Category Archives: Film

Interview Project Germany

Das “Interview Project Germany” kann der mensch eigentlich gar nicht genug loben – es ist einfach nur großartig.

Präsentiert wird die Dokumentarreihe von David Lynch, federführend zeigen sich jedoch sein Sohn Austin Lynch und Jason S. – wer immer das auch sein mag …

Was ist Interview Project Germany? Eine so einfache wie geniale Idee – ein Roadtrip quer durch Deutschland – hunderte von Kilometern von Ost nach West und von Nord nach Süd. Eine Reise, die von ganz und gar zufälligen Begegnungen mit fünfzig sehr unterschiedlichen Menschen lebt. Jeder dieser Menschen hat der IPG Filmcrew eine andere Geschichte erzählt – seine eigene. Vom Lebensglück, plötzlichen Wendungen und lebenslanger Suche, vom Scheitern, Angst und Wiederaufstehen, von Sehnsucht, Liebe und Glauben. Persönlich und unerwartet, authentisch und berührend. Viele von ihnen haben ihr Leben so noch nie mit jemandem geteilt.

Das Ergebnis: ganz gewöhnliche Menschen erlauben uns ganz ungewöhnliche Einblicke. Werdet Zeugen dieser einzigartigen Lebensgeschichten!

Ich habe für diesen Eintrag nur drei Episoden ausgewählt – bei hoffentlich gewecktem Interesse schaut hier vorbei, 18 der insgesamt 50 Videos stehen bereits zur Ansicht bereit. (via) (via)

Schnupfen im Kopf

Schnupfen im Kopf ist ein Film von Gamma Bak aus dem Jahr 2010.

Die Berliner Filmemacherin erzählt uns in diesem autobiografischen Film ihre eigene Geschichte, die Geschichte einer schweren psychischen Krankheit – der Psychose. Wir sehen eine Dokumentation, zusammengesetzt aus Interviews und Schnipseln aus Videotagebüchern.

Was ist passiert?

Mit 18 ging ich auf die Filmhochschule und wurde Filmemacherin.
Mit 30 hatte ich einen Nervenzusammenbruch, eine Psychose. Und dann wieder und wieder. Ich wurde chronisch krank.

Nach 7 Jahren mit der Krankheit begann ich mich zu filmen und Familie und Freunde um Videobriefe zu bitten. 8 Jahre später ist der Film fertig geworden, die Langzeitbeobachtung begleitet meinen Weg zurück zum „normalen“ Leben.

Indem ich mich dem Film als Prozess aussetze, erlaube ich einen direkten Einblick in das Ringen mit der Diagnose „Psychose“ und der Stigmatisierung, die ich erfahren habe. Der subjektive Zugang zum Thema erscheint mir notwendig, auch wenn es mir anfänglich sehr schwer gefallen ist, mich zu „outen“. Ich beziehe Position, wie ich mit der Krankheit lebe und mich arrangiert habe.

Menschen mit meiner Erkrankung sind gezeichnet und gebeutelt. Sie leben zumeist recht ausgegrenzt auf Frührente oder von Hartz 4, können in den seltensten Fällen normal arbeiten, geschweige denn Filme über ihr Schicksal machen. Das Leben ist zerrissen von Krankenhausaufenthalten und langen Phasen der Rekonvaleszenz. Das Selbstbewusstsein ist angegriffen und der ewige Kampf mit den notwendigen Medikamenten und gegen die Nebenwirkungen, die die Lebensqualität beeinträchtigen ist zermürbend.

Wenn ich meine Interviews betrachte, sehe ich etwas Verblüffendes. Den geduldigen Versuch über Jahre hin tatsächlich zu berichten, was es heißt diese schwere Krankheit zu ertragen und zu leben. Was ich mir abverlangt habe, hat sich gelohnt. Es ist ein schonungsloser Blick ohne Voyeurismus. Ein einzigartiges Zeugnis aus dem Inneren dieser tabuisierten psychischen Erkrankung.

Die Krankheit wird aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, von Menschen, die Gamma Bak nahestehen. Dazu immer wieder Rückblicke und der Versuch, die Ursachen zu benennen.

