Der Vollständigkeit halber …

Rodung Schlossberglinden

Rodung Schlossberglinden

Rodung Schlossberglinden

… sei das schändliche Tun hiermit erwähnt: seit drei Tagen verrichten die Sägen ihr Werk am Pirnschen Schlosshang.

Rodung Schlossberglinden

Das Landratsamt hat die Rodung von zwei Linden genehmigt, die verbleibenden sieben werden bis auf eine Höhe von zehn Metern zurückgesägt. Begründet wird dies mit der zu gewährleistenden Standsicherheit – unmittelbar nach den Fällarbeiten soll mit dem Treppenbau begonnen werden.

Rodung Schlossberglinden

Die ganze Aktion wurde kurzfristig angekündigt und sofort in die Tat umgesetzt. Ein schneller Antrag des BUND zum Erlass einer Anordnung an das Verwaltungsgericht Dresden hatte leider keinen Erfolg – er wurde in der Hauptsache aus formalen Gründen abgelehnt (siehe auch: BUND kritisiert Fällung der Schlossberglinden).

Aufhalten kann das Geschehen nur noch der streng geschützte Juchtenkäfer: sollten während des Kronenverschnittes Spuren dieser holzbewohnenden Krabbeltiere gefunden werden, müssen die Sägen stoppen (ein Sachverständiger weilt vor Ort).

Es steht also schlecht um die verbleibenden Linden an der Schlosstreppe: der Nachweis des Käfers in der kommenden Vegetationsperiode steht in Frage und der geplante Neubau der Treppe wird mit Sicherheit irreparable Schäden im Wurzelbereich verursachen – welche irgendwann ursächlich für eine mangelnde Standsicherheit und die dann notwendige Fällung sein werden. Zudem ist es fraglich, ob die Bäume nach dem jetzt praktizierten Kronenschnitt jemals wieder ordentlich austreiben.

Rodung Schlossberglinden

Keine guten Tage für die Menschen, die hier am Schlossberg leben …

8 Kommentare

  1. derbaum16. Februar 2011 at 17:13

    gelesen – wahrgenommen – und auch ein wenig traurig – ansonsten kennst du meine meinung – wenn schon – dann richtig, damit es wenigstens für unsere enkel wieder ein schönes bild haben….

    • Rappel17. Februar 2011 at 09:24

      diese Ansicht vertreten viele, und ich akzeptiere sie durchaus. allerdings kann ich das rigorose Durchboxen des Vorhabens seitens der Verwaltung nicht akzeptieren, ebenso wenig das sture Festhalten an der Idee seitens des Stadtrates. bei all dem Widerstand vor Ort ist das nicht hinnehmbar … hier wäre es eine kluge Geste gewesen, das Gespräch und darin einen Kompromiss zur Sache zu suchen.

      all das fand nicht statt, die Verwaltung regiert autokratisch über die Köpfe der Bürger hinweg, nur sich selbst und höheren Dienstherren verpflichtet. eine sehr einseitige Demokratie ist das …

      zudem bin ich der Meinung, dass es sich in diesen Zeiten durchaus lohnt, über jeden gesunden Baum zu diskutieren, der irgendwelchen, schwachsinnigen Verkehrsobjekten weichen muss. wie zum Beispiel jüngst auch in Dresden an der Freiberger Straße … :evil:

  2. derbaum17. Februar 2011 at 09:29

    ich gebe dir in allen punkten recht – ob es nötig und wünschenswert ist lasse ich ja völlig offen, das die basis nicht gehört wird ist normal…..

    und alte treppen liebe ich – leider müssen die immer mehr irgendwelchen schwachsinnigen eu-normen weichen…..

    arme welt….

    (sorry – wenn es wirr klingt – heut geschlossen ;-))

    • Rappel17. Februar 2011 at 10:37

      es klingt nicht wirr, und ich wünsche dem Herrn Baum gute Besserung!

      PS: ich war eben noch einmal an der Treppe und habe ein paar bessere Bilder eingefügt.

