Der Medicus

Die Bestseller-Verfilmung des Mittelalter-Schmökers von Noah Gordon, pünktlich zu den Feiertagen und lange Jahre nach dem Erscheinen der Roman-Vorlage (1986). Sie wissen schon: die Geschichte des jungen Medicus Rob Cole, der das finstere England verlässt, um nach Persien zu reisen und am Hof des Schahs Student des berühmtesten Arztes seiner Zeit zu werden …

Ich habe das Buch bis dato nicht gelesen, und somit die dem Vernehmen nach beste Vorraussetzung, den Film anzuschauen. Daher fühlte ich mich in den 2,5 Stunden auch ganz gut unterhalten und kann diesem teutonischen Blockbuster im Fazit einen hohen Schauwert bescheinigen. Opulente Bilder und ein ordentlich agierendes Schauspiel-Ensemble (Tom Payne und Ben Kingsley spielen alle anderen bravourös an die Wand) machen den Streifen zu einem durchaus ansehenswerten, visuellen Erlebnis. Einem Kino-Erlebnis mit Abstrichen – um diese Ansage kommen wir leider nicht drum herum.

Denn dem Film mangelt es schlicht am Tiefgang. Die Geschichte wirkt zur Gänze oberflächlich, Klischee folgt auf Klischee und alles ist perfekt auf ein breites Massenpublikum zugeschnitten. Damit erinnert „Der Medicus“ leider fatal an die üblichen, meist grauenvoll inszenierten, sogenannten Fernseh-Eventfilme. Die großen Konflikte der damaligen Zeit (die religiöse Dogmen, der Clash der Kulturen) hätten deutlich besser herausgearbeitet sein müssen, zudem schwächelt die Dramaturgie doch ab und an arg (wieso kann Rob plötzlich lesen und dann gleich arabisch?).

Aber gut, wir wissen schließlich vorher, worauf wir uns beim Besuch des Popcorn-Kinos einlassen: nette Unterhaltung und gut. Und das bekommen wir ja auch geboten – anschauen lohnt – wie eingangs schon erwähnt. Zukünftig wird bei mir jedoch die Skepsis überwiegen, wenn Philipp Stölzl die Regie führte.

3 Kommentare
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Kommentare

  • derbaum

    3. Januar 2014 um 19:32 Uhr
    Antwort

    danke für die rezension, also bleibt der film aussen vor, ich hab schliesslich das buch gelesen ;)

    • Rappel
      zu derbaum

      4. Januar 2014 um 17:41 Uhr
      Antwort

      Es sei denn, du bist ein absoluter Medicus-Fan. Dann musst du ins Kino und selbst urteilen … :)

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RAPPELSNUT ist ein reich bebildertes Tagebuch im Netz. Der Autor lebt in Pirna, einer kleinen alten Stadt an der Elbe und schreibt hier über dieses und jenes, was den Alltag versüßt oder über den Tag hinaus erwähnenswert scheint. Wer mitliest, ist willkommen und eingeladen, die Dinge freundlich zu diskutieren.

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