Am vergangenen Wochenende war das. Was also Königstein in der Sächsischen Schweiz meint, und nicht den gleichnamigen Ort …

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Fachwerk – irgendwo in Königstein

Am vergangenen Wochenende war das. Was also Königstein in der Sächsischen Schweiz meint, und nicht den gleichnamigen Ort im Taunus, den ich vor Jahren auch einmal besucht habe.

Besonders sympathisch ist mir weder der eine noch der andere Ort – aus Gründen.

12 comments on “Fachwerk – irgendwo in Königstein

  1. scheen is – königstein sowieso – steht viel zu sehr im schatten der festung die seinen (ihren?) namen trägt….

    • rappel Reply

      Klar gibt es schöne Ecken in K., wie auch im Bild zu sehen. Und hässliche – wie überall. Das Elbufer, der Bahndamm und die Bundesstraße sind einige. Fragwürdig finde ich aber auch immer wieder die Straßenschilder in Frakturschrift – das stinkt zum Himmel …

  2. im prinzip geb ich dir recht – das mit der frakturschrift gibt es aber andernorten auch – z.b. in freiburg! bestimmt ist es irgendwie unsensibel in dereh schon verrufenen gegend auch noch klischees zu bedienen…

  3. Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass Fraktur (gebrochene Schrift) nichts mit den ursprünglichen Nazis zu tun hat. Im Gegenteil:

    Ein Erlass des NSDAP-Regimes von Januar 1941, in welchem Martin Bormann in Hitlers Auftrag die der Fraktur ähnliche Schwabacher als „Judenschrift” bezeichnete, erklärte dann jedoch die Antiqua zur „Normalschrift“; Schwabacher und Fraktur galten fortan als unerwünscht, so dass NSDAP-treue Zeitungen und Verlage, insbesondere solche mit Auslandsgeltung, zum durchgehenden Gebrauch der lateinischen Schrift, insbesondere der Antiqua, übergingen. Der Duden erschien 1941 letztmalig in Fraktur.

    In den Anfangsjahren der Nazizeit galten gebrochene Schriften noch als »deutsch«. So kann sich die Bewertung ändern: Politischer Missbrauch einer Gruppe von Schriften, die es mindestens seit 550 Jahren gibt.

    Zugegeben: Gebrochene Schriften werden zur Zeit ohne Sinn und Verstand von manchen Fußball-Anhängern eingesetzt, die besondere Traditionen des 1953 gegründeten Vereins Dynamo Dresden pflegen. Einige Randgruppen der Neonazi-Szene haben eine Weile mit Fraktur experimentiert. Aber insgesamt muss man sagen: Fraktur hat weder mit alten noch mit neuen Nazis etwas zu tun.

    Man kann eine Schriftart oder eine Gruppe von Schriftarten nicht daran messen, was damit möglicherweise in der Vergangenheit für Missbrauch getrieben wurde. Dann müsste man das Setzen von Büchern ganz einstellen ;-)

    Zu den gebrochenen Schriften zählt unter anderem die Schrift, in der die Gutenberg-Bibel gesetzt wurde. Auch die Schriften der 1848er Revolution sind in Fraktur gesetzt. In letzteren steckt viel mehr Demokratie und Liberalismus, als die jungen Rechtsradikalen auch nur ahnen. Weiterhin wird Fraktur auch manchmal von Leuten benutzt, die sich als Bildungsbürger ausgeben möchten. Beispiel:

    http://stefanolix.wordpress.com/2009/07/12/fumare/

    Jedenfalls kann man nicht pauschal sagen, dass Königstein durch Schilder in Fraktur in einen schlechten Ruf gerät.

    • rappel Reply

      Vielen Dank für den kleinen Exkurs. Nichtsdestotrotz lässt sich der Bezug der Frakturschrift zum Dritten Reich nicht mehr aus der Welt schaffen, denn die Nazis haben die Fraktur-Schriften überhöht und (bis 1941! Anm. rappel) als die einzig »wahre deutsche Schrift« propagiert. (siehe Fontblog: Fraktur ist (auch) eine Nazi-Schrift)

      Ich weiß nicht, wer wann (mit welchen Mehrheiten) die Umgestaltung der Beschilderung in Königstein beschlossen hat. Angesichts der bekannten Wahlergebnisse darf man diese jedoch getrost als mindestens “unsensibel” bezeichnen, wie derbaum es so schön formuliert hat.

      Und natürlich geht es nicht nur um die Straßenschilder – wer mit offenen Augen (und Ohren!) durch den Ort läuft wird alsbald fündig … Hier ist noch ein Beitrag zum Thema, der dessen Brisanz ordentlich aufzeigt, und den überaus verdienten, schlechten Ruf des Ortes bestätigt.

      • Sind in Königstein wirklich alle Straßenschilder in Fraktur? Das muss doch Unsummen gekostet haben. Soweit ich weiß, verursacht ein einziges Schild Kosten in der Größenordnung 300 bis 500 Euro.

        Die Wikipedia gibt für Königstein folgende Zusammensetzung des Stadtrats an:

        Freie Wähler 45,8 %
        CDU 25,6 %
        Die Linke 9,6 %
        NPD 8,9 %
        SPD 6,5 %

        Gegenüber dem SPIEGEL-Artikel ist das doch ein gehöriger Unterschied.

        Der Beitrag aus dem SPIEGEL ist sieben Jahre alt und seitdem ist doch einiges anders geworden. Herr Leichsenring ist nicht mehr am Leben. Seine Parteigenossen haben sich im Sächsischen Landtag immer wieder blamiert. Die Zustimmung in der Bevölkerung ist stark gesunken.

