Zu einer möglichen Kandidatur von Georg Schramm (Wikipedia) für das Amt des Bundespräsidenten wird es nicht kommen – …

Georg Schramm wird nicht kandidieren

Zu einer möglichen Kandidatur von Georg Schramm (Wikipedia) für das Amt des Bundespräsidenten wird es nicht kommen – der Kabarettist erklärte sich gestern zum Thema und plädierte für die Abschaffung des Bundespräsidentenamtes.


In der nun am Mittag bekannt gewordenen Erklärung äußerte Schramm, er sehe seine Aufgabe nach wie vor darin, mit den Mitteln des politischen Kabaretts gegen eine Politik zu kämpfen, die zunehmend vom Recht der Stärkeren beherrscht werde und mit der Kraft der Lobbyisten und Interessenverbände die demokratische Gewaltenteilung unseres Rechtsstaates bedrohe. In der lebhaften Diskussion seiner möglichen Kandidatur im Internet sehe er nicht nur eine Bestätigung seiner Arbeit, sondern auch eine neue Qualität und Dynamik der gesellschaftpolitischen Diskussion jenseits der herkömmlichen Medien, die ihn überrrascht und beeindruckt habe. Diese neue Kraft gelte es zu stärken. In einer Kandidatur sehe Schramm aber keine Möglichkeit, dem Missbrauch des Präsidentenamtes durch die etablierten Parteien entgegentreten zu können. Vielmehr solle man versuchen, das Amt des Bundespräsidenten dem Zugriff der Parteien zu entziehen: Entweder durch Abschaffung oder durch Direktwahl – letzteres auf die Gefahr hin, dass die Besetzung von Schloss Bellevue dann offen von Kai Diekmann und Friede Springer entschieden werde. In diesem Fall könne dann neu über seine Kandidatur diskutiert werden. (Telepolis)

Natürlich wäre Schramms Kandidatur nur eine symbolische gewesen (ebenso wie die von der Linken diskutierte Aufstellung von Beate Klarsfeld) – schon klar. Zumindest wäre damit aber endlich ein wirklich unabhängiger, überparteilicher Kandidat berufen worden, der nicht nur meine vollste Sympathie gehabt hätte (die FefezanktmitdenPiratenunddiePiratenzankenmitFefe-Geschichte bleibt jetzt und hier außen vor).

Sei’s drum. Die Gründe seiner Ablehnung sind freilich nachvollziehbar – das Amt als solches ist im Grunde natürlich irrelevant und daher auch überflüssig wie ein Kropf. Womit wir bei der zweiten Leseempfehlung zum Thema angekommen wären: SpOn veröffentlichte gestern einen vorzüglichen Kommentar von Helmut Däuble, in dem dieser den Sinn des Präsidentenamtes hinterfragte und das Spektakel um dessen Neuaufstellung vortrefflich sezierte. Dabei kommt er zu folgendem Fazit:

Solange wir einen – egal wie integeren und intellektuellen – Bundespräsidenten vorgesetzt bekommen, der uns die Welt deuten soll, wissen wir, dass wir bestenfalls auf dem Weg zu einer mündigen Gesellschaft sind. Geistige Anführer haben nur vordemokratische Gesellschaften. Die Deutungshoheit von Bundespräsidenten ist somit zum Relikt, womöglich zum Ballast geworden. Wir brauchen keine – wie auch immer geartete – Könige mehr.

Das ist definitiv das Beste, was das ehemalige Nachrichtenmagazin seit langem zu bieten hatte – Bravo dafür und meinen Dank an den Autor!

4 comments on “Georg Schramm wird nicht kandidieren

  1. wobei fefe aber recht hat, wie ich finde. die piraten kommen ganz allgemein nicht so recht aus der hüfte. jetzt noch nicht mal nur auf die präsidentenkürgeschichte bezogen. da erwarte ich stellenweise mehr elan bei denen.

    • rappel Reply

      Finde ich auch – sie scheinen so ganz und gar mit sich selbst beschäftigt. Mal abgesehen von den ACTA-Demos … Aber auch dort fehlte der “BUMS”, ein wenig mehr Organisation hätte auch der Demo in Dresden nicht geschadet. Stellenweise schien mir diese doch von allgemeiner Hilflosigkeit geprägt (wie jetzt? und was machen wir nun mit den ganzen Leuten und wer sagt jetzt etwas?) …

  2. “und was machen wir nun mit den ganzen Leuten und wer sagt jetzt etwas?”

    haha. ja, sehr schön zusammengefasst! ich als alter demogänger habe ob der situation in dresden auch etwas gefremdelt. soo viele menschen, und so wenig action.
    das kenn ich aus den guten alten tagen ™ alles anders :D

    auf die piraten und deren alltagsgeschäft bezogen finde ich (als alter basisdemokröt *hust*) aber nicht, dass die “uns” voraus schreiten sollten. vielmehr sollten die ein feineres gespür für gedanken und gefühle von “uns” hier “unten” entwickeln. und entsprechend in ihrem politischen handeln umsetzen.

    ob fefe jetzt das “unten” repräsentiert weiss ich nicht. aber im sinne einer liquiden demokratie würde ich ihn gerne in den allermeisten fällen für mich sprechen lassen.
    causa schramm hat es einmal mehr gezeigt…

    • rappel Reply

      Volle Zustimmung meinerseits – in beiden Belangen.

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