Schön wär’s – aber so heißt es leider schon lange nicht mehr …

In nicht allzu ferner Zeit war es allerdings schon so, dass der Pirnaer Kasperle rief und die Menschen zuhauf kamen, um sich am Puppenspiel zu erfreuen. Soll heißen: von 1945 bis 1957 gab es in Pirna tatsächlich eine weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Puppenspielbühne – “Die Pirnaer”.

Ganz kurz einige Fakten dazu …

Im Jahre 1945 wurde die Puppenspielbühne von dem damals 20-jährigen Wolfgang Hensel gegründet. Schon bald fanden sich mit Fred Schencke und Heinz Fülfe zwei weitere Puppenspieler von Format, die der Bühne maßgeblich zu ihrem Erfolg verhalfen. Heinz Fülfe, einigen LeserInnen vielleicht noch gut bekannt als Taddeus Punkt (auch der Hund Struppi hatte in Pirna seinen ersten Auftritt), erstellte als gelernter Bühnenbildner die Kulissen.

Die Gruppe orientierte sich weitestgehend am damals schon weltbekannten Hohnsteiner Puppenspiel, auch die Puppen stammten von dort – aus der Werkstatt von Theo Eggink. Im Gegensatz zu den Hohnsteinern, die in ihrem Spiel nur farbige Stoffe verwenden, wurden jedoch aufwendig gearbeitete Bühnenbilder verwendet. Gespielt wurde für Kinder ebenso wie für Erwachsene, die Bühne war viel auf Reisen und mit “Der Schatz in der Zauberhöhle” waren “Die Pirnaer” dann auch im DDR-Fernsehen zu sehen.

Im Jahre 1957 verließ Wolfgang Hensel die DDR, Fred Schencke begleitete ihn zunächst, kehrte aber später nach Pirna zurück. 1963 verpackte Hensel die Puppen endgültig und gründete in Würzburg die Firma »Hensel Studiotechnik«. Bis zu deren Verkauf im Jahre 1993 war er als Unternehmer tätig.

So weit, so gut. Eine kleine, schön gestaltete Ausstellung gibt jetzt allen Interessierten genauere Auskunft zur Geschichte der Pirnaer Puppenbühne: “Die Pirnaer – Wolfgang Hensels Puppenbühne 1945 – 1962″, zu finden im hiesigen Stadtmuseum (Dienstag bis Sonntag, 10.00-17.00 Uhr) und bis zum 27. Februar 2011 zu besichtigen.

Neben diversen Puppen, Requisiten, Werbematerial und Fotos werden auch Tonaufzeichnungen aus den Jahren 1953/54 sowie einige Folgen des Abendgrußes vom Hessischen Fernsehfunk (Hensel produzierte einige Kindersendungen für das Fernsehen) präsentiert – der Besuch lohnt also.