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Die Stieg-Larsson-Story

Seit dem gestrigen Sonntagabend strahlt das ZDF im Wochentakt die sechsteilige, schwedische Fernsehfassung der “Millennium-Trilogie” aus.

Die nun gezeigte Fassung ist um einiges länger als die Kinoversion, verhilft aber nur bedingt zu neuen Einsichten – wohl eher zu akribischer Ausführlichkeit. Aber sei’s drum – der mensch hat dazumal den dritten Teil im Kino versäumt und wird schon deshalb die Story nachschauen.

Worum es mir jedoch eigentlich geht: im Anschluss an den ersten Teil strahlte das ZDF mit der “Stieg-Larsson-Story” eine sehenswerte Dokumentation zur Person des schwedischen Autors aus. Larrson, der den Erfolg seiner Bücher nicht mehr erleben durfte (er starb am 9. November 2004 im Alter von 50 Jahren an einen Herzinfarkt), war nicht nur Krimi-Autor, sondern auch streitbarer Journalist:

… einer, der gegen Neonazis kämpfte, der Gewalt verabscheute, vor allem Gewalt gegen Frauen … Mit einigen Gleichgesinnten gründete er 1995 in Stockholm das politische Magazin Expo, eine Zeitschrift, die sich bis heute der Beobachtung neo-nazistischer Gruppen und Parteien in Schweden und Europa widmet.

Für seinen Film befragte Martin Uhrmeister ehemalige Kollegen, politische Weggefährten sowie auch die den Nachlass des Autors verwaltende Familie. Herausgekommen ist dabei ein lobenswertes, informatives Porträt des Karl Stig-Erland Larsson, das anzusehen lohnt.

Abrufbar ist die Dokumentation (ca. 45 min) aktuell in der ZDF-Mediathek.

Black Swan

“Black Swan” von Darren Aronofsky ist ein durchaus sehenswerter Psychothriller – mit der wunderbaren Natalie Portman in der Hauptrolle. Ich habe mir den Streifen gestern angesehen und kann ihn mit gutem Gewissen empfehlen.

Die Handlung ist im Milieu des New York City Balletts angesiedelt: Natalie Portman spielt die Ballerina Nina, die mit der Hauptfigur im “Schwanensee” endlich die Rolle ihres Lebens bekommt … Wer nun einen der von den üblichen Klischees geprägten Tanzfilme erwartet liegt falsch und wird mit argem Schrecken eines Besseren belehrt.

Kein Film von Kunst und Magie, von Grazie und verführerischer Unschuld. Eher ein dunkler Streifen, der von der kranken Sucht nach Perfektion erzählt, und von gnadenloser Selbstkasteiung in unserer Welt des schönen Scheins.

Sebastian's Voodoo

Sebastian’s Voodoo from Joaquin Baldwin on Vimeo.

Ein zweiter, wunderbar berührender Animationsfilm von Joaquin Baldwin – der hier im Blog schon erwähnte “The Windmill Farmer” stammt ebenfalls von ihm. Der Mann stammt aus Paraguay, ist 27 Jahre jung und lebt und arbeitet derzeit in Los Angeles. “Sebastian’s Voodoo” wurde erstmals im Juni 2008 gezeigt und zu Recht mit inzwischen mehr als einhundert, internationalen Preisen bedacht.

Vielleicht hat ihn ja die Eine oder der Andere noch nicht gesehen …

Stellan Skarsgård ist "Ein Mann von Welt"

Mit “Ein Mann von Welt” findet sich derzeit einmal mehr eine Perle des skandinavischen Kintopps im lokalen Kinoprogramm – ein wunderbarer Film, der hiermit wärmstens empfohlen sei.

Anbei die Story:

Ulrik (Stellan Skarsgård) ist gerade den schwedischen Gardinen entronnen, da stellt sich ihm die Frage – neues Leben oder altes? Eigentlich möchte er schleunigst die ungnädige Vergangenheit so weit wie möglich hinter sich lassen. Seinen Sohn will er wiedersehen und sich an dessen Nachwuchs erfreuen. Wie es sich für einen in die Jahre gekommenen Gangster gehört.
Er findet einen Job in einer Autowerkstatt, bekommt eine Topfpflanze geschenkt und verliebt sich in die Tochter vom sehr redseligen Chef. Eine verschrobene alte Dame gibt ihm Kost und Quartier und will als Gegenleistung lediglich auch ihren – erotischen – Appetit gestillt wissen. Einem ganz normalen Leben steht also eigentlich nichts mehr im Wege.
Wenn da nicht die offen gebliebenen Rechnungen wären. Sein Gangsterfreund Jensen bedrängt ihn, dort weiterzumachen, wo er einst aufgehört hat. Den Verräter von damals hat Ulriks alte Bande ausfindig gemacht und den nötigen Schlachtplan noch dazu. Doch ganz so einfach gehen Familie und Verbrechen eben nicht zusammen. Plötzlich soll Ulrik seinen Enkel nicht mehr sehen dürfen, seine Freundin will nichts mehr von ihm wissen und Jensen drängelt immer weiter, endlich auf Rache statt auf Ruhe zu sinnen. Denn Gangster vergessen nicht. Obwohl sie manchmal gerne würden.

