RAPPELSNUT

04/09/14 Buch #

Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

Ich habe gelesen: “Das geraubte Leben des Waisen Jun Do” von Adam Johnson.

So richtig vermag wohl niemand von uns einzuschätzen, wie der Alltag für die Menschen in Nordkorea aussieht. Wer allerdings diesen Roman gelesen hat, kommt der Thematik ein gutes Stück näher, denn “Das geraubte Leben des Waisen Jun Do” ist ein Nordkorea-Roman. Der Amerikaner Adam Johnson recherchierte sechs Jahre lang für dieses Werk, sprach mit Flüchtlingen und reiste in das abgeschottete Land, um sich ein genaueres Bild zu machen.

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05/05/14 Buch # ,

Vor allen Dingen war ich ein Kind

Vor allen Dingen war ich ein Kind

Ich habe gelesen: “Vor allen Dingen war ich ein Kind – Erinnerungen eines jüdischen Jungen aus Pirna” von Esra Jurmann.

Esra Jurmann wurde am 20.05.1929 als Sohn eines jüdischen Kaufmannes in Pirna geboren. Als Kind erlebte er die Schrecken des Nationalsozialismus und schrieb diese nieder. Die Notizen gelangten in die Hände des Historikers Hugo Jensch, und diesem ist es letztlich zu verdanken, dass die Erzählung einen Verleger fand und anno 2008 erscheinen konnte.

Der Autor erzählt in sachlich nüchterner Weise von der Zerstörung des väterlichen Geschäfts zur Reichspogromnacht, den Repressionen im Schulalltag und dem anschließenden Aufenthalt in den Dresdner Judenhäusern. Es folgt die Deportation in das Ghetto in Riga und der anschließende Aufenthalt in mehreren Konzentrationslagern. Mutter und Bruder überlebten dies nicht, Esra Jurmann konnte sich jedoch der tödlichen Bedrohung entziehen und überlebte dank glücklicher Umstände. Nach dem Krieg suchte er seinen ebenfalls überlebenden Vater und fand ihn in London, wo er sich dann auch niederließ. Er verstarb im Alter von 84 Jahren am 27. März 2014.

Ich habe von den Grausamkeiten und dem Schrecken nicht im Einzelnen gesprochen, weil ich es nicht will. Die Schrecken der Konzentrationslager sind gut dokumentiert. Ich wollte von der anderen Seite sprechen, die es auch gab, obwohl sie sehr oft überschattet war.

Das nur 96 Seiten umfassende Büchlein “Vor allen Dingen war ich ein Kind – Erinnerungen eines jüdischen Jungen aus Pirna” ist im goldenbogen verlag erschienen und für 9,90 EUR zu erwerben.

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24/02/14 Buch #

Agota Kristof: Das große Heft

Agota Kristof: Das große Heft

Ich habe gelesen: “Das große Heft” von Agota Kristof.

In diesem Fall habe ich zuerst die Verfilmung der Romans gesehen, ohne diesen gelesen zu haben, und mich dann doch entschlossen, das Original zu lesen. Sie erinnern sich vielleicht – erzählt wird die Geschichte zweier Jungs, die von ihrer Mutter zur Großmutter aufs Land gebracht werden. Zum Schutz vor den Bombardements und vor dem Hunger, der in den letzten Kriegsjahren in den Großstädten grassiert … Die Zwillinge müssen hart arbeiten, ihre im Dorf als “Hexe” benannte Großmutter ist von ihrer Gegenwart wenig begeistert und sowieso alles andere als fürsorglich. Um sich für dieses harte Leben zu stählen, üben und trainieren die Jungen, sie betteln, stehlen, töten und stellen sich taub und blind. Sie lernen schnell und dank ihrer eiskalten, von keinerlei Emotionen gesteuerten Logik überleben sie das große Sterben. Trotz der alltäglichen Brutalität und Grausamkeit bewahren sich die beiden einen Rest von Rechtschaffenheit und Glauben an die Gerechtigkeit …

Im Roman wird die Geschichte etwas ausführlicher als im Film geschildert, zudem finden sich einige wenige Episoden auch nur im Buch oder sind im Film leicht verändert. Die Autorin erzählt jedoch noch kälter und brutaler, als dies der Film zu vermitteln vermag, was mir mit dem Blick auf die Thematik allerdings auch angemessen und letztlich überaus gelungen scheint. Mit 176 Seiten ist der Roman erstaunlich kurz – bei Zeit und Muße ist er an einem Abend zu lesen. Die verstörenden Bilder jedoch, welche diese Geschichte im Kopf erzeugt, werden wohl nicht so schnell vergessen sein …

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17/01/14 Buch #

Wolfgang Herrndorf: Sand

Wolfgang Herrndorf: Sand

Ich habe gelesen: Sand von Wolfgang Herrndorf.