  3. Wilfried18. Februar 2011 at 15:58

    Auch mich macht es traurig und wütend wenn über 100-jährige Bäume gefällt werden, aber wenn diese wie auf den Bildern zu sehen schon so stark geschädigt sind, gibt es wahrscheinlich keine andere Möglichkeit. Man sagt das Linden bis 1000 Jahre alt werden, aber diese hätten das bestimmt nicht erreicht. Die Neupflanzungen werden sicher späteren Generationen wieder einen schönen Anblick schaffen. Man kann nicht alles in dem jetzigen Zustand erhalten. Das Leben ist vergänglich.

    • Rappel20. Februar 2011 at 00:49

      Die in diesen Bildern zu sehenden, gefällten Linden sind (allerdings nur zum Teil) schon im allerersten Gutachten als stark geschädigt und zur notwendigen Fällung ausgewiesen. Es ging stets und vor allem um den Erhalt der noch gesunden Linden, die allesamt einer Ordnungsmaßnahme weichen sollen.

      Ich finde schon, dass es sich grundsätzlich lohnt, um jeden gesunden Baum zu streiten.

      Die wilhelminischen Auffassungen der Stadtverwaltung und eines gewissen Architekturbüros – die Landschaftsgestaltung und moderne Architektur (neuer Busbahnhof Pirna!) im Allgemeinen betreffend – sind nicht die unseren: wir wollen es grün und natürlich. Eine kunterbunte Baumvielfalt ist mir tausendmal lieber als eine preußisch exakt ausgerichtete, synchron gepflanzte Kunstbaumallee – der Schlossberg ist schließlich kein Barockgarten!

  4. Muyserin25. Februar 2011 at 11:06

    Trotzdem wichtig und löblich, dass Du darüber schreibst.

    • Rappel26. Februar 2011 at 15:34

      Danke. Pirna ist diesbezüglich leider kein Einzelfall, wie jüngst in der SäZ (sz-online, 24.02.2011) zu lesen war. Auch anderswo agiert eine hochherrschaftliche Verwaltung…

      Ich zitiere mal schnell – der Einfachheit halber:

      Meißen – Kahlschlag in der Marienhofstraße

      Insgesamt 32 Linden sollen fallen und durch 37 neue Bäume ersetzt werden. Die Anwohner fürchten um den Allee-Charakter ihrer Straße.

      “Hier verschwindet ein Kleinod auf dem Plossen”, ärgert sich Christian Wagner. Wie er mussten die Anwohner der Marienhofstraße gestern mit ansehen, wie hier bis zu 100 Jahre alten Linden gefällt wurden. Damit gehe der Allee-Charakter der Straße verloren.

      Eben dieser soll wieder hergestellt werden, begründet Rathaus-Sprecherin Inga Skambraks die Fäll-Aktion. Und sie verweist auf einen Beschluss, den der Bauausschuss vor vier Wochen fasste: Demnach sollen jetzt an Kapellenweg und Marienhofstraße 32 Bäume fallen – um Platz zu schaffen für 37 neue Stadtlinden, die noch in diesem Frühjahr in die Erde kommen sollen.

      Bis die neuen Bäume wieder eine Allee bilden, werden Jahre vergehen, entgegnet Christian Wagner. Der selbstständige Bau-Sachverständige bezweifelt, dass es für jeden der jetzt fallenden Bäume ein Gutachten gibt, um den Kahlschlag zu rechtfertigen. Das Gehölzschutzkonzept, auf dessen Grundlage die Fällarbeiten jetzt begonnen wurden, basiere auf mehreren Gutachten, erklärt die Stadt-Sprecherin. Außerdem könne und wolle es die Stadt nicht zulassen, dass Menschen durch die zum Teil hohlen Bäume zu Schaden kommen.

      Was Christian Wagner und weitere Anwohner auf dem Plossen außerdem ärgert, ist, dass sie sich vor vollendete Tatsachen gestellt sehen: “Zu dieser Fällaktion gab es weder eine Ankündigung noch eine Erklärung aus dem Rathaus”, sagt er. “Diese Kritik ist berechtigt”, räumt Inga Skambraks ein. Das werde ausgewertet. (SZ/da)

      Wie sich die Fälle doch gleichen … Schlimm ist das.

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