweiz unmöglich, ohne Beschimpfung und Bedrohung zu leben. Daran ändern auch Veranstaltungen wie der Markt der Kulturen nichts, wenn dort weiterhin Migrant_innen als “Kulturobjekte” präsentiert werden und nicht als Teil der Gesellschaft.

Das unterschreibe ich so, und empfehle hiermit den lobenswerten Beitrag Pirna – Ort der Vielfalt? (AKuBiZ e.V.) ausdrücklich zur weiteren Lektüre. Im Gegensatz zu meinem “Anriss” hier wird das Thema dort in der gebotenen Ausführlichkeit besprochen.

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Im Peter-Ulrich-Haus öffnet das Tom-Pauls-Theater

Es ist an der Zeit für einen neuerlichen Blick auf das Peter-Ulrich-Haus. Wir erinnern uns: der sächsische Schauspieler und Kabarettist Tom Pauls hat das einstige Wohnhaus des Baumeisters Peter Ulrich (1440-1513/14) 2008 erworben und baut es zum Sitz der Ilse-Bähnert-Stiftung um – inklusive Museum, Kleinkunstbühne und Café.

In wenigen Wochen soll das Haus nun eröffnen – am 11. November wird sich der Vorhang im neuen “Tom-Pauls-Theater” erstmals öffnen. Die Bühne (180 Plätze) möchte ein breit gefächertes Repertoire bieten: Lesungen, Kammermusik und Jazzkonzerte sollen neben Kabarett und Theater geboten werden. Natürlich wird der Mime oft selbst zu erleben sein – die Figur der Ilse Bähnert wird eine feste Größe im Programm der Bühne sein.

Seine Bühne soll „ein kleines kulturelles Zentrum im Elbtal“ sein. Geplant sei auch eine Familienserie. „Die in Pirna angesiedelte Komödie wird extra geschrieben.” … Ein Mundarttheater werde aus dem einst baufälligen Gebäude, seiner „Hornzsche“, aber nicht. „Es ist ein Haus für die sächsische Seele.“ (DNN 15.09.2011)

Der Spielplan steht bis zum Jahresende, und ist auch im Netz zu finden. Tickets sind allerdings Mangelware, insbesondere jene Stücke, in denen Tom Pauls in Persona zu sehen ist, sind längst ausverkauft.

Pirna begegnet Afrika

Unter dem Motto “Pirna begegnet Afrika” wird vom 7. bis 20. November 2011 vor Ort eine Veranstaltungsreihe initiiert, welche die Pirschen Bürgerinnen und Bürger umfassend über den südlich gelegenen Nachbar-Kontinent und seine Bewohner informieren möchte. Mit diversen Diavorträgen, Ausstellungen und Filmabenden wird dazu ein guter Mix von Veranstaltungen geboten, der soweit ganz interessant klingt.

So habe ich mir etwa zwei kleine Ausstellungen (“Wir Afrikaner” im Rathaus-Foyer und „Sächsische Entwicklungsprojekte in Äthiopien und Tansania“ im Canaletto-Haus) notiert.

Dazu käme bei Zeit und Gelegenheit (?) noch „Mali. Von den Dogon bis Timbuktu“ – ein Dia-Vortrag mit Frank Schulz (der Inhaber von “schulz aktiv reisen”) in der Stadtbibliothek und „Afrikanische Migranten in der DDR“, ein Dokumentarfilm mit Vortrag in der “Oase”.

Als Initiatoren dieser Veranstaltungsreihe sind zum Einen der Verein “Maripa – Leben für die Eine Welt” und zum Anderen die “Aktion Zivilcourage e. V.” benannt.

Für Interessierte – das ganze Programm findet sich hier.

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Diskriminierung und Teilhabe

Noch bis zum 21. Oktober ist in Pirna eine kleine Wanderausstellung zum Thema “Unterschiede, die einen Unterschied machen – Diskriminierung und Teilhabe” zu sehen. Ich habe sie mir gestern angesehen und kann den Besuch empfehlen – die einzelnen Module sind übersichtlich arrangiert und durchaus informativ. Insbesondere für Schulklassen würde sich der Besuch der Ausstellung lohnen, 45 informative Minuten (mit Aha-Effekt!) sind garantiert. Denn Diskriminierung betrifft nicht nur Farbige oder Migranten, sondern auch Frauen, Behinderte, Homosexuelle und Alte. Sie begegnet uns im Alltag bei der Wohnungssuche (“Haben Sie Kinder?”), auf dem Amt und auch schon am Ticketautomaten, der nicht immer barrierefrei oder mehrsprachig ausgestattet ist.

Es gibt Unterschiede, die einen Unterschied machen – egal ob wir eine Arbeit suchen, einen Termin auf der Behörde haben oder im Garten sitzen. Diskriminierung ist eine gesellschaftliche Realität.

Was ist Diskriminierung? Was macht Diskriminierung mit Menschen? Wie geht es anders? Die Ausstellung irritiert mit ihrem innovativen Konzept bewusst viele gewohnte Sicht- und Denkweisen.

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Die Entwicklung des Flugwesens

Ich habe hier schon manchmal das ehemalige Speisehaus des VEB Strömungsmaschinen Pirna (welcher sich – neben anderem – der Herstellung von Triebwerken für die DDR-Luftfahrtindustrie verschrieben hat) erwähnt. An diesem Sonntag haben die Investoren das Haus (eigentlich nur das Treppenhaus) für Interessierte (und potentielle Käufer) geöffnet und über die Umbaupläne informiert. Wir erinnern uns: 15 großzügige Loft-Wohnungen sollen dort errichtet werden.

Wir haben diesen Termin genutzt, um speziell das bemerkenswerte Treppenhaus – mit Lampen, Kronleuchter und Wandbild – einmal im Original zu sehen. Insbesondere dem Wandbild »Die Entwicklung des Flugwesens«, 1958 von Kroth und Dolinsky (Akademie der Künste Dresden) geschaffen, galt unsere Aufmerksamkeit.

Die Lichtverhältnisse, sprich das gleißende Sonnenlicht und die langen Schatten, ließen allerdings keine großformatigen Kompositionen zu – mehr ging heute einfach nicht, aber für einen ersten Eindruck reicht es wohl.

Ach ja, wen es interessiert – wir haben einmal nachgefragt: eine 130 Quadratmeter-Wohnung wäre für gute 206 000 Taler zu bekommen … Baustart ist im kommenden Jahr.

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