1972, irgendwo in der Nordsahara. In einer Hippie-Kommune werden vier Menschen erschossen, ein mysteriöser Geldkoffer verschwindet und auf dem Dachboden einer Scheune, in welcher illegal Schnaps gebrannt wird, erwacht ein Mann mit einer schweren Kopfverletzung. Er kann sich an nichts erinnern – nicht einmal an seinen Namen. Zutiefst verwirrt begibt er sich auf die Suche nach seiner Identität, und gerät dabei von einer Katastrophe in die nächste …

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09/12/13 Buch #

Arbeit und Struktur – das Buch

Arbeit und Struktur – das Buch

Ich habe an dieser Stelle schon einige Male den Hut vor Wolfgang Herrndorf gezogen … Von daher sei es erlaubt, hiermit auf das Erscheinen von “Arbeit und Struktur” (das Weblog) als Buch zu verweisen.

Herrndorfs letzte Aufzeichnungen sind im Rowohlt Verlag erschienen, umfassen 447 Seiten und sind für 19,95 Euro im gut sortierten Buchhandel zu erhalten.

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30/11/13 Buch # , ,

Hardy Grüne: Tour d’Afrique

Hardy Grüne: Tour d’Afrique

Ich habe gelesen: “Tour d’Afrique” von Hardy Grüne.

12.000 Kilometer, zehn Länder und etwa 120 Renntage in vier Monaten. Die Tour d’Afrique wird seit 2003 ausgetragen und führt von Kairo nach Kapstadt. Sie gilt als das längste und härteste Radrennen der Welt … Vom Veranstalter wird lediglich eine elementare Grundversorgung gestellt – was die medizinische und technische Betreuung, die Streckenmarkierung, die Verpflegung und eine simple Campingmöglichkeit zur Nacht betrifft. In allem anderen sind die Teilnehmer_innen Selbstversorger.

Hardy Grüne – seines Zeichens Sport-Journalist und Buchautor – hat 2011 an diesem Rennen teilgenommen und es gemeistert. Mit der Niederschrift der Ereignisse ist es ihm in lobenswerter Weise gelungen, sämtliche Aspekte des Martyriums zu betrachten: die körperliche und seelische Belastung, die Begegnung mit dem afrikanischen Kontinent an sich – sprich die stetig wechselnden Landschaften und Lebensbedingungen der Menschen vor Ort, und vor allem natürlich auch den sportlichen Anspruch.

Im Fazit ist dieser Bericht ein großartiges Tagebuch einer bemerkenswerten Reise durch Afrika. Er fesselt von der ersten bis zur letzten Seite und ist somit unbedingt lesenswert – nicht nur für den mehr oder weniger ambitionierten Hobby-Radsportler …

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21/10/13 Buch #

Stefan Heym: Schwarzenberg

Stefan Heym: Schwarzenberg

Ich habe gelesen: Schwarzenberg von Stefan Heym.

Wir erinnern uns: das Gebiet um Schwarzenberg (eine kleine Stadt im Erzgebirge) wurde nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht 1945 weder von amerikanischen noch von den sowjetischen Truppen besetzt. Mangels einer arbeitsfähigen, neuen Obrigkeit nahmen einige beherzte Menschen vor Ort ihr Schicksal in die eigenen Hände …

… Tabula rasa, wir allein, und ohne einen fremden Herrn, der uns über die Schulter sieht, um zu kontrollieren, ob wir’s denn auch nach seinem Willen machen.

Stefan Heyms Roman beruht also auf Tatsachen, die handelnden Personen sind jedoch frei erfunden. Der Autor zeichnet das Geschehen als eine politische Utopie, die sozialistisch geprägt ist. Nach der Gründung des antifaschistischen Aktionsausschusses zur Leitung der Region geht es zunächst und vor allem um die Versorgung der Menschen mit dem Notwendigen. Daneben steht die Problematik des Umgangs mit den noch verbliebenen Vertretern der alten Ordnung, und letztlich übernehmen die neuen Amtsinhaber die Verhandlungen mit den Besatzungsmächten. Ob es letztlich gelingen wird, die auf den Trümmern des Dritten Reiches erbaute Freie Republik Schwarzenberg dauerhaft zu etablieren?

Der Autor verbindet das historische Geschehen gekonnt mit der Schilderung persönlicher Schicksale. Als Protagonisten treten diverse Mitglieder des Aktionsausschusses auf, Kommunisten, ehemals Inhaftierte und Emigranten neben amerikanischen und russischen Offizieren, deren Schicksale mitunter verwoben sind.

Fazit: der Roman über diese unerhörte, kaum zu glaubende deutsche Nachkriegszeit-Geschichte fesselt von der ersten bis zur letzten Seite – von daher unbedingte Leseempfehlung meinerseits.

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