Im Großen und Ganzen können wir den Streifen schon als eine Komödie deklarieren – wenn auch als eine rabenschwarze, die mitunter etwas derb daher kommt. Dem Betrachter präsentiert sich ein bunter Reigen seltsam skurriller Figuren, wie sie ähnlich auch in “Populärmusik aus Vittula” von Mikael Niemi oder auch in Roy Anderssons “Das jüngste Gewitter” zu finden sind. Die Story ist abwechslungsreich, und überraschende Wendungen lassen die 111 Minuten wie im Fluge vergehen …

Kurzum – ein wunderbarer Film!

Verweis: Ein Mann von Welt – die Website zum Film.

The Road

Mittendrin in der Apokalypse: ein Vater zieht mit seinem ca. 10 Jahre alten Sohn durch eine verwüstete Welt. Nach einer ökologischen Katastrophe wächst nichts mehr, die Tiere sind fast ausgestorben, Nebel und Asche über der grauen Landschaft. Banden streifen durch das Land, die zum Zwecke des Nahrungserwerbs Jagd auf alles machen, was die Katastrophe überlebt und Beine hat. In der Hoffnung auf Wärme und eine lebenswerte Welt versuchen Vater und Sohn in den Süden zu gelangen und dabei das Gute in sich zu bewahren.

“The Road” ist ein finsteres Endzeit-Drama voller dunkler, beängstigender und oft auch schaurig-schöner Bilder. Das Kammerspiel zwischen Vater und Sohn ist für mich perfekt inszeniert, Viggo Mortensen spielt die Figur des Vaters mit bewundernswerter Hingabe. Die Musik von Nick Cave und Warren Ellis setzt das “i-Tüpfelchen” …

Allein die Story lässt an Inhalt und Substanz zu wünschen übrig – schon die fehlende Erklärung der apokalyptischen Ereignisse scheint mir da ein arges Versäumnis.

Von daher also nur eine bedingte Empfehlung meinerseits (ein stabiles Nervenkostüm vorausgesetzt).

Verweis: “The Road” – die Webseite zum Film.

“Jud Süß – Film ohne Gewissen”

Ich habe mir vor kurzem den neuen Film von Oskar Roehler angesehen und bin ein wenig hin-und her gerissen in meinem Fazit.

Das (meines Erachtens) sehr gute Spiel der Mimen (alle überragend Tobias Moretti) steht einer – zumindest in Teilen – fragwürdigen Regieleistung gegenüber, die beim Zuschauer einen schalen Beigeschmack hinterlässt.

Künstlerische Interpretation hin oder her, wenn wichtige Fakten der Geschichte solcherart verfremdet interpretiert beziehungsweise ganz außen vor gelassen werden (wie etwa der nicht unwesentliche Umstand, dass Ferdinand Marian sich im Nachgang keineswegs seiner Rolle grämte und seine Verzweiflung im Alkohol ertrank, sondern weiterhin Karriere bei den Nazis machte – er drehte weitere elf Filme bis 1945), dann ist der Vorwurf der Geschichtsfälschung durchaus berechtigt. Dazu die im Film als Halbjüdin dargestellte Ehefrau Marian’s (die tatsächlich jedoch Katholikin war) – ein Umstand, der den Verlauf der Handlung ganz wesentlich beeinflusst. Beruht doch hier die Annahme der Rolle seitens Marian’s auf eben dieser Erpressbarkeit mit dem Leben seiner Frau – was im Tatsächlichen nie ein Thema war.

Hier kann man also getrost von der versuchten Reinwaschung einer Figur – zumindest aber von einer Verklärung – sprechen, die es so nie gegeben hat. Ferdinand Marian scheint mir sehr wohl gewusst zu haben, worauf er sich mit seiner Hauptrolle im “Jud Süß” einließ:

Marian war politisch desinteressiert. Er gehörte keiner politischen Partei an. Er war also auch kein Anhänger des Nationalsozialismus. Er machte sich eher über die Politik und die Politiker aller Couleur lustig. Sein Biograph, der Berliner Medienwissenschaftler und promovierte Psychologe Friedrich Knilli, charakterisiert ihn als schwierigen Menschen, der sein Leben lang unter der Missachtung litt, die er in seinem Elternhaus und in seiner Jugend erfahren hatte. Das zeigte sich daran, dass ihm seine Wirkung auf andere Menschen, insbesondere auf Frauen, immer ganz außerordentlich wichtig war. Deshalb maß er auch seiner Resonanz beim Publikum große Bedeutung bei und litt darunter, wenn er (wie nach 1945) kein Publikum hatte. (Wikipedia)

Aber: mit dem Wissen um die wahren Hintergründe sich diesen Film als eine künstlerische Interpretation des Themas ansehen – das geht sehr wohl. Da darf man sich durchaus an dem brilliant spielenden Ensemble (Martina Gedeck und Justus von Dohnányi seien hier genannt) erfreuen und sich über einen bis dato ungekannten Moritz Bleibtreu wundern …

Es bleibt allerdings die Frage, bei wie vielen Kinobesuchern von 100 sich dieses Wissen voraussetzen lässt …

Verweis: “Jud Süß – Film ohne Gewissen” (Film-Webseite)

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