In der vergangenen Woche war der Kongo mal wieder gut für eine Schlagzeile: Uno räumt Versagen der Blauhelmsoldaten …

Ins dunkle Herz des Kongo

In der vergangenen Woche war der Kongo mal wieder gut für eine Schlagzeile: Uno räumt Versagen der Blauhelmsoldaten im Kongo ein (SpOn) – ihr erinnert euch gewiss.

Diese schlechte Nachricht bestätigte leider – im Nachhinein – meine aktuelle Lektüre, steht sie doch beispielhaft für den weiteren, scheinbar unaufhaltsamen Niedergang der Demokratischen Republik Kongo. “Blood River: Ins dunkle Herz des Kongo” (amazon Partnerlink) von Tim Butcher ist ein Reisebuch, dass auf seine Art bemerkenswert und somit die Empfehlung wert ist.

Worum geht es im Einzelnen?

Allen Warnungen vor marodierenden Rebellen zum Trotz reist Tim Butcher allein entlang des gesamten Kongo-Stroms, 2.500 Kilometer vom Tanganjika See an der Grenze zu Tansania bis nach Boma am Atlantischen Ozean. In Pirogen, auf einem Patrouillenschiff der UN, zu Fuß und mit Motorrädern durchmisst er “Afrikas gebrochenes Herz”, getrieben vom Wunsch, sich ein eigenes Bild von einem Land zu machen, das gegenwärtig durch die größte UN-Blauhelmmission der Welt mehr schlecht als recht stabilisiert wird. Entstanden ist ein mutiger, äußerst lesenswerter und hoch aktueller Augenzeugenbericht über das Leben und Überleben in einer der am schwersten zugänglichen Regionen Afrikas.

Ergänzend ist zu sagen, dass der Autor sich nicht gänzlich unerfahren auf den Weg machte – Tim Butcher ist Journalist beim englischen “Daily Telegraph” und arbeitete bereits als Kriegsberichtserstatter im Irak, dem Kosovo und Sierra Leone. Dazu war er mehrere Jahre lang Afrikakorrespondent mit Sitz in Johannesburg. Der Mann wusste also ganz gut, auf welches Wagnis er sich einliess. Zudem hatte er diejenigen Kontakte vor Ort, ohne deren Hilfe das Unternehmen mit Sicherheit zum Scheitern verurteilt wäre.

Butcher beschränkt sich in seinem ersten Buch nicht auf die alleinige Beschreibung der Reise, sondern analysiert (mit Blick auf die Geschichte von der Kolonialzeit bis über die Unabhängigkeit hinaus) treffend die Ursachen des Niedergangs, die weit verbreitete Korruption und das fehlende Engagement der jeweils Regierenden für die Entwicklung des Landes.

Keine lustige Geschichte also, kein Amusement, aber ein unbedingt lesenswerter Bericht zu einem Thema, das in den hiesigen Medien leider nur selten ein Thema ist.

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