Wer hätte es für möglich gehalten, dass sich 25 Jahre nach Tschernobyl das so dumme wie zynische Verschleierungskarussell wieder drehen würde – und das nicht in der kommunistischen Schlamperwirtschaft, sondern im Land perfektionierter Hochtechnologie schlechthin. Die gefährliche, gefahrenbringende Wahrheit kommt häppchenweise, bis nun die Katastrophe auf Stufe 7 gesetzt wurde. Die sogenannten Abklingbecken liegen frei, keiner weiß, was sich in den Reaktoren abspielt, Helfer werden verstrahlt, fällige Inspektionen waren unterlassen worden, Notstromaggregate versagten, der Austritt radioaktiver Substanzen habe sich stabilisiert, eine akute Gefahr für die Anwohner gäbe es nicht, Tomaten aus der Region werden vom Regierungssprecher vor laufenden Kameras gegessen. Keine Hysterie bitte; das Problem verflüchtigt sich in der Luft und verdünnt sich im Ozean.

Friedrich Schorlemmer – evangelischer Theologe, ehemals Protagonist der Opposition in der DDR, heute SPD-Mitglied und nach wie vor (für mich) der einzig wählbare Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten – sprach kürzlich gut zum Thema “Fukushima und was wir daraus lernen sollten”.

Den Energieriesen fällt aber immer noch nichts anderes ein als paternosterartige Beteuerungen gestriger Sicherheitsbeteuerungen. Das finanzielle Wohl der Aktionäre steht vorne an. Diesen seien sie verpflichtet … Noch immer alternativlos scheint unsere fortschrittsverwöhnte westliche Welt in dem prometheischen Pathos befangen, dass es das Höchste sei über die Welt zu herrschen, statt uns als Mitkreaturen verträglich in Lebenskreisläufe einzufügen …

Das unterschreibe ich so – an diesem 26. April anno 2011.

Der Beitrag im Ganzen zum Nachlesen: Die Welt ist nicht nur Herrschaftsobjekt (SäZ vom 23. April 2011).