Herausgekommen ist letztendlich ein außergewöhnlicher, sehr persönlicher und intimer Film, der Respekt abverlangt. Respekt vor all der schonungslosen Offenheit im Umgang mit einer in dieser Gesellschaft weitgehend tabuisierten Krankheit.

Verweis: Schnupfen im Kopf – ein Film von Gamma Bak.

Der Dieb des Lichts

Der Elektriker Svet-Ake lebt in einem Dorf inmitten der Weiten Kirgisistans.

Er ist beliebt bei den Menschen, hat er doch ein gutes Herz und ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Nöte. Und so läßt er schon mal die Stromzähler rückwärts laufen – bei denen, welche die hohen Energiekosten kaum zahlen können – und das sind fast alle im Dorf.

Die Behörde wird misstrauisch, der Trick fliegt auf – Svet-Ake gerät mit dem Gesetz in Konflikt und verliert seinen Elektriker-Posten.

Trotzdem lässt er nicht ab von seiner kühnen Vision: einen Windpark zu bauen, welcher die Dorfgemeinschaft ein für allemal aus der Misere um die steigenden Kosten führt. Um diesen Traum zu verwirklichen, muss er sich allerdings mit dem korrupten Bürgermeister und dubiosen Geschäftsleuten arrangieren …

“Der Dieb des Lichts” ist eine Tragikkomödie und sensible Milieustudie zugleich. Aktan Abdykalykow – seines Zeichens Regisseur und Hauptdarsteller in einer Person – erzählt locker-lakonisch vom bedauernswerten Zustand seiner Heimat, von schwindender Moral, den verarmten Dorfbewohnern zum Einen und skrupellosen Geschäftemachern zum Anderen. Dabei verzichtet er weitestgehend auf dramatische Töne – statt dessen liegt über der Geschichte ein verschmitztes Lächeln, voller Sympathie für die viel zu oft so leichtgläubigen Menschen seiner Heimat.

Ein besonderer Film, weit weg von den üblichen Sehgewohnheiten.

Verweis: Der Dieb des Lichts (offizielle Website).

Nordkorea: Pyongyang Style

Pyongyang Style from Steve Gong on Vimeo.

Steve Gong, seines Zeichens Multimedia-Journalist aus London, war mit einer chinesischen Touristengruppe fünf Tage in Nordkorea und hat bemerkenswerte Aufnahmen aus dem isolierten und abgeschotteten Land mitgebracht.

Die rigiden Auflagen bezüglich der Fotoausrüstung umging er, indem er seine Canon 5D als eine reine Fotokamera ausgab. Das Display wurde mit einem speziellen Klebeband getarnt, zudem hat der gute Mann schon vor seiner Reise das Handling der Kamera studiert, um nicht durch den Sucher blicken zu müssen und somit aufzufallen. Und zu guter Letzt hatte er auch noch das Glück, bei der Ausreise nicht besonders kontrolliert zu werden.

Somit sehen wir also ganz und gar ungewohnte, weil inoffizielle und authentische (allerdings auch unkommentierte) Bilder vom Alltagsszenario der Menschen in Nordkorea – und das hat Seltenheitswert. (alles via)

rango

Rango

Ein Chamäleon wird bei einem Beinahe-Unfall mitsamt Terrarium aus dem Auto geschleudert und findet sich mitten in der Wüste wieder. Auf der Suche nach Wasser gelangt es in eine heruntergekommene Westernstadt, deren Bewohner ihn fälschlicherweise zum Helden küren. Das angeberische Reptil wird zum Sheriff berufen und mit der Aufgabe betraut, den eklatanten Wassermangel im Städtchen zu beheben…

Ich habe diese überaus wortreiche Western-Persiflage heute im “Kinder-Animationskino” gesehen und bin nur mäßig begeistert. Großartige Optik und bewundernswert schräge Charaktere stehen im Gegensatz zu einer nur wenig überraschenden und all zu vorhersehbaren Geschichte. In Summe mit der – nach meinem Empfinden – lieblos umgesetzten Synchronisation (insbesondere David Nathan als Rango ist eine glatte Fehlbesetzung) wurde mir somit das zweifelhafteste Kinoerlebnis seit langem beschert.

Verweis: Rango (offizielle Webseite).

Kurzfilm: DIE ÜBERRASCHUNG

Die Protaganisten: Olaf, seine Exfreundin Julia und Flup, der Goldfisch.

