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Die "Heilige Johanna"

Chicago, in den Jahren der Weltwirtschaftskrise: im Kampf um Umsatz und maximalen Gewinn gehen sich die großen “Fleisch-Fabrikanten” gegenseitig an die Gurgel. Es gibt erste Opfer unter den Kapitalisten – die Fabriken schließen, die Arbeitslosen hungern.

Johanna Dark, die Heilsarmeesoldatin, sucht stetig das Gute im Menschen und verteilt Gottes Wort nebst Suppe an die Bedürftigen an den Schlachthöfen. Dabei trifft sie auf Pierpont Mauler – seines Zeichens “Fleischkönig” von Chicago. Dieser ist von Johannas Idealismus fasziniert, verspricht, seine Fabrik wieder zu öffnen und will ihr beweisen, dass nicht die Fabrikanten, sondern die Arbeiter – das “niedere Volk” – schlecht sind.

Johanna erkennt sehr wohl, dass diese vorgebliche Schlechtigkeit aus der Not heraus geboren ist. Voller Abscheu wirft sie die Fleischfabrikanten, die der Heilsarmee (im Stück “die Schwarzen Strohhüte”) Geld spenden sollen, aus deren Haus – woraufhin sie entlassen wird. Die Lage eskaliert, als zum Generalstreik aufgerufen wird …

Bertolt Brecht schrieb “Die heilige Johanna der Schlachthöfe” in den Jahren 1929/30, erlebte die Aufführung jedoch nicht mehr. Erst 1959, drei Jahre nach seinem Tod, kam es in Hamburg zur Uraufführung.

Das Thema ist heute so aktuell wie vor 80 Jahren – keine Frage. Am Dresdner Staatsschauspiel wird uns derzeit in einer eindrucksvollen, sehenswerten Inszenierung präsentiert, wie Kapitalismus funktioniert. Eine lobenswerte Ensembleleistung mit einem grandios spielenden Matthias Reichwald als Fleischkönig Mauler war das (belohnt mit lang anhaltendem Applaus und zum Teil stehenden Ovationen) am gestrigen Abend. (zum Spielplan)

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