POLL

Das Mädchen Oda schreibt Tagebuch, und Gedichte auch. Sie möchte einmal Schriftstellerin werden. Ort der Handlung ist das Gut Poll, zu finden an der baltischen Ostseeküste. Wir schreiben das Jahr 1914, Europa steht am Vorabend des Ersten Weltkrieges …
Oda begleitet die sterblichen Überreste ihrer Mutter, mit der sie bis zu deren Tod in Berlin lebte. Auf Poll, dem Gut der adligen deutschbaltischen Familie, trifft das temperamentvolle und etwas altkluge Mädchen auf eine Gesellschaft, die inmitten eines porösen Idylls ihrem Zusammenbruch entgegengeht. Ihr Vater Ebbo, ein verschrobener Arzt und Hirnforscher, widmet sich fanatisch seinen von der akademischen Lehre missachteten Studien; ihre somnambule Tante Milla ist in eine Affäre mit dem schroffen Verwalter Mechmershausen verstrickt; Cousin Paul, junger Kadett der russischen Armee, macht der herablassenden Verwandten ungeschickt den Hof. Als Oda zufällig einen von zaristischen Truppen schwer verwundeten estnischen Anarchisten in einem verlassenen Nebengebäude findet, entscheidet sie aus einem romantischen Impuls heraus, ihm zu helfen …
“Poll” ist der dritte Film von Regisseur Chris Kraus (“Vier Minuten“). Er beruht auf den losen Erinnerungen der Schriftstellerin Oda Schäfer (1900 bis 1988), welche eine geborene Kraus und seine Großtante war. Und er ist wahrhaftig ein Meisterwerk!
Dem Betrachter erschließt sich ein beängstigend realistischer Einblick in eine zum Untergang verurteilte Gesellschaft. Das excellent agierende Ensemble (Paula Beer und Edgar Selge spielen superb!) bietet in Summe mit dem fulminanten Szenario alles, was der am guten Film interessierte Mensch sich wünscht: die faszinierende Umsetzung einer brillianten Geschichte.
Wie heißt es so schön: Filme werden für das Kino gemacht. Und so ist es auch: “Poll” (die sehr gute Website zum Film) ist allerbestes Breitwandkino aus deutschen Landen, das einen hoffnungsfroh in die Zukunft blicken lässt.