Die Handlung: Olaf will seine Ex zurückgewinnen. Dafür verschafft er sich heimlich Zutritt in ihre Wohnung und möchte sie mit einem Abendessen überraschen.

Gibt es ein Happy End? Ja, aber nicht für alle.

Buch und Regie: Lancelot von Naso, Deutschland 2004.

Spieldauer: gute zehn Minuten. Weitere Infos zum Film finden sich hier.

(Gefunden habe ich den herzerfrischend-amüsanten Streifen in diesem Video-Archiv)

Sir Peter Jackson mimt den Hobbit

Regisseur Peter Jackson (Der Herr der RInge) posiert als Bilbo für die Kamera …

Die beiden Bilder schmückten die Pressemitteilung zum Produktionsstart von Jackson’s neuem Film “Der kleine Hobbit”, dessen erster Teil im kommenden Jahr in die Kinos kommen soll (Teil zwei folgt in 2013). Ebenso wurde die Riege der DarstellerInnen verkündet – so es denn hoffentlich dabei bleibt:

Großartig! Der mensch als ein großer Freund der Mittelerde-Saga muss wohl nicht extra betonen, wie sehr er sich auf diese Verfilmung freut … (alles via via)

BRN – Bunte Republik Neustadt 1990

Früher war alles besser – schon klar. Bezogen auf die BRN ist das allerdings schon so, wie dieser 23minütige Rückblick (Medienwerkstatt Dresden) auf die erste Bunte Republik im Jahr 1990 beweist.

Viel geblieben ist davon nicht – was jetzt vor allem das Fest meint. Als langjähriger Bewohner des demokratischen Sektors der Stadt Dresden darf der mensch das sagen – ist ja alt genug inzwischen (wenn auch nicht weiser).

Danke! für den Verweis auf dieses kostbare Stück Zeitgeschichte.

PS: der Fanfarenzug ist mein klarer Favorit.

POLL

Das Mädchen Oda schreibt Tagebuch, und Gedichte auch. Sie möchte einmal Schriftstellerin werden. Ort der Handlung ist das Gut Poll, zu finden an der baltischen Ostseeküste. Wir schreiben das Jahr 1914, Europa steht am Vorabend des Ersten Weltkrieges …

Oda begleitet die sterblichen Überreste ihrer Mutter, mit der sie bis zu deren Tod in Berlin lebte. Auf Poll, dem Gut der adligen deutschbaltischen Familie, trifft das temperamentvolle und etwas altkluge Mädchen auf eine Gesellschaft, die inmitten eines porösen Idylls ihrem Zusammenbruch entgegengeht. Ihr Vater Ebbo, ein verschrobener Arzt und Hirnforscher, widmet sich fanatisch seinen von der akademischen Lehre missachteten Studien; ihre somnambule Tante Milla ist in eine Affäre mit dem schroffen Verwalter Mechmershausen verstrickt; Cousin Paul, junger Kadett der russischen Armee, macht der herablassenden Verwandten ungeschickt den Hof. Als Oda zufällig einen von zaristischen Truppen schwer verwundeten estnischen Anarchisten in einem verlassenen Nebengebäude findet, entscheidet sie aus einem romantischen Impuls heraus, ihm zu helfen …

“Poll” ist der dritte Film von Regisseur Chris Kraus (“Vier Minuten“). Er beruht auf den losen Erinnerungen der Schriftstellerin Oda Schäfer (1900 bis 1988), welche eine geborene Kraus und seine Großtante war. Und er ist wahrhaftig ein Meisterwerk!

Dem Betrachter erschließt sich ein beängstigend realistischer Einblick in eine zum Untergang verurteilte Gesellschaft. Das excellent agierende Ensemble (Paula Beer und Edgar Selge spielen superb!) bietet in Summe mit dem fulminanten Szenario alles, was der am guten Film interessierte Mensch sich wünscht: die faszinierende Umsetzung einer brillianten Geschichte.

Wie heißt es so schön: Filme werden für das Kino gemacht. Und so ist es auch: “Poll” (die sehr gute Website zum Film) ist allerbestes Breitwandkino aus deutschen Landen, das einen hoffnungsfroh in die Zukunft blicken lässt.

Scroll to top