      • rappel

        “Die Zustimmung in der Bevölkerung ist stark gesunken.”

        Da ist jetzt wohl der Wunsch der Vater des Gedankens? Oder lässt sich das mit aktuellen Zahlen belegen?

        Wie naiv bist du eigentlich?

      • Wie soll man denn das Wahlergebnis sonst interpretieren? Wer sich die Mühe macht, ohne Vorurteile in die Statistik zu schauen, sieht folgende Ergebnisse:

        2004 gab es in der Tat ein erschreckendes Wahlergebnis: 21,1% für die NPD. In dieser Zeit ist der Artikel im SPIEGEL entstanden.

        2009 entfielen nur noch 8.9% (302 von 3 385) Stimmen auf die NPD (jeder Wähler hat drei Stimmen zu vergeben). In Pirna waren es übrigens 7.1%. In Dresden waren es noch ganze 3.66%.

        Damit ist jedenfalls die Aussage berechtigt: Die Zustimmung zur NPD ist in der Stadt Königstein zwischen 2004 und 2009 stark gesunken. Eine Kommunalwahl ist die einfachste Form der politischen Willensäußerung. Man kann bei extremistischen Parteien davon ausgehen, dass das Wählerpotential ausgeschöpft wird. Die 8.9% haben der NPD keinerlei politische Gestaltungsmöglichkeit gegeben. Sie hat einen Sitz im Stadtrat.

        Quelle: Wahlergebnisse | Gemeinde | Landkreis “Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge” klicken | Königstein auswählen.

  4. @ stefan – auch dir geb ich recht – mich ärgert es, daß diese schriftfamilie durch das dritte reich so negativ besetzt ist. ich bin eigentlich damit aufgewachsen – meine oma hat bis an ihr lebensende sütterlin geschrieben und ich hab wohl mehr abenteuer-bücher in “deutsch” als in “latein” gelesen… und irgendwann sollte man vielleicht auch aufhören sich zu schämen. nicht desto trotz ist es eine sensible gegend – ich kenne genug leute die sagen – “da kommen alle unsere nazis her”… und klischees halten sich eben lange in den köpfen!

    • Ja, aber man kann ja seine Meinung ab und zu mit der Realität abgleichen ;-)

      Ich lese gerade eine interessante Autobiographie über die Jugend des Publizisten Joachim Fest (»Ich nicht.«). Er wuchs in den 1930er Jahren in einer Familie auf, die katholisch und demokratisch eingestellt war. Interessant sind die Ratschläge, die er in diesem Umfeld von Verwandten, Lehrern usw. bekommen hat. Einer der Ratschläge bezog sich auf den Unterschied zwischen den Leuten, die auf alles eine Antwort haben und den anderen Leuten, die zu allem noch Fragen haben …

  5. rappel Reply

    @stefanolix: das ist die Theorie, und vielleicht etwas zu pauschalisiert. Ich sehe das Ganze etwas skeptischer, und in diesem Dokument (Struktur und Wahlanalyse der NPD in Sachsen vom Kulturbüro Sachsen, PDF) wird da auch etwas mehr differenziert:

    Gegenüber den Kommunalwahlen 2004 konnte die NPD ihre Stimmenergebnisse in den Kreistagen von 13 auf 44 Sitze mehr als verdreifachen. Mit ihren überdurchschnittlichen Wahlergebnissen stachen erneut die NPD-Hochburgen Reinhardtsdorf-Schöna, Trebsen, Sebnitz und Königstein hervor, die bereits in den vergangenen beiden Kommunalwahlen überregional bekannt wurden. Dabei ist der Rückgang der Stimmenanteile in Königstein von 21 auf knapp 10% auf den Unfalltod des NPD-Vorzeigekandidaten und Inhaber eines Fahrschulunternehmens Uwe Leichsenring, sowie auf einen Neuzuschnitt der Wahlkreise zurückzuführen. Einzig in Wurzen Stadt musst die NPD trotz guter Ausgangslage deutliche Stimmenverluste hinnehmen.

    • Aus den Angaben des statistischen Landesamtes geht nicht hervor, dass der Wahlkreis in und um Königstein verändert worden wäre. Dort wird angegeben:
      2009: 2.048 Wahlberechtigte
      2004: 2.205 Wahlberechtigte
      Das lässt sich durch die demografische Entwicklung erklären. Insofern sehe ich keinen Grund zu der Annahme, dass man die Zahlen nicht vergleichen darf.

      In der PDF-Datei stimmt übrigens das Datum der Wahl nicht. Die Wahl, auf die ich mich bezogen habe, war am 07. Juni 2009.

      Das NPD-Ergebnis für Königstein lag 2009 nicht bei »knapp 10%«, sondern bei 8.9%. In der Tabelle in der PDF-Datei ist auch ein anderes Ergebnis eingetragen. Geht es dort vielleicht um eine ganz andere Wahl? Wurde im Jahr 2008 ein Kreistag gewählt, während im Jahr 2009 die Kommunalwahl stattfand?

      Zu einem Ergebnis sind immer viele Interpretationen möglich. Meine Aussage ist jedenfalls durch die zitierte Meinung nicht widerlegt. Wenn das Ergebnis von 2008 wirklich bei 9.9% gelegen hat, dann ist im Jahr 2009 ein weiterer Rückgang auf 8.9% zu verzeichnen gewesen. Irgendwann sterben die Neonazis ganz aus …

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