Schützengrabengeruch im Museum

Wie es in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs roch? Das läßt sich neuerdings – neben anderem – im Militärhistorischem Museum Dresden erfahren.
Wir haben diesem gestern einen Besuch abgestattet – wobei uns primär der “Dresdner Keil” lockte, weniger die Militärgeschichte an sich. Der Architekt bezeichnet den Neubau ja selbst “als bislang reinsten Libeskindbau”, von daher ist die Inaugenscheinnahme des Gebäudes nahezu ein Pflichtbesuch. Und er lohnt allemal …
Architektonische Gestaltung
Der keilförmige, asymmetrische Neubau durchdringt den massiven, klassisch gegliederten Altbau. Eine transparente Fassade aus Metalllamellen überlagert den historischen Baukörper. Der Neubau stellt einen Einschnitt, eine Störung in das Gebäude dar und verändert nicht nur die äußere Gestalt, sondern auch das innere Raumgefüge grundlegend. Seine Räume folgen ihrer Funktion und stehen in klarem Kontrast zu dem starren, horizontal ausgerichteten Säulenraster des Altbaus. Immer wieder durchbricht der Neubau den Altbau und eröffnet dem Besucher auf allen Ebenen überraschende, räumliche Verschränkungen und Ausblicke… Gleichzeitig ist der Libeskindbau schon als erstes und größtes Exponat des neuen Museums zu verstehen. Er selbst wird zum Gewaltinstrument, das das Arsenal zerschneidet. Der Keil als Symbol organisierter Gewalt. Er bricht mit alten, autoritären, starren Strukturen und steht in seiner Transparenz für die Offenheit der demokratischen Gesellschaft und die veränderte Rolle des Militärs in Deutschland
Dreißig Meter hoch und damit acht Meter mehr als die säulenverzierte Triumphbogenfront des Mittelflügels, eröffnet der Neubau aus der Spitze des Keils einen spektakulären und neuen Blick auf Dresden. Auch hier liegt Symbolik im Entwurf. Die Spitze des Keils verweist auf die Stelle an der in der Nacht vom 13. Februar 1945 die ersten Bomben der Alliierten Luftangriffe einschlugen. Der Besucher wird auf die schwierige Geschichte der Stadt verwiesen und sieht gleichzeitig mit neuer Perspektive auf ein sich stetig entwickelndes Dresden.
Ich denke auch nach meinem Besuch, dass die ungewohnte Architektur das Sehenswerteste am Komplex ist. Die zeitgemäße Gestaltung ist explicit gelungen – Glas, Stahl und nackter Beton harmonieren und würden auch jedwedem anderen, musealen Ort wohl gut zu Gesicht stehen.








Die (ein wenig unübersichtliche) Ausstellung selbst ist durchaus interessant – sofern man am Thema interessiert ist. Sie teilt sich in unterschiedliche Bereiche, die zur Gänze kaum fassbar sind – das Beste wäre wohl, sich auf einen Zeitabschnitt zu beschränken. Auch die Innenarchitektur ist alles andere als langweilig: immer wieder tun sich interessante Blicke auf, die das eine oder andere Kleinod der Sammlung auf ungewohnte Weise präsentieren.
Von daher sei also der Besuch dieses musealen Neubaus empfohlen. Dem Vernehmen nach soll der Eintritt noch bis Ende Februar frei sein. Und wenn man den Ort nicht zu den klassischen Zeiten besucht, bleibt der Besucherstrom auch noch halbwegs übersichtlich. Wir waren am Samstag mittags bis gegen 15.00 Uhr vor Ort, hatten kein Parkplatzproblem und mussten auch nicht anstehen. Fotografieren im Gebäude war kein Problem und ich hoffe, dass die obigen Schnappschüsse einen kleinen Einblick zur Sache geben …

vielleicht schaff ich es auch noch ohne ein salär da zu lassen…. (neugierig bin ich schon lange… (der architektur wegen…)
Deswegen habe ich die Gelegenheit jetzt beim Schopfe gepackt – so groß ist mein Interesse an Militärgeschichte auch wieder nicht. Es langt dann auch, das Ganze einmal im Leben gesehen zu haben, glaube ich.